»Ich bin heute aber auch wieder ein Schelm...«

Eine Auswahl von Gedichten und
Sprüchen des großen Heinz Erhardt (Teil 2)

Heinz Erhardt spitzbübisch (18 kB)

»Ich will die Leute zum Lachen bringen, zu einem Lachen, dessen sie sich später nicht zu schämen brauchen.«

Es war an einem 20. Februar.
Das Thermometer zeigte 11 Grad minus und die Uhr 11 Uhr vormittags, als vor unserem Haus das Hauptwasserrohr platzte. Im Nu war die Straße überschwemmt und im gleichen Nu gefroren. Die umliegenden Kinder kamen zuhauf, um auf ihren Schuhen schlitt zu laufen.
Ich selbst konnte mich an diesem fröhlichen Treiben nicht beteiligen, weil ich noch nicht geboren war. Das Ereignis fand erst gegen Abend statt. Und da war die Eisbahn längst gestreut und unbrauchbar geworden.
Das Eislaufen habe ich bis heute nicht gelernt. Auch schwimmen kann ich nicht. Aber zeichnen!

Also zeichne ich hochachtungsvoll ...

Ihr   Autogramm (5,8 kB)

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Ein Brief aus Hagenbeck

An Frau Coco
geborene Cucu,
verwitwete Fips
Urwald
Wenn man reinkommt 3. Baum links, 4. Astwerk
Afrika

Liebe Mama und liebe Geschwister
erinnert ihr euch noch an den Mister
der mich, als ich fröhlich am Aste hing,
fing? Das war ein Ding!

Der steckte mich einfach in einen Kasten,
da saß ich nun drin und mußte fasten,
dann flog und fuhr ich lange Wege
und jetzt sitz’ ich hier im Freigehege.

Wir sind zu sechst, sind ganz verträglich,
bis auf den einen, der ist unmöglich,
der kratzt sich immer am Arm, am Kiefer
(wahrscheinlich hat er Ungeziefer).

Ich hatte neulich ’nen Schnupfen gekriegt.
Ob das an diesem Eisbären liegt,
da drüben?

Ihr Lieben,

Das Essen ist hier reichlich und schmeckt
auch kommt kein Raubtier, das einen erschreckt,
doch grauenhaft ist an jedem Tage
die Menschenplage.

Da kommen sie dann in rauhen Mengen
und schubsen und gucken und schieben und drängen
und wenn ich auch bloß ganz ruhig sitze,
sie lachen bloß und machen Witze
und reden nichts als dummes Zeuch
Und wie geht’s euch?

Euer Schimpi
Die Ballade vom Ritter Kunkel

Es ritt der edle Ritter Kunkel
durch einen Wald, der still und dunkel.
Als plötzlich, jäh und ungestüm
ein grauslich graues Ungetüm,

ein richtig schlimmes Drachenvieh,
das Feuer, Gift und Galle spie,
sich fliegend näherte dem Reiter
und sprach: »Bis hierher und nicht weiter!«

Der edle Ritter zog am Zügel,
dann seinen Degen, stieg vom Bügel
und mutig, ohne banges Zagen
ging er dem Drachen an den Kragen.

Gar bald gelang’s ihm hintern Ohr’n
das Scheusal schmerzhaft anzubohr’n,
worauf es »Au!« schrie nach dem Stich
und flugs nach oben hin entwich.

Der Ritter reinigte den Degen
und ritt, nun auf befreiten Wegen,
dorthin, wohin er vorhin wollte
(wozu es fast nicht kommen sollte).

Das Volk begrüßte ihn mit Tüchern
und bald schrieb man von ihm in Büchern,
weil er der erste war, wie’s hieß,
der einen Drachen steigen ließ.




Bier-Fragment

War ich, wo’s Bier zu trinken gab,
stellt sich die Frage unterwegs mir:
Wenn ich beim Bier geschäkert hab,
dann bin ich wohl ein Schäksbier?
Kunibert

Es war einmal ein altes Schloß,
und Kunibert, so hieß der Boß.
Er hatte Mägde, er hatte Knechte,
und eine Frau – das war das Schlechte.

