FAQ Kakteen, Sukkulenten, Xerophyten
Diese Frage-Antwort-Liste soll regelmäßig wiederkehrenden Fragen zu sukkulenten Pflanzen beantworten. Verbesserungs- und Erweiterungsvorschläge sind sehr willkommen (rotis@sabon.org). Alle Informationen sind nach bestem Wissen zusammengestellt und ohne jede Gewähr. Diese Kurzanleitung kann kein Fachbuch ersetzen.
Version: 1.0
Zuletzt bearbeitet am: 12.11.2004
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Allgemeines
Was sind Kakteen, Sukkulenten und Xerophyten?
Xerophyten (griech. xerós = trocken, phytón = Pflanze) sind Pflanzen, die an trockene Standorte angepaßt sind, kleine und derbe Blätter sowie eine dicke Kutikula haben. Zu den Xerophyten zählen z.B. Agaven, Drachenbäume und Yuccas Pflanzen, die eher wenig sukkulent sind. Sukkulenten (lat. succuléntus = saftreich) sind wasserspeichernde Pflanzen mit verdicktem, wasserspeicherndem Stamm, Blättern oder Wurzelknollen. Das ermöglicht ihnen ein Vorkommen an besonders trockenen Standorten. Zu den Sukkulenten gehören z.B. Aloen, viele Euphorbien, sowie die Kakteen. Die etwa 2000 Kakteenarten sind in der Familie der Cactaceae zusammengefaßt, während die anderen Sukkulenten zu 50 verschiedenen Pflanzenfamilien in etwa 600 Gattungen mit rund 3000 Arten gehören und vielgestaltiger als die Kakteen sind.Wo liegt die Heimat dieser Gewächse?
Xerophyten und Sukkulenten kommen weltweit vor, Kakteen ausschließlich in Amerika, und da den gesamten Doppelkontinent von Kanada bis Feuerland. Die meisten Sukkulenten bewohnen die heißesten Orte der Erde: Südafrikas Kapregion, die Namibwüste, die Trockengebiete Ostafrikas. Berühmt für ihre endemische Artenvielfalt sind Madagaskar und Sokotra. Europa und Asien hat ein paar spärliche Vorkommen, bei uns sind nur Sedum und Sempervivum heimisch, in Indien einige Euphorbien und Stapelien. Die australischen Wüsten beherbergen viele Xerophyten, aber fast keine Sukkulenten.Was unterscheidet Kakteen von Sukkulenten?
Kakteen gehören als Wasserspeicherer ebenfalls zu den Sukkulenten. Die Abtrennung der besonders populären Kakteenfamilie von den »anderen Sukkulenten« durch die Kakteenliebhaber ist rein willkürlich. Dennoch: Kakteen kommen nur in Amerika vor und haben bei den meisten Arten Dornen. Viele Sukkulenten zeigen aufgrund ähnlicher Lebensbedingungen in anderen Teilen der Welt eine Wuchskonvergenz zu den Kakteen, gehören jedoch zu vielen verschiedenen anderen Pflanzenfamilien. Sie besitzen keine Dornen und kommen weltweit vor mit Schwerpunkt auf das südliche Afrika.Wie unterscheidet man Säulenkakteen von Euphorbien?
Viele Pflanzenfreunde ohne sukkulente Erfahrung kaufen »Säulenkakteen«, die sich später als Wolfsmilchgewächse (Euphorbien) entpuppen. Als Unterscheidungsmerkmal kann man ihre unterschiedliche Wuchsgeschwindigkeit verwenden. Gut eingewachsene säulige Euphorbien wachsen bis zu einem Meter pro Jahr, Kakteen meist viel langsamer. Als schnellen Test kann man eine Nadel verwenden, mit der man den Pflanzenkörper an einer unauffälligen Stelle leicht anpiekst. Euphorbien sondern einen giftigen, weißen Milchsaft ab, der Saft von Kakteen ist in der Regel klar.Wozu diese lästigen lateinischen Namen?
Viele Anfänger fühlen sich den lateinischen Namen anfangs abgeneigt. Später stellen sie fest, daß das System der botanischen Nomenklatur mit Gattungen und Arten logisch und für den internationalen Austausch unentbehrlich ist. Schaut man sich die in diesem Dokument gesammelten deutschen Namen und ihre Mehrfachbedeutungen an, kann man den Sinn der eindeutigen internationalen Benamung auf Latein verstehen. Die Nomenklatur nach Linné ist hierarchisch aufgebaut, hier ein Beispiel anhand der Arten Brasilicactus graessneri var. jaquiranensis fa. aureiflorus und B. haselbergii var. stellatus:
- Familie Cactaceae (Kakteen)
- Unterfamilie Cactoideae
- Tribus Notocacteae
- Gattung Brasilicactus
- Art graessneri
- Varietät var. jaquiranensis
- Form fa. aureiflorus
- Gattung Brasilicactus
- Art haselbergii
- Varietät var. stellatus
Nomenklatur nach HUNT oder BACKEBERG?
Die Nomenklatur bei den Kakteen ist ein Chaos, je nach Meinung der verschiedenen Experten beinhaltet die Familie zwischen 1500 und 3500 Arten und Varietäten. Die Fraktion der Aufspalter in viele Gattungen, Arten und Varietäten nennt man (engl.) »Splitter«, die der Zusammenzieher der Gattungen, Arten und Varietäten in einige wenige nennt man (engl.) »Lumper«. Berühmtes Beispiel eines sehr genauen Beobachters und Splitters ist der Deutsche Curt Backeberg, dessen Nomenklatur noch immer die verbreitetste ist. Derzeit bekanntestes und ungeliebtes Beispiel eines Lumpers ist der Engländer David Hunt. In seiner »CITES Cactaceae Checklist« wurden unzählige Gattungen und Arten gelöscht und zu Großgattungen zusammengefaßt, was den meisten Sammlern nicht zusagt, ist doch so über Nacht das eigene Sammelgebiet verschwunden. Der Kakteenhändler Haage in Erfurt listet seine Verkaufspflanzen nach Backeberg und seine Sämereien nach Hunt.Was sind botanische Arten?
Botanische Arten von Kakteen und Sukkulenten sind die reinen Arten, die Wildformen, wie sie in der Natur vorkommen. Im Gegensatz dazu stehen die gärtnerischen Arten (sogenannte Cultivare), die oft hybridisiert und ausgelesen werden, um möglichst schöne Blüten, interessante Wuchsformen, variegate Blätter oder cristate Körper zu erzielen. Beispiele für Cultivare sind Gymnocalycium friedrichii 'Hibotan', Astrophytum asterias 'Superkabuto', Mammillaria wildii fa. cristata, Portulacaria afra fa. variegata oder Cereus peruvianus fa. monstrosa.
Kuriositäten der Sukkulentenbotanik
In Polen heimische Kakteen?
Eine sonderbare Form von Nationalstolz legten 2003 die beiden polnischen Erstbeschreiber einer neuen Säulenkakteenart, Ewa und Wojtek Foik, zutage, als sie die Pflanze als Hildewintera polonica beschrieben, was nichts anderes als »Hildewintera aus Polen« bedeutet. Dabei hatten sie die Heimat dieses Kaktus in der slowakischen Zeitschrift »Cactaceae etc.« selbst als »Region Santa Cruz in Bolivien« angezeigt. Ähnlich seltsam ist die 1753 erfolgte Erstbeschreibung des Cereus peruvianus, des »Säulenkaktus aus Peru«, der eigentlich nur in Brasilien heimisch ist.Was bedeutet Huernia?
Diese Gattung der Aasblumen wurde nach dem holländischen Missionar Justus Heurnius (15781652) benannt, der als einer der ersten in Südafrika Pflanzen und besonders Stapelien sammelte und zeichnete. Der englische Erstbeschreiber der neuen Gattung Heurnia, Robert Brown (17731858), verdrehte jedoch die Buchstaben und schrieb statt Heurnia »Huernia«. Die Botaniker Alwin Berger (18711931) und Karl Schumann (18511904) strebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Korrektur an, konnten sich aber nicht durchsetzen, so daß der verschandelte Name heute legitim ist.Was bedeutet Lobivia?
Als die amerikanischen Botaniker N. Lord Britton (18591934) und J. N. Rose (18621928) zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese artenreiche Gattung etablierten, schufen sie aus dem Namen des Hauptverbreitungsgebiets Bolivien (engl. Bolivia) durch eine einfache Buchstabenversetzung das Anagramm Lobivia.Was bedeutet Pereskia?
Der Gattungsname sollte einen französischen Staatsrat von Aix-en-Provence namens N. C. F. de Peiresc (15801673) ehren. Der englische Gärtner Ph. Miller (16911771) gab ihr allerdings den verstümmelten Namen Pereskia statt Peireskia. Die zwei amerikanischen Botaniker Britton & Rose benutzten diesen Gattungsnamen für eine zweite Gattung: Pereskiopsis. Namhafte Autoren haben dem Druck der Nomenklaturregeln lange Zeit standgehalten und in ihren Werken Peireskia und Peireskiopsis benutzt. So schreibt noch Curt Backeberg (18941966): »Benannt wurde das Genus nach dem Provenzalen Peiresc, infolge der französischen Aussprache zuerst Pereskia geschrieben; seit 100 Jahren, d.h. seit Salm-Dyck, wird aber schon darauf verwiesen, daß bei einer Namensehrung auch die Benennung orthographisch korrekt lauten sollte. [...] Eine verstümmelte oder ungenaue Namensschreibung ist keine rechte Ehrung.«Was stimmt: Mamillaria oder Mammillaria?
In vielen guten Werken aus der klassischen deutschen Kakteenhochzeit bis etwa 1980 wird die heutige Gattung Mammillaria noch Mamillaria geschrieben. Warum er Mamillaria schreibt, das erläutert Curt Backeberg so: »Nach den Nomenklaturregeln müßte der Gattungsname eigentlich Mammillaria geschrieben werden. Wie schon Salm-Dyck und Schumann ausführten, ist diese Schreibweise falsch d.h. es gibt hier keine orthographische Variante weil das lateinische Deminutiv von mamma richtig mamilla lautet. So wird auch das Genus Mamillopsis geschrieben, sowie die Unterkategorie Mamillariae. [...] Es sollte endlich eine Vereinheitlichung vorgenommen werden, wie sie hier und auch von den meisten deutschen Autoren gewählt wurde.«
Ewig populäre Fragen
Haben Kakteen Dornen oder Stacheln?
In den meisten modernen Kakteen-Fachbüchern wird der populäre aber falsche Begriff »Stacheln« verwendet. Kakteen haben Dornen. Dornen sind umgewandelte Blätter, die fest mit der Pflanze verwachsen sind. Rosen haben Stacheln. Stacheln sind Gebilde der Außenhaut, die man leicht ablösen kann.Was sind die kleinsten und größten Kakteen und Sukkulenten?
Die kleinste Kakteenart ist Blossfeldia liliputana mit einer Größe von 1 bis 1,5 cm. Die größten sind die Säulenkakteen Carnegiea gigantea und Cephalocereus senilis mit einer Höhe von bis zu 15 Metern. Die kleinsten Sukkulenten dürften die erbsengroßen Pflänzchen der Gattung Conophytum (Mesembryanthemaceae, Mittagsblumengewächse) sein, die größten sollten aus der Gattung Euphorbia (Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächse) kommen Euphorbia grandidens wird über 20 Meter hoch.Wie alt können Kakteen und Sukkulenten werden?
Je langsamer ein Organismus wächst, desto länger lebt er. Was also für Schildkröten zutrifft, paßt auch auf sukkulente Pflanzen. Die Kakteenzüchterei REPPENHAGEN pflegt noch heute in ihrer Sammlung eine Mammillaria chionocephala, die ihr Gründer 1921 bei HAAGE in Erfurt gekauft hat. Der Sammler BACKEBERG berichtet Mitte des 20. Jahrhunderts aus Mexiko von bis zu drei Meter hohen Echinocactus grandis und E. ingens, die mehr als 500 Jahre als sein mußten und schon die Ankunft der Konquistadoren gesehen hatten. »Lebende Steine« der Gattung Lithops können älter als 50 Jahre werden, wenn sie nicht von einer Gewächshaus-Maus gefressen werden. Ebenso alt werden die beliebten kleinen Südafrikaner der Gattung Haworthia. Die Sukkulentenpflege ist ein lohnendes Steckenpferd, bei dem die meisten Pfleglinge mehrere Generationen der Pfleger überdauern können.Was ist der längsterhaltene keimfähige Samen?
Aus einer alten Kakteenschrift: »Anhalonium prismaticum [= Ariocarpus retusus] war in den 1860er Jahren in Europa eine äußerst seltene Kakteenart und war den damaligen Kakteenfreunden meist nur nach der Beschreibung bekannt. In einer Importsendung waren Pflanzen nach Deutschland gekommen und den verschiedenen Sammlungen einverleibt worden. Doch nach kurzer Zeit waren alle eingegangen. Ein einziges Exemplar fand ich 1866 in der Sammlung des Herrn Karl Pfersdorff vor. Das war damals Europas größter und geschicktester Kakteenzüchter. Aber auch diese Pflanze vegetierte nur noch kümmerlich. Weder in den Botanischen Gärten von Paris, London, Berlin, noch in sonst einer Sammlung war das Anhalonium zu sehen. Daher kam es, daß in Gesprächen oft die Rede auf diese Pflanzenart kam. Bei einer solchen Diskussion erzählte Herr Dr. Weber, daß man zwischen den vertrockneten Lamellen dieser Pflanzen Samen finde, die eine langjährige Keimfähigkeit besäßen. Dies fiel mir ein, als ich später, um 1870, in dem Mortuarium des Herrn Dr. Poselger in Berlin zwei alte Anhalonium-Leichen entdeckte, die schon 30 Jahre in dem Reliquienschrank lagen. Ich erzählte Poselger das von Weber in Paris Gehörte und schlug vor, die Leichen nach Samen zu untersuchen. Dies gestattete er, stand der Angelegenheit aber ziemlich skeptisch gegenüber. Als ich nach einigem Suchen zwei Samenkörner gefunden hatte, schätzte Poselger ihr Alter auf 60 bis 70 Jahre und zweifelte an ihrer Keimfähigkeit. Ich aber war guter Hoffnung und übernahm die Aussaat mit aller Vorsicht und Fürsorge. Schon nach 10 bis 12 Tagen lief eines der Samenkörner auf. Herr Poselger, dem ich dies sofort mitteilte, erschien schon am nächsten Tag. Er befürchtete, es könne irgend ein anderes Samenkorn in die Erde geraten sein. Ich aber war meiner Sache sicher. Schon nach weiteren 8 Tagen konnte man unter der Lupe den Anfang der Bildung von Anhalonium-Lamellen unterscheiden. Nun galt es, das Leben dieses zarten Gebildes zu erhalten. Nur die Aufpfropfung auf eine stabile Unterlage konnte da Abhilfe schaffen...«Was ist ein 20 Jahre alter Sämling?
Zur Unterscheidung von einem vegetativ vermehrten Steckling (klongleiche Ableger einer Pflanze) nennen Züchter eine durch Samen generativ gewonnene Pflanze »Sämling«, auch wenn sie vielleicht schon 20 Jahre alt und ausgewachsen ist.Was ist eine 10 Jahre alte Jungpflanze?
Ein 10 Jahre alter Echinocactus grusonii ist mit seinem Durchmesser von 15 cm immer noch eine Jungpflanze, ein Baby. Er hat vor Erreichung seiner Blühreife noch etwa 30 Jahre vor sich. Seine erwachsene Größe von rund 80 cm Durchmesser und 1,30 m Höhe tritt je nach Klima, Standort und Pflege vielleicht erst nach 60 oder 100 Jahren ein. Jung ist immer relativ und hängt vom Gesamtlebenszyklus einer Pflanze ab. Eine 10jährige Rebutia ist uralt, ein gleichaltriger Ariocarpus blutjung.Was sind das für seltsame Astrophytum-Kürzel?
In Kakteenkatalogen liest man häufig von SENAS und ORAS-Hybriden. Es handelt sich dabei um Abkürzungen, die von den tschechischen Astrophytum-Fachleuten Jan Suba und Otakar Sadovsky aus Brünn (Brno) in den 1930er Jahren eingeführt wurden, um Hybriden leichter zu kennzeichnen. Eine SENAS ist eine Kreuzung aus Astrophytum senile X Astrophytum asterias, eine ORAS siehe hier:
AS = Astrophytum asterias
CAP = Astrophytum capricorne
CO = Astrophytum coahuilense
CRAS = Astrophytum crassispinum
MY = Astrophytum myriostigma
NI = Astrophytum niveum
OR = Astrophytum ornatum
SEN = Astrophytum senileWas bedeuten Hibotan, Nishiki, Superkabuto und Onzuka?
Diese japanischen Bezeichnungen stammen von Zuchtformen, ausgelesenen und gekreuzten Pflanzen. Hibotan bezeichnet den chlorophyllosen und rotleuchtenden Gymnacalycium friedrichii; Nishiki denselben in gefleckter Form. Ein Superkabuto ist eine sehr begehrte Astrophytum-asterias-Hybride (mit eingekreuzten A.-senile-Genen), deren grüner Körper fast völlig weiß beflockt ist, weswegen er fast immer gepfropft wird. Ein Onzuka ist ein Astrophytum-myriostigma-Cultivar, der wie ein Super-Kaburo mit einem wunderschönen weißen Flockenteppich bedeckt ist und ebenso veredelt werden muß. Nishiki heißt übrigens auch eine gefleckte Zuchtform des japanischen Farbkarpfens (Koi).Aloe barbadensis oder Aloe vera?
Beim noch immer anhaltenden Ansturm auf die heilkräftige Aloe vera, werfen die Vermarkter dieser Pflanze und ihrer Produkte allerlei abenteuerliche Namen in die Runde. Besonders beliebt ist das merkwürdige Konstrukt »Aloe vera barbadensis Miller«. Fakt ist: die Art heißt Aloe vera, ein Synonym davon ist Aloe barbadensis. Entweder man benutzt den einen oder den anderen Namen, aber nicht beide gleichzeitig. »Miller« soll dem ganzen wohl Autorität verleihen, obwohl der Name des Beschreibers für das barbadensis-Synonym eigentlich unwichtig ist.Wie unterscheidet man eine Agave von einer Aloe?
Beide sehen zum Verwechseln ähnlich, obwohl Aloen nur in Afrika und Agaven nur in Amerika vorkommen. Man kann sie an zwei Merkmalen relativ leicht unterscheiden. Beim direkten Blick von oben auf die Pflanze, kann man bei Aloen in ihr »Herz« blicken, aus dem die Blätter sprießen, während bei Agaven mittig immer ein Blatt steht, das sich von einem jüngeren abrollt. Agaven haben an jedem Blatt einen starren und spitzen Enddorn, der den Aloen fehlt. Als Pflegehinweis möchte ich noch sehr viel Licht empfehlen, nur dann entwickeln beide Gattungen eine natürliche Form. Liegen die Blätter waagerecht und hängen sie hinab, sind sie auf der Suche nach Helligkeit, steht die Pflanze zu finster; in idealem Licht wachsen die Blätter sehr attraktiv schräg nach oben.
Deutsche Pflanzennamen und ihre botanischen Entsprechungen
Was ist ein Felsenkaktus?
»Felsenkaktus« ist eine populäre Bezeichnung für die monströs gewachsenen, »felsenartig« aussehenden Formen mancher Säulenkakteen. Verbreitet sind Cereus jamacaru 'Monstrosus', Cereus peruvianus 'Monstrosus' und Myrtillocactus geometrizans 'Monstrosus'.Was ist ein Erdbeerkaktus?
Als »Erdbeerkaktus« wird im Volksmund ein chlorophylloser, leuchtendroter Kugelkaktus (Gymnocalycium friedrichii 'Hibotan') bezeichnet, der auf eine meist dreikantige Unterlage (Hylocereus spec.) gepfopft ist. Diese Pflanzen auch in gelber, grellrosa, oranger oder schwarz gefleckter Färbung werden regelmäßig in Gartenmärkten angeboten. Zur Erhaltung sollte man den »Erdbeerkaktus« auf eine Dauerunterlage wie einen Trichocereus umpfropfen. Der zum schnellen Großpäppeln verwendete Hylocereus ist wärmebedürftig und stirbt sehr schnell ab. Ohne Unterlage kann die Mutation nicht atmen (ihr fehlt das Blattgrün) und geht ein.Was ist ein Bananenkaktus?
Unter dem Namen »Bananenkaktus« wird in Gartenmärkten meist ein Chamaecereus silvestrii in chlorophylloser, leuchtendgelber Farbe angeboten. Die Pflanze ist eine kleine Säule mit zahlreichen Seitenarmen.Was ist ein San-Pedro-Kaktus und ein Peyote?
»San Pedro« ist die gängige Bezeichnung für einen Trichocereus pachanoi, ein »Peyote« ist ein Lophophora williamsii. Diese Namen stammen aus der Heimat der Pflanzen, Ekuador und Mexiko, und werden eher von Drogenkonsumenten als von Kakteenfreunden so bezeichnet. Beide enthalten Meskalin, ein Rauschgift, der schnellwachsende »San Pedro« mehr als der seltene und langsamwüchsige »Peyote«. In der schwachen nordeuropäischen Sonne wird das Alkaloid allerdings kaum gebildet.Was ist ein Saguaro?
»Saguaro« ist die indianische Bezeichnung für den Riesen-Säulenkaktus Carnegiea gigantea, der in den USA (Arizona) und in Mexiko (Sonora) wächst. Ein weiterer Name ist »Kandelaberkaktus«.Was ist ein Westernkaktus?
Der typische »Westernkaktus« mit Armen wäre ein Carnegiea gigantea. Verkauft werden in Gartenmärkten unter diesem Namen jedoch meistens großwachsende und mit kandelaberartigen Armen »westernähnliche« Wolfsmilchgewächse der Gattung Euphorbia aus dem südlichen Afrika. Vorsicht: Diese großen, baumförmigen Euphorbien (wie E. dawei und E. grandidens), die unglaublich schnell wachsen und in der Natur 20 bis 30 Meter hoch werden und Kronen von bis 20 m Durchmesser entwickeln können, sind weder für Wohnungen noch Gewächshäuser geeignet. Sie legen jährlich mehr als einen Meter an Größe zu und müssen deshalb dauernd zurückgeschnitten werden, was weder für die Pflanze schön ist noch der Ästhetik gut tut. Gärtnereien verkaufen diese Pflanzen zu hohen Preisen, weil sich hier mit wenig Aufwand ein großer Gewinn erzielen läßt. Den Pflanzen zuliebe sollte man solche Angebote ignorieren.Was sind Lebende Steine?
»Lebende Steine« sind kleine und sehr beliebte Sukkulenten der Gattung Lithops (Mesembryanthemaceae, Mittagsblumengewächse), die im Habitus kleine Kiesel nachahmen, um sich vor Freßfeiden zu schützen. Nur zur Blütezeit sind die Pflanzen zwischen dem Schotter der Landschaft durch ihre kleinen gelben oder weißen Blüten zu erkennen. Lithops kommt aus dem Griechischen: lithos = Stein, ops = Erscheinung.Was sind Blühende Steine?