Ihr Mund war breit, ihr Hals war lang,
und es klang scheußlich, wenn se sang!
Drum zielte er mit Korn und Kimme,
und Wut auf sie – das war das Schlimme.

Es machte bumm, natürlich lauter,
da fiel se um, zum Himmel schaut er,
und spricht, das Auge voll Gewässer:
Vielleicht singt se da oben besser!
Die Seekuh

Die Seekuh weidet auf dem Grund
des Ozeans. Stumm ist ihr Mund;
denn finge an sie, laut zu singen
würd’ das Meer ins Innre dringen –

und dieses Naß welches sie schluckt,
verdürbe dann das Milchprodukt,
das, schon seit jeher äußerst rühmlich,
wohl jeder Seekuh eigentümlich.

So weidet unsre Meereskuh
mit Appetit, doch ohne Muh...
Das Lama

In dem Land des weisen Brahma
lebte jahrelang ein Lama,
dem es niemals wollte glucken,
weit im Bogen auszuspucken.

Schrecklich litt es seelisch wegen
diesem seinem Unvermögen;
und die Tränen war’n ihm nah,
wenn es andre spucken sah.

Heimlich übte es im Sitzen
oder Stehn, den Mund zu spitzen,
um dann zielgerecht durch dessen
Spalt den Strahl hinauszupressen;
doch selbst in bequemster Lage
förderte es nichts zutage.

Und – so endet dieses Drama –
schließlich mußte unser Lama
vor den Thron des Brahma traben,
ohne je gespuckt zu haben.
Rennen und Rasen

Wie sie alle rennen und rasen,
Als ob es ihr Leben gilt,
Durch den Wald der Häuser und Straßen
Wie von Hunden gehetztes Wild.

Noch schneller, noch schneller, noch schneller
Dem eigenen Schall hinterher –
Sie könnten’s nicht ertragen,
Wenn der andre noch schneller wär.

Nicht so eilig, nur nicht so eilig,
Wenn du dir Zeit läßt, hast du vom Leben mehr.
Langsam, langsam, nur immer schön langsam,
Bei zuviel Vollgas, da ist der Tank bald leer.

Nicht so hastig, nein – nur nicht so hastig,
Denn daß man Zeit spart, das ist ein Selbstbetrug.
Sachte, sachte, nur immer schön sachte,
das bißchen Leben, das vergeht noch schnell genug.
Ritter Fips und seine erste Rüstung

Als sie den Ritter Fips im Jahr
elfhundertsiebenzehn gebar,
zog die Mama dem kleinen Mann
als erstes eine Rüstung an,
die sie, bei Nacht und oft ermüdet,
für ihn gelötet und geschmiedet,
damit er gegen allerlei
Gefahren wohlgerüstet sei.

Schlußfolgerung:
Die Rüstung muß, ist man noch klein,
besonders unten rostfrei sein.



Ritter Fips und das Hirn

An einem Sonntag frug Klein-Fips
seine Mama: »Mama, was gib’s
denn heute mittag sozusagen
zu essen? Darf ich das mal fragen?«

»Gewiß«, sprach sie mit mildem Glanz
im Auge, »heute gibt es ganz
was Feines, etwas für verwöhnte Mägen
und für’n Verstand: heut gibt es Brägen!
Davon kriegst du, mein lieber Sohn,
gleich eine doppelte Portion!«

Schlußfolgerung:
Doch selten nur, lehrt die Erfahrung,
ist Hirn, gebraten, geist’ge Nahrung.
Ritter Fips als Kind

Der kleine Fipsi war als Kind
ganz anders als sonst Kinder sind:
Nie zog er einen Hund am Schwanz,
und auch Insekten blieben ganz.

Er biß auch seine Amme nie,
wusch ihn mit einem Schwamme sie.

Schlußfolgerung:
Nicht immer bleibt ein Rittersmann
so tugendhaft, wie er begann.