Weniger beliebt aber noch viel interessanter und kleiner (die Kleinsten sind nur erbsengroß) sind »Blühende Steine«, Mittagsblumengewächse der Gattung Conophytum. Die Pflege ist etwas heikler als die von »Lebenden Steinen«, aber nicht weniger erfüllend.Was ist ein Seeigelkaktus?
Ein »Seeigelkaktus« ist ein Astrophytum asterias, dessen Körper wie die Kalkschale eines toten Seeigels aussieht. Die Artbeschreibung ist nicht ganz korrekt, denn »asterias« heißt »Seestern«, »Seeigel« wäre »echinus«. Die Verwirrung macht komplett, daß auch Lobivia grandiflora im Volksmund »Seeigelkaktus« heißt, und noch verrückter wird es, wenn man die verwirrende botanische Namensvielfalt dieser letzteren Art verfolgt: Helianthocereus grandiflorus, Trichocereus grandiflorus, Echinopsis huascha var. grandiflora und andere. Schlußendlich werden auch die Echinopsis-Arten als »Seeigelkaktus« bezeichnet, wobei nach der aktuellen Nomenklatur nach HUNT auch meterhohe Trichocereen »Seeigel« wären. Kurios!Was ist ein Bockshornkaktus?
Wegen seiner massiven langgedrehten Bewehrung wird Astrophytum capricorne auch als »Bockshornkaktus« bezeichnet. Der Name Capricornus bedeutet Steinbock.Was ist ein Feigenkaktus?
Als »Feigenkaktus« werden hauptsächliche Mitglieder der Gattung Opuntia bezeichnet, die in den Heimatländern der Kakteen, aber auch im Mittelmeerraum, in Afrika und Indien, wegen ihren schmackhaften Früchten angebaut werden. Meist ist bei großflächigem Anbau die dornenlose Art Opuntia ficus-indica mit ihren Cultivaren vorherrschend. »Kaktusfeigen« haben mit echten Feigen nichts zu tun. Im Gemüsehandel werden oft auch die knallroten und leuchtendgelben Früchte von Selenicereus spec. und Hylocereus spec. angeboten, die in ihrer Heimat Pitaya genannt werden.Was ist ein Ohrenkaktus?
»Ohrenkaktus« heißen im Volksmund die Pflanzen der Gattung Opuntia mit ihren flachen, tellerförmigen Gliedern, die wie Teddybär- oder Hasenohren aussehen. Sie sind wohl das Sinnbild eines Kaktus. Im Mittelmeerraum sind fast überall verwilderte und mehrere Meter hohe Büsche von Opuntia ficus-indica mit ihren typischen »Ohren« zu sehen.Was ist ein Heidelbeerkaktus?
Der »Heidelbeerkaktus« ist nach seinen Früchten benannt, die auf Indianermärkten in seiner Heimat Mexiko verkauft werden und die wie Heidelbeeren roh und gekocht gegessen werden können. Die Art heißt botanisch Myrtillocactus geometrizans und ist ein Säulenkaktus von bis zu 4 Metern Höhe.Was ist ein Osterkaktus?
Ein »Osterkaktus« ist ein Gliederkaktus (Rhipsalidopsis gaertneri) aus dem südbrasilianischen Regenwald, der von Gärtnereien durch eine Kurztagsbehandlung so in der Blütenbildung gesteuert wird, daß er pünktlich zu Ostern seine prächtigen purpurroten Blüten entfaltet. In seiner Heimat steht er unter Naturschutz. Eine Zuchtform namens 'Sirius' hat reinweiße Blüten.Was ist ein Weihnachtskaktus?
Die »Weihnachtskaktus« benannten Pflanzen (Schlumbergera truncata & Hybriden) stammen ebenfalls aus brasilianischen Regenwäldern, wo sie als Epiphyten bis in Höhen von 2000 Metern vorkommen. Bei uns sind sie in vielen Sorten mit weißen, gelben, rosa, roten und mehrfarbigen Blüten verbreitet und blühen trotz geringer Pflege jährlich zu Weihnachten überreich, oft sogar im Hochsommer ein zweites Mal.Was ist ein Binsenkaktus?
Kaum eine Ähnlichkeit mit Kakteen haben diese Epiphyten der Gattung Rhipsalis aus Brasilien und Florida. Als einzige Kakteenart kommen sie natürlich (und nicht verschleppt) auch außerhalb Amerikas auf Madagaskar und auf Sri Lanka vor. »Binsenkaktus« deshalb, weil seine kreisrunden Blätter und Triebe denen unserer einheimischen Binse gleichen. Ein weiterer Name dieser Gattung ist »Korallenkaktus«.Was ist ein Korallenkaktus?
Mammillaria prolifera wird aufgrund ihrer auffällig korallenroten Früchte »Korallenkaktus« genannt. Verwirrenderweise wird aber auch die Gattung Rhipsalis gelegentlich so bezeichnet.Was sind Laubkakteen?
Die ältesten Kakteen in ihrer ursprünglichen Form tragen noch immer mehr oder minder sukkulente Blätter, sind dem Laien eher Sträucher als »echte« Kakteen. Zwei Gattungen der »Laubkakteen« sind hier hervorzuheben: Pereskia und Pereskiopsis. Letztere ist bekannt als wuchsfördernde Pfropfunterlage.Was ist ein Gliederkaktus?
Als »Gliederkakteen« gelten die bekannten Oster- und Weihnachtskakteen (Rhipsalidopsis, Schlumbergera) mit ihren vielgliedrigen Stämmen, ferner aber auch Opuntien.Was ist ein Kugelkaktus?
Ein »Kugelkaktus« ist die ideale Form eines Kaktus, da man in einer Kugel mit ihrer geringsten Verdunstungsoberfläche am effizientesten das Wasser speichern kann. Die Mehrzahl aller Kakteen hat eine Kugelform. Caudexsukkulenten haben oft auch einen kugelrunden Stamm, z.B. Jatropha berlandieri.Was ist ein Säulenkaktus?
Die zylindrische Form des »Säulenkaktus« ist die effizienteste Form des Wasserspeicherns für baumartige Kakteen. Die Kugelform wird bei zunehmender Größe zu großflächig (steigende Verdunstungsoberfläche) und damit energiemäßig ungünstig, so daß ein Zylinder die beste Alternative für mehrere Meter hohe Sukkulenten ist.Was ist ein Muttertagskaktus?
Der »Muttertagskaktus« ist eine pflegeleichte und dankbare Mammillaria zeilmanniana, welche früher von Gärtnereien in Massen vermehrt und mit hübschen roten oder weißen Blütenkränzen zum Muttertag in den Handel gebracht wurde.Was ist ein Bauernkaktus?
»Bauernkaktus« ist der populäre Name von verschiedenen vielfach hybridisierten Echinopsen, die schon zeitig nach Europa eingeführt wurden und durch ihre pflegeleichte Haltung, ihre einfache Vermehrung über massenhaft gebildete Kindel und den überreichen Blütenflor einst in jedem Bauernhaus im Fenster standen. So die Arten Echinopsis eyriesii, E. multiplex, E. oxygona, E. tubiflora und E. turbinata.Welche Art ist die Königin der Nacht?
Die »Königin der Nacht« ist ein strauchartiger Kaktus mit langen, dünnen Trieben und Luftwurzeln der Art Selenicereus grandiflorus, die heute selten artrein angeboten wird. Ihre zahlreichen bis zu 30 cm großen Blüten mit ihrem starken vanilleartigen Duft öffnen sich jedes Jahr nur für eine einzige Nacht. Daher ihr Name. Als »Falsche Königin der Nacht« werden einige weiß- oder rosablühende Echinopsen alter Arten bezeichnet, die ebenfalls nur eine Nacht blühen.Welche Art ist die Prinzessin der Nacht?
Die »Prinzessin der Nacht« ist die Art Selenicereus pteranthus, deren Blüten sogar bis 33 cm groß werden können, allerdings nicht duften. Sie blühen ebenfalls nur für eine Nacht.Welche Art ist die Deutsche Kaiserin?
Der bis einen Meter hohe Blattkaktusstrauch Nopalxochia phyllanthoides ist Grundlage für viele große Blütenzüchtungen. Eine der bekanntesten und ältesten Cultivare wurde von ihrem Züchter »Deutsche Kaiserin« genannt.Was ist ein Schlangenkaktus?
Der »Schlangenkaktus« ist ein Mitglied der etwa 30 Arten umfassenden Gattung Selenicereus aus Mittel- und Südamerika mit langen, kantigen, reich bedornten und fingerdicken Trieben. Man bietet ihm am besten ein nicht zu kleines Rankgestell an, um das er sich winden kann. Selenicereen sind sehr wüchsig und werden in der Regel recht groß. Als »Schlangenkaktus« wird ebenfalls Aporocactus flagelliformis bezeichnet.Was ist ein Peitschenkaktus?
Der dünntriebige und am besten in einer Ampel gehaltene »Peitschenkaktus« oder »Rattenschwanzkaktus« (Aporocactus flagelliformis) bildet hängend ein Ensemble langer »Peitschenschwänze«. Der Blütenflor der Art und ihrer Hybriden erscheint bei optimaler Haltung jedes Jahr in allen Rottönen überreich.Was ist ein Greisenhaupt?
Das »Greisenhaupt« ist der berühmte Cephalocereus senilis aus dem mexikanischen »Tal der Greisenhäupter«, wo die Pflanzen zu tausenden an den Schluchträndern Orgelpfeifen gleich ihre Häupter gen Himmel recken, die ältesten bis 15 Meter hoch. Die langsamwachsenden Säulenkakteen sind auch in der Zimmersammlung gern willkommen und häufig im Sortiment des Handels. Es sind auch diverse andere bewollte Kakteenarten als »falsche Greisenhäupter« im Handel unterwegs.Was ist eine Bischofsmütze?
Den populären deutschen Namen »Bischofsmütze« tragen zwei Arten aus der Gattung Astrophytum, A. coahuilense und A. myriostigma, weil ihr fünfrippiger, unbedornter Habitus der Form einer bischöflichen Mitra gleicht. Die anderen Astrophyten sehen Bischofsmützen nur entfernt ähnlich, auch wenn der deutsche Trivialname auf die gesamte Gattung übertragen wurde.Was sind Kakteensterne?
Als »Kakteensterne« oder »Sternkakteen« werden die wunderschönen und seltenen Pflanzen der Gattung Astrophytum aus den Trockensteppen Mexikos bezeichnet. Ihre fünf- bis achtrippigen Formen und ihre Beflockung mit Millionen kleinen weißen Pünktchen läßt sie wie »Sterne« funkeln.Was ist ein Zwergkaktus?
Unter den wenig üblichen Namen »Zwergkaktus« fallen die winzigen und dabei großblumigen Vertreter der Gattung Rebutia aus den hohen Lagen Boliviens und Argentiniens. Eine Sammlung dieser formen- und farbenreichen Arten nimmt kaum Platz in Anspruch.Was ist ein Asselkaktus?
Pelecyphora ist der botanische Name der »Asselkaktus«-Gattung. Bei diesen Kugelkakteen sind die Warzen seitlich zusammengedrückt und bilden kleine Höcker, auf denen die Dornen kammartig liegen, die ihnen das Aussehen wie von vielen kleinen Asseln besetzt geben.Was ist ein Melonenkaktus?
Als Kolumbus das erste Mal amerikanischen Boden betrat, sah er am Strand der Karibik die melonenförmigen »Melonenkakteen«. Charakteristisch für diese Pflanzen der Gattung Melocactus ist das hutähnliche Cephalium älterer Exemplare. Diese weiße oder rote »Kopfbedeckung« wurde von späteren Seefahrern »Türkenmütze« oder »Türkenkappe« genannt. Die westindischen Turks- und Caicosinseln heißen noch heute nach den »Mützen« der »Melonenkakteen«.Was ist ein Schnapskopf?
Der seltsame Name »Schnapskopf«, den wohl kein Kakteenfreund wirklich benutzt, bezeichnet den »Rauschgiftkaktus« Lophophora williamsi, eine das Rauschmittel Meskalin enthaltende Art, die auch als »Peyotl« bekannt ist und im Süden der USA und im Norden Mexikos vorkommt.Was ist ein Warzenkaktus?
Die riesige mexikanische Gattung Mammillaria ist bekannt dafür, daß sie Warzen statt Rippen bildet. Die »Warzenkakteen« sind kleinbleibend (meist unter 20 cm Höhe) und mit ihren bunten Blütenkränzen am Triebende bei Anfängern und Spezialisten sehr beliebt.Was ist ein Faßkaktus?
Der Name »Faßkaktus« ist aus dem Englischen eingebürgert (barrel cactus) und bezeichnet die buntbedornten, faßartigen Pflanzen der Gattung Ferocactus aus dem Südwesten der USA und aus Mexiko.Was ist ein Blattkaktus?
Ein »Blattkaktus« ist in jedem Falle ein Urwaldbewohner, im speziellen Fall wird die Gattung Epiphyllum so bezeichnet, die sich mittels großer Züchtungsbemühungen (heute besonders in Kalifornien) durch riesige und farbenprächtige Blüten auszeichnet. Ihr Laub ist hingegen meist unscheinbar, schmal lanzettförmig oder farnartig.Was ist ein Schwiegermuttersitz?
Die scherzhafte Bezeichnung »Schwiegermuttersitz«, »Schwiegermutterkissen« oder »Schwiegermutterstuhl« deutet auf die prächtige, massive Bestachelung seines Namensgebers, des Echinocactus grusonii. Dieser weitverbreitete Kaktus wird zwar bequeme 80 cm breit, läd aber nicht zum Platznehmen ein.Was ist ein Goldkugelkaktus?
»Goldkugelkaktus« ist eine weitere Bezeichnung für Echinocactus grusonii mit seinem goldgelb strahlenden Dornenkleid. Diese Art gibt es als Auslese auch mit weißen Dornen und unbedornt.Was ist ein Igelkaktus?
Ein »Igelkaktus« (latein. Echinocactus) deutet auf starkbedornte Kugelkakteen von enormen Ausmaßen aus Mexiko. Darunter finden sich die größten Kugelkakteen überhaupt, die in Jahrhunderten sogar säulig werden, wie Echinocactus ingens.Was ist eine Silberkerze?
Als »Silberkerze« wird Cleistocactus strausii bezeichnet, ein mittelgroßer Säulenkaktus mit reinweißer Behaarung und knallroten Blüten. Dieser hübsche Kaktus ist sehr häufig im Angebot des Handels. Leider vertrocknen ohne ersichtlichen Grund in Kultur und Habitat gerne die Triebspitzen dieser Pflanzen.Was ist ein Wollfruchtkaktus?
Ein »Wollfruchtkaktus« oder »Felsblockkaktus« gehört zur Gattung Ariocarpus. Diese nässeempfindlichen Pflanzen mit Rübenwurzeln sind sehr urtümliche Vertreter der Kakteen, eigentlich kaum als solche zu erkennen. Eher ähneln sie kleinen Haworthia-Sukkulenten.Was ist ein Wachsfackelkaktus?
Die Gattung Cereus (latein. cera = Wachsfackel) ist eine der ältesten überhaupt und enthält viele altbekannte Säulenkakteen wie Cereus forbesii oder Cereus peruvianus, benannt nach ihren hellbereiften oder bläulichen Körpern. Wegen ihres schnellen Wachstums sind sie als starktreibende Pfropfunterlage sehr beliebt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren alle säulenartigen Kakteen in dieser Gattung vereinigt.Was ist ein Igelsäulenkaktus?
Zu den beliebtesten sukkulenten Pflanzen zählen »Igelsäulenkakteen«. Dahinter verbirgt sich die Gattung Echinocereus mit ihren weichfleischigen Arten, die sich durch große, glänzende und bunte Blüten auszeichnen. Manche Arten sind mit etwas Schutz bei uns in Mitteleuropa sogar winterhart.Was ist ein Sägeblattkaktus?
Wegen seiner flachen und tiefgezähnten Blätter, heißt der Urwaldkaktus Epiphyllum anguliger im Volksmund »Sägeblattkaktus«. Im Gegensatz zu vielen anderen Epiphyllen ist diese Art rein und keine Kreuzung.Was ist eine Teufelszunge?
Wegen seiner großen roten, flachen und gebogenen Mitteldornen wird Ferocactus latispinus umgangssprachlich »Teufelszunge« genannt. Die Varietät flavispinus hat gelbe »Teufelszungen«.Was ist ein Lamellenkaktus?
Die Kugelkakteen mit zahlreichen attraktiven, lamellenartigen Rippen der Gattung Echinofossulocactus nennt man auch »Lamellenkaktus«.Was ist ein Pfennigbaum?
Als »Pfennigbaum«, »Geldbaum«, (falsche) »Deutsche Eiche«, »Afrikanischer Affenbrotbaum«, »Jadebaum« oder »Fette Henne« wird die weitverbreitete Sukkulente Crassula ovata (nach alter Nomenklatur C. portulacea) bezeichnet. Gelegentlich benennen Gärtnereien auch die ähnliche, aber mit spitzen Blättern und stumpfgrüner Epidermis versehene Crassula obliqua (die wiederum oft unter der falschen Benennung C. argentea verkauft wird) mit obigen deutschen Trivialnamen. Die monströse Form des Geldbaums mit saugnapfartig zusammengerollten Blättern heißt Crassula ovata 'Horntree', sie ist aber auch unter den Namen 'Gollum', 'Coral' oder 'Green Coral' auf dem Markt. Eine Abart der monströsen Form mit kleineren Blättern, die nur nach hinten gebogen und nicht verwachsen sind, heißt Crassula ovata 'Hobbit'. Eine Normalform mit attraktivem gelb-rot-grünem Laub heißt 'Hummels Sunset'. Eine weit verbreitete Zwergform des Pfennigbaums läuft unter dem Namen Crassula portulacea f. minor.Was ist eine Deutsche Eiche?
Seltsamerweise heißt Crassula arborescens, eine südafrikanische Sukkulente mit weiß bereiften, großen runden Blättern, »Deutsche Eiche«. Diese Pflanze ist aufgrund ihrer Größe und Wüchsigkeit weniger beliebt als Crassula ovata und empfiehlt sich nur für ein Gewächshaus oder einen großen Trog im Wintergarten.Was ist ein Speckbaum?
Als »Speckbaum« (»Spekboom«) bezeichnen die Südafrikaner Portulacaria afra, einen sukkulenten Strauch, der Crassula ovata entfernt ähnlich sieht, aber kleinere Blätter hat. Ein anderer Name dieser zu den Portulakgewächsen (Portulacaceae) gehörenden Art ist »Strauchportulak«. Eine panaschierte Zuchtform mit gelbgrünen Blättern ist weit verbreitet. Diese Pflanze wird ebenfalls als »Geldbaum« oder »Pfennigbaum« bezeichnet. Der Legende nach stimmen die Finanzen des Pflegers, solange die Pflanze wächst und gedeiht. Der eigentliche Trivialname »Speckbaum« ist von den grünglänzenden, wie eingefettet aussehenden, dickfleischigen Blättern abgeleitet.Was ist eine Porzellanblume?
»Porzellanblumen« oder »Wachsblumen« gehören zur Gattung Hoya und sind in fast allen Arten Blattsukkulenten. Am verbreitetsten ist Hoya carnosa mit weißen oder fleischfarbenen und stark duftenden Nektar absondernden Blüten.Was ist Bogenhanf?
Der deutsche Name »Bogenhanf« für Pflanzen der Gattung Sansevieria (häufig falsch »Sanseveria« geschrieben) rührt vom früheren Zweck her, als die Fasern noch als Bogensehnen Verwendung fanden. Die bekannteste Art ist Sansevieria trifasciata mit grünen Blättern und ihre gelbgeränderte Form 'Laurentii'.Was ist eine Aasblume?
Als »Aasblume«, »Ordensblume«, »Ordensstern« oder »Kokardenblume« werden afrikanische Sukkulenten der Gattung Caralluma, Echidnopsis, Huernia, Orbea, Stapelia und anderer Seidenpflanzengewächse (Asclepiadaceae) bezeichnet, die oft riesige, fünfzackige und sehr bunte Blüten besitzen, welche Orden ähneln, die aber den Geruch von verwesendem Fleisch absondern, der Schmeißfliegen zur Befruchtung anlocken soll.Was ist eine Fette Henne?
Als »Fette Henne« oder kurz »Fetthenne« bezeichnet der Volksmund verschiedenste Arten dickfleischiger, sukkulenter Pflanzen, zumeist einheimische Sedum-Arten, die mit fleischigen Blättern im Garten wachsen, aber auch den »Geldbaum« aus Südafrika.Was ist ein Dachwurz?
Verschiedene Arten der rosettenartigen Sempervivum- und Jovibarba-Arten aus den Mittel- und Hochgebirgen Europas, Nordafrikas und Kleinasiens werden »Dachwurz«, »Donnerwurz«, »Hauswurz« oder auch »Steinrose« genannt. Früher wurden sie auf Anordnung Karls des Großen in ganz Europa auf den Dächern der Häuser kultiviert, weil sie vor Blitzschlag schützen sollten. Neueste Forschungen bestätigen, daß die Spitzen der Rosetten für eine dauernde Entladung der ionisierten Gewitterluft sorgen und so Blitzen vorbeugen. Bei kleinen Verletzungen heilen die Blätter von S. tectorum wie die der bekannten Aloe vera. Die Pflanzen sind winterhart und sollten das ganze Jahr im Freien stehen, im Zimmer vergeilen sie. Nur in voller Sonne zeigen sie ihre schöne Rottönung. Das Substrat sollte sehr mager sein.Was ist Mauerpfeffer?
Verschiedene kleinbleibende einheimische Sedum-Arten werden vom Volksmund »Mauerpfeffer« genannt, insbesondere die Art Sedum acre (»Scharfer Mauerpfeffer«). Früher wurden diese Pflanzen als Kräuter genutzt, wobei sie einen scharfen Geschmack entfalten, der ihnen den deutschen Namen gab. Ein weiterer Name für Sedum ist »Sonnenmoos«. Als pflegeleichte Grabbepflanzung einheimische oder japanische Sedum sehr beliebt.Was ist eine Wüstenrose?
Die Caudexsukkulente Adenium obesum trägt den Trivialnamen »Wüstenrose«, hat aber mit den echten Rosen nichts gemein und ist auch nicht ihnen verwandt. Die schönen Blüten gaben ihr diesen Namen.Was ist eine Wolfsmilch?
Wolfsmilchgewächse (Familie Euphorbiaceae) kommen weltweit in 2000 Arten vor, ihre afrikanischen Verwandten, die etwa ein Zehntel der Artenzahl ausmachen, sind meist sukkulent und zeigen in der Form eine große Ähnlichkeit (Konvergenz) zu den amerikanischen Kakteen. Sehr beliebte Arten sind Euphorbia grandicornis, E. horrida und E. obesa. Ohne ihre unscheinbaren Blüten gleichen sie den Kakteen und werden häufig mit diesen verwechselt. Deshalb nennt man sie auch die »Kakteen der Alten Welt«.Was ist ein Tigerrachen?