Ritter Fips und das Zahnweh

Herr Fips bemerkte kummervoll,
daß ihm die eine Backe schwoll.
Das war an sich nicht schlimm, jedoch
der Schmerz, der aus dem Zahnloch kroch,
der bohrte, zog und quälte ihn.
Da bat Herr Fips um Medizin
den Doktor Stups. Der braute einen
gesunden Trank aus Mückenbeinen,
aus dem Urin der Vogelspinne –
(auch etwas Milz vom Frosch war drinne) –
und noch so was... Da sprach der Kranke,
als er das Tränklein sah: »Nein, danke!
Eh gegen Schmerzen aus dem Kelche
ich trinke, hab ich lieber welche!«

Schlußfolgerung:
Es werden Schmerzen erst, nachdem
sie nachgelassen, angenehm.
Ritter Fips und das Geigenspiel

Mit falschen Tönen, doch nicht feige,
strich Fips die Saiten seiner Geige,
bis ihm die Mutter sagte: »Fips,
ich tret’ nicht gern Dir auf den Schlips,
doch darf ein Fips von Fipsenstein
nicht bloß ein kleiner Geiger sein!
Du bist der Mitwelt Größres schuldig!«
»Na schön«, sprach da der Sohn geduldig,
»ich weiß was Größeres: ich latsche
zu Meister Bim und lerne Bratsche!«

Schlußfolgerung:
Man kann, des größren Hohlraums wegen,
weit mehr noch in ein Cello legen.
Ritter Fips und die Schule

Der Knabe Fips (sehr traurig das!),
der hatte gegens Lernen was!
Zum Beispiel Schreiben oder Lesen –
dies beides lag nicht seinem Wesen.
Und auch dem Rechnen mit den Brüchen
war er beharrlich ausgewichen.

Doch was er schätzte, selbst in Serien,
das waren jedesmal die Ferien,
die er von sich aus noch ergänzte,
indem er gern die Schule schwänzte.

Schlußfolgerung:
Man sieht aus diesem allen klar,
daß Fips normal veranlagt war.
Ritter Fips und das Küchenpersonal

Des jungen Fipsen liebste Schliche,
das waren die in Richtung Küche.

Zuerst stand er am Herd und roch,
was er da Schönes kocht, der Koch;
doch galt hauptsächlich sein Intresse
nicht etwa dem, was er heut esse –
mitnichten: es galt der Mathilde,
der Antje, aber auch der Hilde,
die Teller wuschen, Silber putzten
und so der Küche trefflich nutzten.
Mit diesen Damen trieb der Sohn
des Hauses dann Konversation.

Schlußfolgerung:
Der Jugend Hang für Küchenmädchen
konnte schon Wilhelm Busch bestät’chen.
Ritter Fips und die Jungfrau

Bei jedem Wetter, auch beim Sturme,
rief man es mehrmals laut vom Turme:
»Hört, Leute, was wir euch verkünden:
Fips will eine Familie gründen!
Drum wünscht und hofft er, daß in Bälde
sich eine Jungfrau bei ihm melde!«

Es hub ein Suchen an und Spähen,
doch keine Jungfrau war zu sehen.
Die einzige, die man gefunden,
wurd’ grad von einem Kind entbunden.

Schlußfolgerung:
Will jemand eine Jungfrau frein,
darf er nicht so penibel sein.
Ritter Fips und des Nachbarn Bier

Der junge Ritter Fips begab sich
sehr oft zum Nachbarschloß. (Er hab sich,
so wurde allgemein gedacht,
des Nachbarn Tochter angelacht.)
Jedoch war für den stillen Wandrer
der Grund zum Wandern ein ganz andrer.

Er wollte eruiern, ob durch
die Erdkruste von Burch zu Burch
es möglich wär, ’nen Gang zu graben,
um einen kürzern Weg zu haben.
»Denn«, sprach er, »drüben ist das Bier
viel würziger als hier bei mir! –
Dann könnt ich zusätzlich erwägen,
aus Schläuchen Leitungen zu legen,
die, unsichtbar für Nachbaraugen,
durch diesen Gang das Bier hersaugen.
Ich hätte dann, wenn’s keiner merkt,
genug vom Trank, der mich so stärkt!«

Doch leider, wie so oft im Leben,
ging dieser böse Plan daneben!
Eine gewalt’ge Feuersbrunst
hüllte des Nachbarn Schloß in Dunst!
Man spritzte zwar aus allen Rohren,
doch schien die Burg total verloren,
bis einer schließlich darauf kam
und’s Bier zur Brandbekämpfung nahm –
und siehe da, das Bier war gut:
es bändigte des Feuers Wut!