Die zu den sukkulenten Mittagsblumengewächsen zählende Faucaria tigrina nennt man auch »Tigerrachen«, die F. lupina »Wolfsrachen« und die F. felina »Katzenrachen«. Die dreikantigen Blätter sind mehr oder minder bezahnt und imitieren mit etwas Phantasie die Mäuler von Tieren.Was ist eine Leuchterblume?
Aufgrund ihrer Blüten, die an altertümliche Straßenlaternen erinnern, trägt die Gattung Ceropegia auch den deutschen Namen »Leuchterblumen«. Bekannt und weitverbreitet ist die Art Ceropegia woodii mit ihren herzförmigen Blättern an fadenartigen Stengeln, die wiederum aus dicken Wurzelknollen entspringen.Was ist eine Heilaloe?
Als »Heilaloe« oder »Wundaloe« bezeichnet man Aloe arborescens und nicht, wie vielleicht viele vermuten würden, Aloe vera. Einzig A. arborescens ist in Deutschland als Heilpflanze zugelassen, während A. vera nur zu kosmetischen Zwecken verkauft werden darf. In der Heilwirkung übertrifft Aloe arborescens die heutzutage weithin vermarktete A. vera. Viele Aloes haben Heilwirkungen, die allerdings noch kaum erforscht sind.Was ist eine Papageialoe?
Die früher weitverbreitete Aloe variegata wird aufgrund ihrer bunten Färbung und interessanten Form »Papageialoe« oder »Tigeraloe« genannt.Was ist ein Dickblatt?
Dickblattgewächse (Familie Crassulaceae) sind speziell bekannt als Vertreter der Gattung Crassula (das ursprüngliche »Dickblatt«), aber auch Adromischus, Cotyledon, Echeveria, Pachyphytum, Sedum und anderer. Das bekannteste »Dickblatt« ist wohl der »Geldbaum«, Crassula ovata, der auf jedem Fenstersims der Galaxis zu stehen scheint.Was ist ein Brutblatt?
Das »Brutblatt« (Gattung Bryophyllum) ist eine madagassische Sukkulente, die an den Blatträndern hunderte kleine Babypflanzen bildet, die man abnehmen und bewurzeln kann. Schon Goethe zeigte sich von ihnen so begeistert (daher auch der zweite Name »Goethepflanze«), daß er 1826 einen Blattsteckling und ein Gedicht an Marianne von Willemer sandte:
Was erst still gekeimt in Sachsen,
Soll am Maine fröhlich wachsen.
Flach auf guten Grund gelegt,
Merke, wie es Wurzel schlägt!Dann der Pflänzlein frische Menge
Steigt in luftigem Gedränge.
Mäßig warm und mäßig feucht
Ist, was ihnen heilsam deucht.Wenn Dus gut mit ihnen meinst
Blühen sie Dir wohl dereinst.Offenbar war Marianne mit ihren Brutblättern kein Glück beschieden, so sandte Goethe 1830 abermals Tochterpflänzchen mit folgendem Vers von Weimar nach Frankfurt:
Wie aus einem Blatt unzählig
Frische Lebenszweige sprießen
Mögst Du, einer Liebe selig,
Tausendfaches Glück genießen!Was sind Mittagsblumen?
Aus Südafrika sind viele Mittagsblumengewächse (Mesembryanthemen, kurz gern Mesems oder Mesembs genannt) bekannt. In vielen Schrebergärten findet man die »Eisblumen« oder »Mittagsblumen«, Hybriden der Gattung Delosperma. Aber auch Conophytum, Faucaria, Fenestraria oder Lithops gehören dazu.Was ist ein Fensterblatt?
Als »Fensterblatt« wird die Gattung Fenestraria bezeichnet, die an ihren Blattenden lichtdurchlässige Zellen hat, an denen die Sonne zu den tieferliegenden Chlorophyllschichten vordringen kann. Fensterblattgewächse schützen sich meist vor der übermäßigen Hitze, indem sie unterirdisch wachsen und nur ihre Blattenden über der Oberfläche halten. Weitere bekannte Gattungen mit Fensterblättern sind Frithia und einige Arten von Haworthia.Was ist ein Zungenblatt?
Aufgrund ihrer verblüffend zungenartigen Blätter, die bei intensiver Sonnenbestrahlung auch rot werden können, heißt die südafrikanische Gattung Glottiphyllum auf deutsch »Zungenblatt«. Die Pflanzen gehören ebenfalls zu den Mittagsblumen und kommen aus Südafrika.Was ist ein Elefantenfuß?
Der echte »Elefantenfuß«, Dioscorea elephantipes, hat eine höckrige, halbkugelige Stammknolle, deren Rinde wie die Zehen eines Elefanten aussehen. Er gehört zur Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Der falsche »Elefantenfuß«, Beaucarnea recurvata, wird in seiner Heimat mehrere Meter groß und besitzt einen dicken, sich nach oben verjüngenden graubraunen Stamm (daher sein zweiter Name »Flaschenbaum«), an dessen oberem Ende lange und dunkelgrüne, nach unten gebogene, steife Blätter entspringen. Er gehört zur Familie der Agavengewächse (Agavaceae).Was ist ein Augenblatt?
Wegen der zwei Fensterflächen in den Blattenden ihrer zwei Blätter, die wie Augen aussehen, bekam die Mittagsblumen-Gattung Ophthalmophyllum den deutschen Namen »Augenblatt«. Im nichtblühenden Zustand leicht mit Lithops zu verwechseln, die blaßrosa gestreiften Blüten unterscheiden sie jedoch von den nur weiß- oder gelbblühenden »Lebenden Steinen«.Was ist die Silberhaut?
»Silberhaut« sind Mittagsblumen aus Gebieten mit Quarzböden, deren Epidermis silbrig glänzt. Die etwa 40 Arten gehören zur Gattung Argyroderma.Was ist ein Sandträger?
Mittagsblumen der Gattung Psammophora sondern während der Wachstumszeit über ihre Blätter einen klebrigen Saft ab, so daß der am natürlichen Standort (das Richtersveld in Südafrika) aufgewirbelte Staub und Sand an den Pflanzen haften bleibt und diese mit einer Sandkruste bedeckt werden. Daher »Sandträger«.Was ist ein Zahnträger?
Rasenartige Mittagsblumen der Gattung Odontophorus mit vier paarweise stehenden, fleischigen und warzigen Blättern mit vier Zähnen am Rande daher »Zahnträger«.Was ist ein Milchbaum?
Die Gattung Synadenium (speziell die Art S. grantii) wird »Milchbaum« genannt, weil sie bei geringsten Verletzungen einen hochgiftigen weißen Milchsaft absondert, ähnlich dem der ihr nahestehenden Gattung Euphorbia. Die Art Synadenium capulare heißt aufgrund ihrer hohen Giftigkeit sogar »Todesbaum«.Was ist ein Dickfuß?
Stammsukkulenten der als Zimmerpflanzen beliebten Gattung Pachypodium aus Madagaskar nennt man »Dickfuß« oder auch »Madagaskarpalme« (P. lamerei), obwohl sie mit den Palmen nicht verwandt sind. Sie gehören zu den Hundsgiftgewächsen (Apocynaceae) und werden ihrer Heimat bis zu 8 Meter hoch. Ab einer Höhe von 120 cm kann man herrliche weiße Blütensterne erwarten. Vollsonniger, warmer Stand und sparsames Gießen lassen die »Dickfüße« prächtig aussehen und ein hohes Alter erreichen.Was ist Kletterwein?
Seltsame, dickbäuchige oder kletternde Pflanzen der Gattung Cissus (etwa Cissus juttae) nennt man »Kletterwein«. Von den 350 Arten der Gattung sind nur wenige sukkulent.Was ist eine Fliegenblume?
Aasblumen der Gattung Caralluma nennt man auch »Fliegenblume«, weil sie zum Bestäuben mit Verwesungsgeruch Fliegen anziehen. Die Gattung kommt von Südafrika über Indien bis nach Südeuropa vor und sehr leicht zu halten.Was ist ein Sternzipfel?
Die der Gattung Haworthia sehr nahestehende und nur durch unähnliche Blüten entfernte Gattung Astroloba trägt den ungewöhnlichen deutschen Namen »Sternzipfel«.Was sind Liebesröschen?
Die Gattung Anacampseros ist in Südafrika und Australien verbreitet. Ihren aus Afrika eingedeutschten Namen hat sie daher, weil sie als Aphrodisiakum verlorene Zuneigung zurückbringen soll.Was ist ein Kurzstiel?
Hinter dem Namen »Kurzstiel« verbirgt sich die Gattung Adromischus mit strauchigen, zwergigen Blattsukkulenten, die sehr hübsch, leicht zu pflegen und zu vermehren sind aber dennoch eher ein Schattendasein führen.Was ist eine Eierpflanze?
Dieser seltsame Name gehört zu Sukkulenten der Gattung Oophytum aus der Familie der Mittagsblumengewächse, deren Körperchen seltsam eierförmig wachsen. Die Kultur ist nicht ganz einfach, weil sie es im Winter sonnig und warm mögen und sommers völlig trocken stehen wollen.Was ist eine Affenschaukel?
Die mexikanische Art Sedum morganianum nennt man aufgrund ihrer dickfleischigen, graubereiften und äußerst attraktiven, tauartigen Triebe scherzhaft »Affenschaukel«. Als Ampelpflanze sieht die Art wirklich bestechend schön aus.Was ist ein Drachenbaum?
Afrikanische Stammsukkulenten der Gattung Dracaena, die in ihrer Jugendform gern als Zimmerpflanzen kultiviert werden. Berühmt ist ein 1000jähriger Drachenbaum (D. draco) auf den Kanarischen Inseln. Abgebrochene Äste treiben erneut aus und bilden normalerweise zwei Neutriebe, daher der Name Drachenbaum. Der Sage nach wachsen einem Drachen ebenfalls mehrere Köpfe nach, wenn man einen abschlägt. Zudem ist der bei Verletzungen austretende Saft rot wie Drachenblut.Was ist ein Mondstein?
Als »Mondsteine« sind Pflanzen der Gattung Pachyphytum, besonders das sehr attraktive P. oviferum, bekannt. An kurzen Stämmchen stehen in dichter Rosette eirunde, weißblau bereifte und sehr knubbelige Blätter, die den Anstoß zu diesem passenden deutschen Namen gaben. Diese außerirdische Art sollte in keiner Sammlung fehlen.Was ist eine Schuhblüte?
Pedilanthus, eine amerikanische Verwandte der Euphorbien mit ebenso giftigem Milchsaft, entwickelt schuhförmige, schiefe Scheinblüten in den Farben gelbgrün über rosa und rot bis braun daher der Name »Schuhblüte«.Was ist Lebender Granit?
Mittagsblumengewächse der Gattung Pleiospilos, die in ihrer grauen Färbung und kantigen Form Gesteinsbrocken nachahmen, haben zu dem Namen »Lebender Granit« geführt. Im Englischen heißen sie »split rock«, ebenso passend, »Gespaltener Stein«.Was ist ein Rosetten-Dickblatt?
Die bekannten kanarischen und nordafrikanischen Sukkulenten mit trockenen Stämmchen und endständigen, tellerförmigen Rosetten der Gattung Aeonium heißen aufgrund ihres Aussehens auch »Rosetten-Dickblatt«. Besonders beliebt ist A. arboreum mit seiner braunen Varietät atropurpureum und der schwarzen Zuchtform 'Zwartkop' ('Schwarzkopf').Was sind Mesembs?