Doch dadurch war Herr Fips der Sorge
enthoben, wie er Bier sich borge.

Schlußfolgerung:
Das Bier löscht nicht nur, wie bekannt,
den Durst. Nein, es löscht jeden Brand.
Ritter Fips und ein Wochenprogramm

Am Montag, noch auf weicher Daune,
litt Ritter Fips an schlechter Laune.
Das war an sich nicht ungewöhnlich:
den andern Rittern ging es ähnlich.

Am Dienstag morgen war der Ritter
bei Nachbarsleuten Babysitter.
Das Kind war siebzehn und hieß Magda –
Herr Fips blieb gleich den ganzen Tag da.

Am Mittwoch zählte er mit Mühe
auf einer Wiese seine Kühe.
Dann legte er sich müde nieder
ins Gras und sah auch Magda wieder.

Am Donnerstag saß Fips im Garten
und spielte dort mit Magda Karten,
wobei ihm bald ein Nullspiel glückte,
weil er geschickt die Dame drückte.

Am Freitag gab’s, was Fips nicht mochte,
gebratne Fische und gekochte,
drum schlich er sich mit leerem Magen
zu Magda, wo die Schinken lagen.

Am Samstag ritt auf stillen Wegen
ins Grüne er – und das bei Regen,
erfreute sich an Flor- und Fauna –
und dann an Magda in der Sauna.

Am Sonntag ging, für alle Fälle,
der Ritter in die Schloßkapelle.
Er kniete, dachte nach und lag da –
doch das natürlich ohne Magda.

Schlußfolgerung:
Man soll stets gut den Werktag nutzen –
und sonntags seine Seele putzen.
Ritter Fips und die Diät

Des edlen Ritter Fips Bestreben
ging dahin, streng diät zu leben,
denn er entdeckte dies: stieg ganz er
vom Kopf bis Fuß in seinen Panzer,
nachdem er aß, was sie ihm brieten,
dann platzte er aus allen Nieten.
Deshalb genoß er ohne frohes
Gefühl Gemüse – und zwar rohes.

Wie floß das Wasser ihm zusamm’
im Mund, sah er ein fettes Lamm!
An Suppen dacht er mit App’tit,
die er, genau wie Pudding, mied.

Jedoch, durch den Entzug des Fetts,
der Karbonaden und Kotletts
geriet gar bald in Harnisch er –
und siehe, plötzlich paßte der!

Schlußfolgerung:
Den Harnisch schafft der kluge Mann
sich gleich ’ne Nummer größer an.



Ritter Fips und sein Sekretär

1

Herr Fips gehörte zu der Sorte
von Rittern, denen manche Worte,
wenn sie dieselben schreiben sollten,
nicht richtig von der Feder wollten.
So hielten beispielsweise diese
kaum stand der strengen Expertise:
Triumph und Trumpf! Fips konnt die beiden
Vokabeln schwer nur unterscheiden:
Mal schrieb er Trumph mit »p« und »h«,
mal stand Triumpf mit »pf« da
Das wurmte ihn. Drum sucht er
und fand bald einen Sekretär,
der – und nicht diese Wörter bloß –
ganz deutlich schrieb und fehlerlos.

Schlußfolgerung:
Ein Sekretär ist auch noch jetzt –
und sei’s als Möbel – hochgeschätzt.

2

An einem Morgen sprach Herr Fips
zu seinem Sekretär: »Da, tipp’s!
Das hab ich heute nacht erdacht
und mühsam zu Papier gebracht.
Dann heft es in ein Heft hinein,
es soll meine Laudatio sein!«
Und wie dies Machwerk nun gewesen,
ist hier im folgenden zu lesen:

Eine Laudatio
auf den Ritter Fips von Fipsenstein
vom Ritter Fips von Fipsenstein
Ich bin der gute Ritter Fips,
bin’s selbst und höchstpersönlich!
Mein Aug ist blau, mein Schwert ist scharf,
an mir ist nichts gewöhnlich!
Ich kam zur Welt und bin nun hier
zum Essen und zum Trinken!
Am liebsten trink ich helles Bier –
und eß am liebsten Schinken!

Ich bin der treue Ritter Fips
voll Sanftmut und voll Güte!
Daß ich mal tu, was sich nicht schickt,
das kommt nicht in die Tüte!
Den Reichen nehm ich Geld und Blut,
hab manchen schon begraben –
den Armen aber bin ich gut,
weil die ja doch nichts haben!

Ich bin der edle Ritter Fips,
bin stolz, gerecht und mutig!
Und nur, wenn ich sehr wütend bin,
nur dann gerat in Wut ich!
Nach Heldentaten steht mein Sinn
und auch nach klugen Werken!
Daß ich ein bißchen dämlich bin,
das ist fast nicht zu merken!

Schlußfolgerung:
Man sollte selber was verfassen
über sich selbst, wenn’s andre lassen.
Ritter Fips als Held

Der Ritter Fips beschloß verwegen,
ein Ungeheuer zu erlegen,
das, gar nicht weit von seinem Schloß,
die Untertanen sehr verdroß.
Es war viel größer als ein Bär
und zehnmal kräftiger als der.

So stieg Herr Fips denn auf den Wallach,
verabschiedete sich überall, ach,
und ritt dann voll des Ungestüms
zum Wohnsitz dieses Ungetüms.
Und da geschah’s, daß kurz vorm Ziel
er aus Versehn vom Pferde fiel. –

Bald drauf, den Kiefer ausgeklinkt,
kam er per pedes heimgehinkt.
(Das Roß lief, gleich nach diesem Fall,
nach Haus und stand bereits im Stall.)

Es herrschte Jubel angesichts
des Helden – doch der sagte nichts...

Schlußfolgerung:
Es hat nur selten der gesprochen,
der sich den Kiefer grad gebrochen.



Ritter Fips und das Burgverlies

Fips sprach zu seinem Knappen dies:
»Wir steigen jetzt ins Burgverlies!
Besorg uns eine Menge Lichts,
denn: ist es dunkel, sieht man nichts!«

Da sprach der Knappe voll des Leids:
»Geh nicht hinunter, Herr, vermeid’s!«
»Schön«, sagte Fips, »wenn du dich bangst,
bleib oben! Ich hab keine Angst!«

Und schon sah man mit Zuversicht,
mit Gottvertrauen und mit Licht
ihn in den Keller abwärtssteigen.
Er war allein... Ihm wurde eigen.

Da! Plötzlich saß dort, nein, wie nett,
ein Mensch! Vielmehr nur sein Skelett.
Ihm fehlten Haar, Fleisch und Gesicht –,
doch störte das den Ritter nicht!

Im Gegenteil, er fand es fein,
dann war er hier nicht so allein!
Mit Hilfe seines Lichts besah
er sich den Toten von ganz nah –,
und da erschrak er dann denn doch,
als aus dem Mund ’ne Kröte kroch...

Schlußfolgerung:
Das Angstgefühl im Burgverlies
verläßt dich erst, verließt du dies.



Ritter Fips und das Team

Lag Ritter Fips im Bett und schlief –
sein Schlaf war, wie man wußte, tief! –,
befand am Ende von dem Bett
sich stets ein Trio, ein Terzett,
und dies bestand aus gutem Grund
aus Eule, Sittich und dem Hund.

Die Eule – Wunder der Natur! –
sah alles gut im Dunkeln nur,
drum war ihr Nutzen nicht gering,
falls jemand nachts durchs Zimmer ging.
Der Sittich – das erstaunte jeden! –
vermochte wiederum zu reden.

Und machte ihn die Eule wach,
so dachte er nicht lange nach,
nein, er rief gleich: »Hier spricht der Sittich!
Nun bell mal, blöder Hund, ich bitt dich!«
Und schon ertönte – man war baff! –
ein aufgeregtes »waff-waff-waff«.
Und der Effekt? In Eile nahm
der Feind den Weg, auf dem er kam.

Schlußfolgerung:
Die Teamarbeit ist, siehe oben,
stets zu empfehlen und zu loben.
Ritter Fips und das Echo

Herr Fips, geharnischt und beschildet,
war in Musik recht ungebildet,
doch wurd es Frühling und dann Mai,
vielleicht auch Juni, einerlei,
dann griff er mutig in die Saiten,
um sich zur Laute zu begleiten
zu Weisen, welche ihm entwichen
und eher einem Brüllen glichen.