Mittagsblumengewächse (Mesembryanthemen) der Gattungen Conophytum, Faucaria, Fenestraria, Lithops und anderer werden von ihren Liebhabern liebevoll Mesembs benannt. Früher hieß man sie Mesems, wie noch in Walther Haages »Praktischem Kakteenbuch in Farben« (1976, S. 154) nachzulesen ist.Was sind Ascleps?
Schwalbenwurzgewächse (Asclepiadaceae) werden von ihren Liebhabern gern »Ascleps« abgekürzt. Meist sind damit stapelianartige Stammsukkulenten gemeint, die von Afrika über Arabien bis Indien verbreitet sind und zum Beispiel Caralluma, Duvalia, Huernia oder Stapelia angehören. Hoyas (Wachsblumen) und Ceropegias (Leuchterblumen) gehören ebenfalls dazu.Was ist ein Steinbrech?
Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) sind einheimische Sukkulenten, die auf Felsen leben und ihren Namen daher haben, daß sie in kleinsten Gesteinsspalten leben und mit ihren Wurzeln scheinbar Steine sprengen und brechen können. Die in Kultur verbreitetste Art ist wohl Saxifraga paniculata, oft auch auf Friedhöfen als Grabbepflanzung dient.Was ist ein Pagodenbaum?
»Tempelbaum«, »Pagodenbaum« oder »Frangipani« nennt man die sukkulenten und im Karibikraum heimischen sukkulenten Blütenbäume der Gattung Plumeria mit ihren zarten, fünfblättrigen Blütengebilden und ihrem unvergleichlichen Duft, der im buddhistischen Kulturkreis als Baum der Unsterblichkeit gilt. Im 12. Jahrhundert schuf der Italiener Frangipani aus verschiedenen ätherischen Ölen ein beliebtes und wohlriechendes Parfüm. Als 400 Jahre später Plumeria entdeckt wurde, die genauso duftete (P. rubra), nannte man die Pflanze »Frangipani«.Was ist ein Christusdorn?
Zu den Wolfsmilchgewächsen gehört der beliebte »Christusdorn« (Euphorbia milii), dessen dünne und stark bedornte Äste dem Dornenkranz der Bibelgeschichte um Jesus Christus ähnelt. Die weitverbreitete Art gibt es in unzähligen Blütenfarben und Zwergzüchtungen.Was ist ein Zwergpfeffer?
Die »Zwergpfeffer« genannte Gattung Peperomia hat nur wenige, dafür sehr beliebte sukkulente Mitglieder. Zu diesen gehören P. graveolens, P. nivalis und P. columnella.Was ist ein Flammendes Käthchen?
Wegen seiner Überfülle an roten Blüten, die jedes Jahr im Winter erscheinen und durch eine Kurzstagsbehandlung auch sonst im Jahr hervorgerufen werden können, bekam die Sukkulente Kalanchoe blossfeldiana den Namen »Flammendes Käthchen«. Die Art gibt es kaum noch botanisch rein, dafür aber mit vielen auserlesenen Blütenfarben von feuerrot über orangerot und violett bis hin zu reinem gelb. Neben Zwergzüchtungen findet man auch mittelgroße und halbmeterhohe Sorten.Was ist eine Palmlilie?
Die nordamerikanische Xerophyten-Gattung Yucca ist auch als »Palmlilie« bekannt. Dabei sind die Pflanzen weder Palmen, noch gehören sie zu den Liliengewächsen. Die bekannteste Art ist wohl Yucca brevifolia, der bekannte »Joschua-Baum« (engl. »Joshua Tree«).Was ist eine Goldopuntia?
Unter »Goldopuntia« versteht man die Art Opuntia microdasys, da strahlend gelbe Glochidenbüschel die ganze Pflanze golden erscheinen lassen. Doch Vorsicht: Ihre samtige Erscheinung verlockt zum Streicheln und Berühren. Das sollte man aber besser bleiben lassen, da man sich so tausende feine Glochidendornen einzieht, die sehr stark pieksen und ihrer Kleinheit wegen schwer zu entfernen sind. Die Pflanze gibt es mit ähnlich »kuscheliger« Bedornung noch in reinweiß (var. albispina) und in rot (var. rufida).Was ist eine Teddybäropuntia?
Eine »Teddybäropuntia« oder im Heimatgebiet auch »Cholla« genannt, ist eine Opuntia bigelowii (oft falsch bigelovii geschrieben). Ihr Habitus sieht aus der Entfernung durch die dichte Bedornung wie eine Ansammlung von Teddybärarmen und - beinen aus.Was ist eine Negerhand?
»Negerfinger« oder »Negerhand« ist die Bezeichnung für Opuntia clavarioides, eine seltene Opuntia-Art aus Chile. Ihre flachen und handförmigen, am Ende fingerförmig verlängerten braunen Triebe sehen tatsächlich aus einer braunen Menschenhand verblüffend ähnlich.Was ist ein Vogelnest-Kaktus?
Mammillaria (Dolichothele) camptotricha wird seines nestähnlichen Aussehens wegen »Vogelnest-Kaktus« genannt. Diesen Trivialnamen trägt auch Astrophytum senile aus demselben Grund.Was ist ein Spinnenkaktus?
Das sehr beliebte Gymnocalycium denudatum heißt deutsch »Spinnenkaktus«, da seine am Körper anliegenden Randdornen wie kleine gelbe Spinnen aussehen. Sehr beliebt ist eine tschechische Hybride aus G. denudatum var. backebergii und G. baldianum mit rosafarbenen Blüten, die vom Züchter Pazout gezogen und nach einem berühmten böhmischen Kakteenzüchter cv. Jan Suba benannt wurde.Was ist ein Buckelkaktus?
Die Gattung südamerikanische und pflegeleichte Gattung Notocactus heißt auf deutsch »Buckelkaktus«. Dies geht darauf zurück, daß die Rippen der Pflanzen bei vielen Arten ziemlich buckelig sind, z.B. bei Notocactus herteri.Was ist ein Hobelspankaktus?
Die argentinische Feigenkaktusart Opuntia articulata var. papyracantha trägt seltsam papier- oder holzspanartige Dornen, die 7 mm breit und bis 10 cm lang sind. Daher der Name »Hobelspankaktus«.
Kakteensprachliches Deutsch
Ich sähte und fropfte, bis eine Blühte kam?
In Diskussionsforen findet man häufig eine exzentrische Rechtschreibung:
die Blüte aber blühen, blühte, geblüht (richtig)
die Blühte, der Blühtenkranz, der Blühtenschopf (falsch)die Saat, säen, ausgesät, ich säte aus (korrekt)
die Saht, sähen, ausgesäht, ich sähte aus (falsch)die Pfropfung, pfropfen, gepfropft, ich pfropfte (korrekt)
die Propfung, propfen, gepropft, ich propfte (falsch)
die Fropfung, fropfen, gefropft, ich fropfte (falsch)Meine kleine, grüne Kaktee?
Laut Duden vor und nach der 1998er Schreibreform ist folgendes richtig:
der Kaktus und die Kaktee (beides Singular)
die Kakteen und (umgangssprachlich) die Kaktusse (beides Plural)
des Kaktus und (umgangssprachlich) des Kaktusses (Genitiv)Für meine Begriffe sind diese Formen elegant: der Kaktus, die Kakteen und des Kaktus. Plump erscheint hingegen der Rest. Formal richtig sind alle Formen.
Augen auf beim Pflanzenkauf
Ich möchte eine alte Pflanze verkaufen, wieviel ist sie wert?
Zunächst ist jede Pflanze als Lebewesen gleichviel wert oder nicht wert wie jede andere Pflanze auch. Eine seltene Rarität hat denselben Wert wie ein Osterkaktus aus einer holländischen Massenzucht, ein 500 Jahre alter Ferocactus ist einem 10jährigen Notocactus gleichwertig. Pflanzenliebhaber sehen das in der Regel anders und schätzen den Pflanzenwert in Euros. Der monetäre Wert bemißt sich auch hier marktwirtschaftlich nach Nachfrage und Angebot oder war ein Sammler bereit ist zu zahlen. Eine Neuentdeckung wird ziemlich schnell nachgezüchtet und kann meist illegal ohne CITES-Zertifikat auf Kakteenbörsen für 50 bis 100 Euro gekauft werden. Ein 50 Jahre alter Astrophytum ornatum kann 600 bis 1000 Euro bringen. Werner Uebelmann (Schweiz) wurden 2003 für seine Nachzucht des praktisch ausgestorbenen Brasilicactus graessneri fa. microdasys von Japanern 1000 US-$ geboten. Apropos Japaner: Die Züchtungen aus japanischen Gärtnereien sind weltweit heiß begehrt und werden vor allem daheim in Japan für Summen bis zu 10.000 US-$ gehandelt. Wie gesagt, es kommt darauf an, was eine Pflanze dem Sammler ideell wert ist.
Pflanzenpflege
Können Wassertropfen Pflanzen verbrennen?
Es ist ein weitverbreiteter Mythos, daß Wassertropfen auf der Epidermis von Kakteen und Sukkulenten durch einen »Brennglaseffekt« Verbrennungen hervorrufen können, wenn man sie am Tage in voller Sonne übergießt oder besprüht. Dazu wurden im Wüstenklima von Phoenix (Arizona, USA) bei Temperaturen von 43 °C von Züchtern Experimente gemacht. Eine Reihe von Pflanzen wurde bei größter Sonneneinstrahlung und Hitze übergossen, und keine verbrannte. Es ist in dortigen Gärtnereien üblich die Pflanzen zu jeder Tageszeit zu gießen und zu besprühen. Trotzdem sollte man sukkulente Pflanzen erst abends gießen, da sie erst ab kühleren Temperaturen von 26 °C Wasser aufnehmen und assimilieren können (CAM-Effekt). In der Tageshitze verdunstet auch viel Gießwasser, bevor es die Wurzeln erreichen könnte.Ein Blütenmeer durch Baldriantropfen?
Ein altes Hausmittel zur Blütenauslösung bei Kakteen ist das »Baldrianblüten-Extrakt«. Regelmäßig 3050 Tropfen davon je 10 Liter Gießwasser und die Pflanzen schieben Blüten über Blüten. Bei Sämlingen angewandt, fördert es die Wurzelbildung und das Wachstum. »Baldrianextrakt« gibt es in der Apotheke oder in Drogerien, es ist für die gärtnerische Nutzung aber aufgrund eines Anteils von 50 % Alkohol nicht geeignet. Die Eigenherstellung des richtigen »Baldrianblüten-Extrakts« ist einfach: In der Hochblüte (Juni/Juli) sammelt man die voll aufgeblühten Blütendolden des Baldrian (Valeriana officinalis). Die Blüten werden von den gröbsten Blütenstielen gereinigt und in Tüten verpackt eingefroren, was die Zellwände zur leichteren Weiterverarbeitung des Saftes platzen läßt. Nach dem Auftauen kommen die Blüten in einen Mixer und werden mit etwas Regenwasser versetzt. Schließlich seiht man den Brei durch ein dünnes Tuch und fängt den fertigen »Baldrianblüten-Extrakt« in einem Glas auf. Das Elixier kann sich etwas absetzen, was die Qualität und lange Haltbarkeit aber nicht beeinträchtigt.Kräftigere Bedornung bei Freilandhaltung?
Gewächshauspflanzen haben oftmals eine schwach ausgebildete und kaum farbige Bedornung, da das Fensterglas das zum gesunden Wachstum notwendige UV-Licht filtert. Die Pflanzen wachsen auch nicht so schön gedrungen und werden eher säulig. Abhilfe schafft das sommerliche Aufstellen der Kakteen im Freien, eventuelle Regengüsse schaden nicht, zum Hagelschutz empfiehlt sich ein aufgespanntes Gaze-Netz. Ersetzt man im Gewächshaus das Glas durch UV-durchlässige Doppelstegplatten, hat man denselben Effekt. Dazu kommt eine bessere Wärmedämmung im Winter und die Bruchfestigkeit der Kunststoffplatten.Wie pflegt man Lebende Steine (Lithops)?
Zu Anfang Mai wird ein einziges Mal gegossen, dann stellt man die Schale mit den Pflanzen an einer regen- und sonnengeschützten Stelle mit viel Frischluft (keine Zugluft) zur sommerlichen Ruhezeit auf. Zu Beginn des September wird durchdringend gegossen und das Substrat bis Mitte Oktober gleichmäßig feucht gehalten. In Südafrika ist zu dieser Zeit Frühling und die Blütezeit der Lithops. Danach beginnt in Europa die winterliche Ruhezeit, während der man sie bei + 5 °C sehr hell und trocken aufbewahrt. Im nächsten Mai beginnt der Kreislauf von neuem. Während des Winters werden die Pflanzen weiterwachsen und ein neues Blattpaar bilden. Unter keinen Umständen darf man jetzt gießen, was ein Platzen des Körpers und ein Verrotten desselben zur Folge hätte. Lithops wachsen am besten zu mehreren in großen Schalen, die ein besseres Bodenklima als kleine Töpfe haben.Kann man gelbgestreifte Sansevierien durch Blattstecklinge vermehren?
Die Literatur sagt, das ginge nicht, panaschierte Stecklinge bilden sich immer zu normalgrünen Pflanzen zurück, die gelbgrüne Form sei nur durch Wurzelstockteilung zu vermehren. Dennoch, mit etwas Glück geht es auch über Blattstecklinge: Man nehme ein Blatt mit besonders breiten gelben Streifen, schneide es gerade ab und mache daraus rund 10 cm lange Stecklinge (Wuchsrichtung beachten). Dann schneide man an der Pflanzseite mit einem halbkreisförmigen Schnitt das normalgrüne Innere weg, so daß später der Steckling nur mit den beiden gelben Rändern eingepflanzt und mit dem Boden in Berührung kommt. Jetzt besteht eine Chance, daß sich wieder neue grüngelbe Sansevieria-Jungpflanzen bilden. Geduld ist angesagt; die Stecklingsvermehrung dieser Gattung ist eine Sache von vielen Monaten des Wartens.Meine Madagaskar-Palme bekommt schwarze Blätter was tun?
Alle im Frühjahr neu ausgetriebenen Blätter werden nach kurzer Zeit schwarz und fallen ab. Das kann mehrere Gründe haben. Im Sommer sollte Pachypodium spec. nach langsamer Gewöhnung in die Sonne auf den Balkon oder in der Wohnung so hell wie möglich aufgestellt werden. Der Fuß (also Topf) muß warm stehen, ein kalter Steinfußboden tötet jede Pflanze. Das Substrat ist sehr durchlässig zu gestalten: 30 % Blumenerde und 70 % Kies, Seramis, Bims oder Lavagranulat. Häufig werden die Pflanzen zu stark gegossen, stehen zu dunkel und zu kalt und faulen deshalb weg. Als Sukkulenten vertragen sie lange Trockenphasen. Nach dem letzten Gießen sollte die Erde komplett abtrocknen; nicht nur oberflächlich, sondern im ganzen Topf. Weggefaulte und umgeknickte Stämme kann man nach Wegschnitt aller matschigen Teile (bis man gesundes Gewebe erreicht) versuchen in trockenem Seramis oder Kies neu zu bewurzeln. Leider klappt das bei dieser Gattung nur selten.Was versteht man unter Vergeilen?
Kakteen und viele Sukkulenten haben im Winter eine Ruhezeit, da es in der Jahreszeit bei uns sehr dunkel ist. Also versetzt man sie von November bis April bei Temperaturen von 1015 Grad ohne Wassergaben in Winterschlaf. Wer es nun vermeintlich gut meint, pflegt seine Pflanzen im Winter in der guten, warmen Stube weiter und gießt und düngt womöglich noch. Da die Pflanzen aber zuwenig Licht haben (was wir als hell empfinden ist für Pflanzen stockfinstere Nacht), bilden sich häßliche, instabile und nicht lebensfähige, hellgrüne Lichthungertriebe. Kakteen bekommen ein »Mützchen« oder wachsen kaum bedornt mit einem dünnen Stengelchen weiter. Viele Strauchsukkulenten kann man problemlos zurückschneiden, bei aus der Form geratenen Kugelkakteen gibt es keine Rettung, die ästhetisch wäre. Der Botaniker nennt Vergeilen auch Etiolement (franz. étioler = verkümmern, dahinsiechen), ein starkes Streckungswachstum durch Lichtmangel und andere ungünstige Umweltbedingungen.Goldene Regel zur Überwinterung von Kakteen
Kalt und trocken überwintern = gesunde, blühfreudige Pflanzen!
Kalt und feucht überwintern = Schimmelpilze = Tod der Pflanzen!
Warm und trocken überwintern = langsamer Tod durch Vertrocknen!
Warm und feucht = Vergeilen, Schädlinge, Schimmelpilze = Tod!Die Spitze meines Cleistocactus strausii ist vertrocknet
In der argentinischen Wildnis haben fast alle Cleistocactus-Populationen vertrocknete Spitzen. Sie wachsen an steilen und feuchten Abhängen oft mit Moosen in Gemeinschaft. Vertrocknete Spitzen in Kultur vermeidet man, indem man den Cleistokakteen in der sommerlichen Wachstumszeit immer eine gleichmäßige Bodenfeuchte und regelmäßige Düngergaben bietet. Bei einer zu langen und heißen Trockenzeit ohne Wasserzufuhr ziehen die Pflanzen ein und die Triebenden vertrocknen. Da sie bis in 4000 m Höhe vorkommen, vertragen viele Arten auch niedrige Temperaturen bis zum Gefrierpunkt und können bis in den November hinein gegossen werden. Während sie im Winter trocken und kalt stehen, kann man ab März mit dem Nebeln und April mit vorsichtigem Gießen beginnen. Ideal wäre das Auspflanzen der Cleistokakteen in ein Grundbeet, das eine gleichmäßigere Versorgung mit Feuchtigkeit bietet als ein Topf oder eine Schale.Wie kann ich Samen länger aufbewahren?
Je kleiner der Samen, desto eher verliert er seine Keimfähigkeit. Große Samen sind daher, weil sie langsamer austrocknen, viel länger haltbar. Aber keine Regel ohne Ausnahme: der staubfeine Samen von Lithops bleibt viele Jahre frisch. Generell ist es leicht, die Keimfähigkeit lange hinauszuzögern. 1. Man lagere seine Sämereien dazu vollkommen trocken in Papiertüten. Folie- oder Druckverschlußtüten vermeide man besser, da hier die Luft nicht zirkulieren und die Samen unter Umständen schimmeln können. 2. Zimmertemperatur um 10 bis 18 Grad ist zur Aufbewahrung ideal. 3. Sonne und Helligkeit vermeide man besser, da dies das Austrocknen fördert. Ein Kistchen im dunklen Schrank ist besser. Manche Samenbanken lagern ihr Saatgut vakuumverpackt in Kühlschränken, was die Haltbarkeit heraufsetzen soll. Das Vakuum verhindert, daß die Feuchtigkeit der Samen verdunsten kann, der Kühlschrank hält die Samen in einer Art Kältestarre.Sind biologische Schädlingsmittel wirksam?
Viele Kakteensammler berichten, daß die biologischen Parasitengifte wie Neem oder Teebaumöl wirkungslos seien oder erst nach langer Anwendungszeit Wirkung zeigten. Bei den seltenen und langsamwachsenden Kakteen greifen die meisten Liebhaber deshalb auf die sicheren systemischen Mittel zurück, die schon bei einmaliger Benutzung hochwirksam sind und die Sammlung gründlich laus- und plagenfrei halten. Bewährt haben sich chemische Präparate auf Basis von Dimethoat, im Handel unter den Namen Bi58, Cygon, Fostion MM, Perfekthion, Rogor oder Roxion erhältlich. Man beachte in jedem Falle die Packungsbeilage, dosiere nach Vorschrift und bringe Spritzmittelreste nicht in den Naturkreislauf ein.Wie bewurzelt man zuverlässig Stapelien-Ableger und andere?
Wenn man Ascleps-Ableger bekommt, legte man sie flach auf feuchten Kies und stelle sie dann im Gewächshaus unter den Tisch, also schattig und warm. Wenn man einen Versuch macht und eine zweite Testgruppe in schönes Substrat, aufrecht eingetopft und in Sonne oder Halbsonne bewurzelt, werden die unter dem Tisch immer schneller anwachsen. Am besten funktioniert es, wenn man eine flache Tonschale mit grobem Sand füllt, obenauf die Ableger legt oder flach eindrückt, die Tonschale in einen Teller mit Wasser stellt, so daß die sie immer leicht feucht ist. Wichtig ist die Durchlüftung. Steht die Luft, bilden sich eventuell Schimmel oder Algen. Das gleiche funktioniert mit abgetrockneten Kopfstecklingen von Kakteen und besonders gut mit kugeligen Euphorbien, wenn dies auch bei diesen oftmals etwas länger dauert, was ein Charakterikum für Euphorbien ist. Je nährstoffarmer und gröber das Substrat, desto kräftiger die Wurzeln.Wie bekommt man kräftige Ceropegia-woodii-Knollen?
Vor allem zum Pfropfen empfindlicher Stapelien (Ascleps) werden die robusten Ceropegia-woodii-Knollen gebraucht. Wie aber bekommt man viele große Exemplare? Ganz einfach: Man pflanzt die Mutterpflanze in fast rein mineralisches Substrat, gießt kräftig und düngt nicht. Dann bilden sich an den Trieben relativ leicht Knollen, die man abschneiden und bewurzeln kann.Eine günstige Quelle für Töpfe und Schalen?
Man kann viel Geld sparen, wenn man regelmäßig die Friedhöfe seiner Umgebung besucht und in den Abfallbehältern wühlt. Darin finden sich Unmengen neuer Plastiktöpfe und Tonschalen in allen Größen, Farben und Formen. Blumentöpfe werden zur Grabbepflanzung im Dutzenpack gekauft, ausgetopft und palettenweise im Neuzustand weggeworfen. Tonschalen stehen ein paar Tage oder Wochen am Grab und fliegen danach einfach achtlos in den Müll. Es lohnt sich wöchentlich einen schönen Spaziergang mit einigen Sammeltüten zu unternehmen. Friedhofsgärtner haben selten etwas dagegen, wenn man Töpfe und Schalen mitnimmt, brauchen sie doch dann nicht soviel Müll abzufahren.Billiges Lavagranulat kaufen?
Statt den leichten und porösen Substratgrundstoff Lavagranulat teuer beim Kakteenhandel zu bestellen, kann man im Winter in Baumärkten nach Streugut fürs Auto Ausschau halten. Große 50-Liter-Säcke mit einer Körnung von 34 mm sind sehr günstig zu bekommen. Anders als das ebenso gute Tongranulat Seramis ist Eifellava ungedüngt und rein natürlich. Lava ist sehr leicht, wasserspeichernd und ein exzellenter Zusatz zu Substratmischungen.Wie beugt man Schädlingen in der Sammlung vor?