Bis zum Gebirg drangen die Lieder
und kamen dann als Echo wieder,
so daß man sie, was jeden störte,
nach kurzer Zeit noch einmal hörte.
Doch wagte niemand, Fips zu zwingen,
zur andern Seite hinzusingen,
wo eine, weil dort flach das Land,
Gefahr des Echos nicht bestand.

Schlußfolgerung:
Die von Gesang nicht viel verstehn,
die lassen auch am besten den.



Ritter Fips und die Mandeln

Fips – nur um den kann sich’s hier handeln! –
erkrankte schwer an seinen Mandeln,
weshalb er bat, wenn auch nicht gerne,
daß man die Dinger ihm entferne.
Herr Dr. Stips, der zuständig
für Leiden war, die inwendig,
gab erst einmal, wie früher stets,
Fips einen Schlag auf dessen Dez,
griff dann zu dem Skalpell, dem blanken,
und operierte unsren Kranken.
Seitdem sah man nur ohne Mandeln
Herrn Fips durch die Gemächer wandeln.

Schlußfolgerung:
Warum sich mit den Mandeln quälen?
Man sieht’s ja nicht, wenn sie dir fehlen.
Ritter Fips und der Magere

Es war bekannt, daß Ritter Fips
zwar Kraft besaß, doch wenig Grips,
denn fragte man ihn was beim Quiz,
nie wußte er dann, was es is’!
Da sowas peinlich ist auf Reisen,
war Dr. Hadubrand zu preisen,
der, äußerst mager von Figur,
ab nun stets mit dem Ritter fuhr.
So konnte diesem bei Turnieren,
bei geistigen, nicht viel passieren,
denn machte er sich etwas dünn,
stak Hadu mit im Panzer drin
und konnte so auf alle Fragen
die Antwort leis von hinten sagen!

Schlußfolgerung:
Man muß sich notfalls jemand mieten,
hat man an Geist selbst nichts zu bieten.



Ritter Fips und der Zweikampf

Es zog ein reicher Kaufmannssohn
mit Spezerein und Munition
vorbei an Ritter Fipsens Schloß,
was diesen überaus verdroß!
Drum kam Fips, vollgetankt mit Bier,
(doch roch man’s nicht, weil das Visier,
wie stets bei ihm und bei Gefahr,
bis untenhin geschlossen war)
dem Kaufmannssohn auf schnellsten Wegen
nicht freundlich zwar aber entgegen.
Der Kampf – denn jeder wollte siegen! –
fand statt auf Brechen und auf Biegen,
und nur durch Stellen eines Beins
verlor der Kaufmann null zu eins –
und schließlich auch sein Haupt als solches
durch einen scharfen Schnitt des Dolches!

Schlußfolgerung:
Es lohnt sich keinen Hut zu tragen,
endet der Mensch bereits beim Kragen.
Ritter Fips und des Sängers Fluch(t)

Herr Fips sprach zu dem Knappen Heiner:
»Nanu, da draußen singt ja einer?!
Gib ihm zwei Groschen, und er möge
bald sehen, daß er weiterzöge!
Und sag ihm, daß hier niemand wohne,
für den zu singen es sich lohne!«

Der Knappe tat, wie man befahl.
Da trat der Sänger in den Saal,
warf Fips die Groschen ins Gesicht:
»Den Dank, Ritter, begehr ich nicht!
Du bist ein Geizhals! Bist verrucht!«
und ging. Das war des Sängers Flucht.

Schlußfolgerung:
Man gebe Sängern für die Lieder
nie zu viel Geld. Sonst komm’n sie wieder.



Ritter Fips und seine Läuterung

Herr Fips gehörte, wie Sie ahnen,
zum edlen Stamme der Germanen,
die immer riefen: »Niemals – nie!
Wir sind die diejenigen, die...!«
Macht, Ruhm und Geld sahn sie im Traum noch
und arbeiteten sie, dann kaum noch –
im Gegenteil: aus alten Quellen
weiß man, sie lagen meist auf Fellen
und tranken Bier, das schäumend gelbe...
Herr Fips tat ganz genau dasselbe!
Doch eines Tags – das war ein Ding! –
geschah es, daß er in sich ging
und sprach: »Wie ist das Leben stur!
Ab heute trink ich Dunkles nur!«

Schlußfolgerung:
Den andern zur Erheiterung
dient stets die eigne Läuterung.



Ritter Fips im Winter

Der Ritter Fips bemerkte bald:
Wenn Winter ist, dann ist es kalt,
drum war sein Harnisch, was von Reiz war,
von Kopf bis Fuß im Innern heizbar.
So schritt er durch die Stadt – , doch litt er,
rief man: »Da kommt der warme Ritter!«

Schlußfolgerung:
Nur wer im Kalten sitzt, der weiß es,
was es bedeutet: etwas Heißes!


Ritter Fips und sein Ende

Der edle Ritter Fips war eines
Tags voll des süßen, roten Weines,
worauf er – oh, sein Kopf war schwer! –
in einen Sarg kroch. Der war leer.
Hier legte er sich rücklings nieder
und schloß den Deckel und die Lider –
nicht überlegend, daß im Off*
es ihm gebrach an Sauerstoff.

Da dieser für die Atmung wichtig,
verschied Herr Fips. Er lag gleich richtig.

Schlußfolgerung:
Man soll in keinen Sarg sich legen,
will man nur kurz der Ruhe pflegen.

(*»Off« ist dem Englischen entnommen und bedeutet
"Aus", im übertragenen Sinne auch "Abseits". Doch
diese beiden deutschen Wörter reimen sich nur schlecht
auf "Sauerstoff". Der Verfasser bittet bei den
nichtanglophilen Lesern um Nachsicht – wegen der
Verfremdung deutscher Lyrik.)
Ritter Fips und das Blutbad

»Ha«, rief Herr Fips, was kann es schaden,
ich tu das auch mal: ich geh baden!
Füllt mir die Wanne, seid so gut,
mit frischem, warmem Drachenblut!
Dann bin ich« – (was in aller Mund war!) –
»genau wie Siegfried unverwundbar!«
Ein Trog wurde herbeigeschafft,
den füllte man mit Drachensaft –
denn Drachen gab’s zu der Epoch
in jeder Menge, noch und noch!
Als nun Herr Fips dem Bad entstieg
(vor Augen schon den großen Sieg!),
da merkte unser Rittersmann:
er hatte noch die Rüstung an...

Schlußfolgerung:
Wer baden geht, egal in was,
der tue unbekleidet das.



Ritter Fips und das Wagenrennen

An manchen hohen Feiertagen
bestieg Herr Fips den Zweiradwagen
und rief: »Ihr Rosse, vier und feurig!
Trabt los! Zu meinem Sieg euch steur’ ich!«

Und hui! Schon flog das Renngespann
mit Peitschenknall und Rittersmann
durch Wald und Wiesen, Feld und Flur,
und alles staunte: »Wie Ben Hur!«
Er traf auch stets als Erster ein –
kein Wunder, er fuhr ja allein!

Schlußfolgerung:
Gibt Pferden man eins hinten drauf,
beschleunigen sie vorn den Lauf.



Ritter Fips und der Dichter

Damit’s nicht hieße »Fips der Doofe«,
war meistens ein Poet am Hofe,
der mußte, wollte er auch bleiben,
für seinen Herrn Gedichte schreiben;
und abends dann, beim Kerzenscheine,
las Fips sie vor, als sei’n es seine!

Schlußfolgerung:
Das, was man so als Dichter schreibt,
vergeht entweder oder bleibt.



Ritter Fips und sein anderes Ende

Es stand auf seines Schlosses Brüstung
der Ritter Fips in voller Rüstung.

Da hörte er von unten Krach
und sprach zu sich: »Ich schau mal nach!«
und lehnte sich in voller Rüstung
weit über die erwähnte Brüstung.

Hierbei verlor er alsobald
zuerst den Helm und dann den Halt,
wonach – verfolgend stur sein Ziel –
er pausenlos bis unten fiel.
Und hier verlor er durch sein Streben
als letztes nun auch noch das Leben,
an dem er ganz besonders hing! –

Der Blechschaden war nur gering...