Gut gepflegte und gesunde Pflanzen werden von Schädlingen selten heimgesucht. Parasiten sind in der Regel ein Zeichen für geschwächte und falsch gepflegte Pflanzen. Zur Vorbeugung gilt also: Alle Kakteen und Sukkulenten sind richtig zu pflegen, eine einzige falsch gepflegte Pflanze kann die gesamte Sammlung infizieren. Pflege bedeutet: die Bedürfnisse aller Gattungen und Arten kennen, eventuell zu erfahrenen Liebhabern Kontakt aufnehmen oder Wissen in Büchern nachschlagen. Der Standort mit ausreichend Licht muß stimmen, ein Tag-Nacht-Temperaturunterschied sowie Frischluft (keine Zugluft) muß ständig vorhanden sein. In der Vegetationszeit muß man je nach Wetterlage flexibel gießen und düngen, man darf keinem festen Gießschema folgen bei warmem Wetter reichlich gießen, bei längerer Kühle und Bewölkung wenig bis nicht. Ein durchlässiges Substrat mit einem hohen Mineralanteil erleichtert das Gießen. Während der Vegetationszeit muß man auf Wachstumsstockungen achten, die Wurzeln kontrollieren und eventuell versalztes Substrat austauschen. Im Winter von November bis April eine Ruheperiode einhalten, in der die Pflanzen hell und kühl stehen und nicht gegossen werden. Frisch erworbene Pflanzen gehören nicht in die Sammlung und sollten erst mal in Quarantäne isoliert beobachtet werden. Das Substrat entfernt man in jedem Fall, insbesondere allen Torf bei Baumarktpflanzen, der Zustand der Wurzeln sollte beachtet werden, schließlich kommen die Pflanzen in ein selbstgemischtes, gutes Substrat. Eine Behandlung mit systemischem Gift ist vorbeugend ratsam. Wer seine Sammlung regelmäßig am Anfang und am Ende der Ruheperiode mit einem systemischen Gift behandelt (wechselnde Wirkstoffe), der wird kaum mehr Probleme mit Schädlingen haben.Moderne Fenster blockieren Pflanzenwachstum
In der Zeitschrift »Focus« (14/1998) berichtet Antje Büll unter der Überschrift »Gläserne Dunkelheit« über Wachstumsstörungen an Pflanzen in »lichtdurchfluteten« Räumen. Obwohl den Pflanzen scheinbar genug Licht zum Wachstum zur Verfügung steht, gehen diese trotz einer sachgerechten Pflege ein. Als Ursache dafür wird beschrieben: Scheiben von Wärmeschutzfenstern bei Bauten, die nach Wärmeschutzverordnung errichtet werden, sind zur Wärmereflexion mit Edelmetall bedampft. Dadurch sollen nach dort vorliegenden Erfahrungen rund 85 % des langwelligen roten Lichtes und Teile des kurzwelligen blauen UV-Lichtes zurückgehalten werden. In der Kakteenpflege würde dieses bedeuten, daß Pflanzen, obwohl sie nahe an der Fensterscheibe stehen, noch weniger Dornen ausbilden als im ohnehin schon UV-schwachen Glasgewächshaus kultivierte Pflanzen der gleichen Arten. Auch könnte es zu Veränderungen im Längenwachstum kommen.
Grundwissen in Buchform
Zur erstklassigen Einführung in das Gebiet der Kakteen und Sukkulenten sollte man keine Grabbeltisch-Schmöker nehmen, sondern gleich mit diesen aktuellen, hochwertigen, umfassenden und sachkundigen zwei Werken beginnen:
Erich Götz, Gerhard Gröner: »Kakteen Kultur, Vermehrung, Pflege Lexikon der Gattungen und Arten«, 340 Seiten im Atlasformat, 460 Farbfotos, 12 Schwarzweißfotos, 50 Zeichnungen, 6., neubearbeitete und erweiterte Auflage 1996, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
Urs Eggli: »Sukkulenten«, 338 Seiten im Atlasformat, 343 Farbfotos, 15 geographische Karten, 5 Zeichnungen, 1. Auflage 1994, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
Kleines Glossar der Fachbegriffe
Areole (lat. aréola = kleiner freier Platz): Vegetationspunkt, Sitz der Dornenpolster bei den Kakteen, aus den Areolen wachsen die Dornen, Borsten, Haare, Blüten und Seitentriebe (Ausnahme: die Gattung Mammillaria).
Axillen (axilláris = blatt- oder achselwinkelständig): Bei Mammillaria am Grunde der Warzen liegende Vegetationspunkte, aus denen Seitentriebe, Blüten und Früchte sprießen.
Caudex (lat. auch Codex = Baumstamm): Der meist überirdische, aufgeblähte Stamm der Caudexsukkulenten, in dem das Wasser gespeichert wird, z.B. bei Adenium obesum.
Cephalium (von griech. kephálaion = Kopf, Schopf): Blütentragende Region mit starkem Haarwuchs, Borsten oder Wolle vor allem bei der Gattung Melocactus und ihren »Mützchen« sowie seitlich an manchen Hochgebirgs-Säulenkakteen.
CITES (Convention on International Trade in Endangered of Wild Fauna and Flora = Vertrag über den internationalen Handel von gefährdeten Wildtieren und -pflanzen): Am 1. Juli 1975 geschlossenes internationales Abkommen kurz »Washingtoner Artenschutzabkommen« genannt , welches den Handel mit gefährdeten Pflanzen und Tieren regelt. Auf Anhang-Listen werden vom Aussterben bedrohte Arten geführt, die dann nicht mehr aus ihren Ursprungsländern entfernt werden dürfen. Nachzuchten in Kultur benötigen spezielle CITES-Papiere, um sie handeln zu können.
Cristate (forma cristata): Hahnenkammähnliche Wuchsform bei Kakteen, Sukkulenten und anderen Blütenpflanzen durch eine auftretende Verbänderung des Wuchssprosses, aus dem Vegetationspunkt wird ein Wuchsscheitel. Es gibt auch cristatförmige Blüten.
Cultivar (von lat. cultus = angebaut und varietas = Abart): Bezeichnet eine Sorte, Gartenart oder Zuchtform aus menschlicher Obhut, die in der Natur nicht vorkommt.
Dichotomie (griech. dichótomos = in zwei Tele gespalten, gabelig): Gabelverzeigung, die durch Längsspaltung des Vegetationspunkts entsteht, bekanntes Beispiel ist Mammillaria parkinsonii, bei der mehrfache dichotomische Teilungen zum Normalwuchs gehören. Dichotomie erzeugt aus einem Kopftrieb durch Aufspaltung zwei.
Dornen: Bei Kakteen umgewandelte Blätter, seltener Sprosse oder Wurzeln, die fest mit dem Pflanzenkörper verwachsen sind und oft fälschlich als »Stacheln« bezeichnet werden. Mitteldornen sind oft länger und farbiger, nicht selten hakig ausgebildet. Randdornen sind fast immer unscheinbarer.
Epidermis (griech. epí = über, darauf; dérma = Haut): Oberhaut auf Blättern und Pflanzenkörpern, meist nur eine einzellige Schicht.
Epiphyten (griech. epí = über, darauf, auf; phytón = Pflanze)): Aufsitzerpflanzen, die auf anderen lebenden Pflanzen wohnen, ohne aus ihnen ihre Nahrung zu beziehen, daher keine Parasiten, oft auf Bäumen und Astgabeln mit Haftwurzeln Halt findend (z.B. Gattungen Hatiora, Rhipsalidopsis, Schlumbergera = Binsen-, Oster- und Weihnachtskaktus).
Flachwurzler: Pflanzen mit einem dicht unter der Bodenoberfläche liegendem, weit ausgebreitetem Wurzelsystem, um kleinste Taumengen aufnehmen zu können (z.B. Opuntia ficus-indica).
Generative Vermehrung: Fortpflanzung auf geschlechtlichem Wege über Samen.
Glochiden (griech. glochín, glochís, glochídis): Feine borstenartige Dornenbüschel, die sich bei Berührung leicht in die Haut bohren und schwer zu entfernen sind (z.B. bei der Gattung Opuntia).
Hybride (griech. hybris = von zweierlei Geschlecht): Durch Kreuzung zweier unterschiedlicher Arten entstandene Pflanze (z.B. bei Epiphyllum-Hybriden, Blattkakteen mit riesigen, orchideenartigen Blüten, die durch Einkreuzung anderer Arten entstanden sind).
Kallus (lat. cállum = harte Haut, Schwarte, Schwiele): Das Wundgewebe, das sich beim Schließen von Schnittwunden und Verletzungen bildet. Aus Kalluszellen können sich Neutriebe und Wurzeln entwickeln.
Klon (griech. klon = Zweig, Nachkommenschaft): Gruppe von Individuen, die durch vegetative Vermehrung eines Individuums entstanden sind und die gleiche Erbmasse besitzen.
Leitbündel: Den Pflanzenkörper ringförmig durchziehende Transportzellen für Wasser und Nährstoffe. Beim Pfropfen müssen sich die Leitbündel von Unterlage und Pfröpfling berühren, um den Nahrungstransport sicherzustellen.
Monströse Form (forma monstrosa, lat. mónstrum = Ungeheuer): Unregelmäßige Wuchsform durch aufgelöste Areolen und Rippen, eigentlich häßlich, aber doch von einem ganz besonderem Reiz (z.B. Cereus peruvianus 'Monstrosus', der Felsenkaktus).
Nomenklatur (lat. nómen = Name): Lehre von der Namensgebung und Benennung (der Pflanzen). Die botanische Regelung, nach welchem wissenschaftlichen Schema Pflanzen korrekt lateinisch benannt werden müssen.
Rippen: Senkrechte Erhebungen an älteren Kakteen, die sich je nach Menge des im Pflanzenkörpers gespeicherten Wassers ziehharmonikaartig vergrößern und verkleinern können, Jungpflanzen von z.B. Ferocactus durchleben in ihrer Jugend zunächst eine Warzenphase, aus denen sich später die Rippen entwickeln.
Rübenwurzler: Pflanzen mit einer rübenartig verdickten Wurzelknolle, in Kultur sehr nässeempfindlich und faulanfällig, weswegen ein rein mineralisches Substrat angeraten ist (z.B. Turbinicarpus schmiedickeanus).
Sukkulenten (lat. succuléntus = saftreich; súccus = Saft): Wasserspeichernde Pflanzen verschiedener Familien (z.B. Cactaceae, Kakteengewächse, oder Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächse) mit einer Wurzelrübe, einem verdickten Stamm oder mit dickfleischigen Blättern, was ein Vorkommen an außergewöhnlich trockenen Standorten ermöglicht.
Variegate Form (forma variegata, lat. variegátus = bunt, verändert): Gelbe oder weiße Randzeichnung an Blättern oder Kakteenkörpern, die gelegentlich auftritt und vegetativ vermehrt werden kann. Attraktive variegate Formen sind die gelbgestreifte Sansevieria trifasciata 'Laurentii' oder die ebenso hübsch panaschierte Agave americana var. marginata.
Vegetative Vermehrung: Fortpflanzung auf ungeschlechtlichem Weg über Teilung, Stecklinge, Schößlinge, Wurzelsprosse oder Kindel.
Warzen (Mamillen, lat. mamílla = Brustwarze): Verlängerte Unterblätter bei Kakteen mit darauf wachsender Areole, Dauerzustand bei Pflanzen der Gattung Mammillaria, Jugendzustand bei vielen anderen Kakteen, bevor sie Rippen ausbilden z.B. der Gattung Ferocactus.
FAQ Kakteen, Sukkulenten, Xerophyten
Zusammengestellt von Rico Kolodzey <rotis@sabon.org>
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Hintergrundbild: Lobivia arachnacantha
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