Schlußfolgerung:
Falls fallend du vom Dach verschwandest,
so brems, bevor du unten landest.
Der Muselmann

Es war einmal ein Muselmann,
der trank sich einen Dusel an,
wann immer er nur kunnt.
Er rief dann stets das Muselweib,
wo es denn mit dem Fusel bleib,
denn Durst ist nicht gesund.
Und brachte sie die Pulle ’rein,
gefüllt mit süßem Muselwein,
dann trank er
und trank er,
hin sank er
als Kranker,
bis gottseidank er
unterm Tische verschwund.



Dreizeiler

Liebschaften sind wie Pilzgerichte,
ob sie ungefährlich waren,
weiß man erst später.
Eine Beobachtung

Herrn, die allein, aber dafür zur späten
Stunde, eine Bar oder sowas betreten,
reiten meist ein und dieselbe Masche:
eine Hand steckt in der Hosentasche!
Ist das nun einfach Verlegenheit
oder ein Akt von Verwegenheit?
Wissen sie nicht »mit den Händen, wohin«,
oder soll’s heißen »seht her, wer ich bin«?!
Möglich ist auch: Diese Herren von Welt
zähl’n noch mal heimlich ihr Taschengeld...




Zweizeiler

Bei glatter Straße muß man
sechzehn geben – doppelt acht.

Man macht gewöhnlich viele Worte,
wenn man nichts zu sagen hat.

Lieber eine Stumme im Bett
als eine Taube auf dem Dach!
Dritter

Es war einmal ein stolzer Ritter,
der wurde beim Turnier bloß Dritter.
Das ging dem Armen derart nah,
daß man ihn lebend nicht mehr sah.

Er starb am siebenzehnten Maien –
an einem warmen Tag – im Freien.
Er wollte niemand bei sich haben,
so mußte er sich selbst begraben. –

Ja, Dritter ist für Ritter bitter!
Anhänglich

Das Kind hängt an der Mutter,
der Bauer an dem Land,
der Protestant an Luther,
das Ölbild an der Wand.

Der Weinberg hängt voll Reben,
der Hund an Herrchens Blick,
Der eine hängt am Leben,
der andere am Strick...
Ferien auf dem Lande

(Ich kam mit einem Auto an
und Koffern, sechs bis sieben.
Der Motor ging total entzwei,
so mußt zuletzt ich schieben.)

Ich wohn’ in einem Bauernhaus.
Die Milch ist frisch und sahnig.
Die Störchin auf dem Scheunendach,
sie schäkert mit dem Kranich.

Die Kuh macht »muh« – der Ochse auch,
sind schwer zu unterscheiden,
erst wenn man melken will, merkt man
den Unterschied der beiden.

Die Bauersfrau ist jung und schön.
Ich bin bei ihr der Kranich.
Ein Ochse ist ihr Herr Gemahl. –

(Zurück fahr mit der Bahn ich!)
Moderne Sinfonie

Droben sitzet die Kapelle,
festlich und gestimmt ist sie.
Schon ertönt die dritte Schelle –
gleich beginnt die Sinfonie.

Nun wird’s stille; denn es zeigt sich
der Maestro, wohlbefrackt,
steigt aufs Podium, verneigt sich,
dreht sich um und schlägt den Takt.

Geiger geigen, Bläser blasen,
Pauker pauken, Harfe harft –
alle Noten dieses Werkes
werden schonungslos entlarvt...

Droben schwitzet die Kapelle,
auch der Dirigent hat’s satt! –
Morgen können wir dann lesen,
ob es uns gefallen hat.
Der rötliche Mars und die Venus

Früher zogen Mars und Venus –
wann es war, kann man nur ahnen –
eng beieinander und in Liebe
ihre vorgeschrieb’nen Bahnen.

Plötzlich kam ein Fremder Körper,
der sich zwischen beide zwängte
und den Mars von seiner Venus –
oder umgekehrt – verdrängte.

Dieser Fremdling war die Erde!
Und sie machte sich noch breiter,
und der Mars entschwand der Venus –
immer weiter, immer weiter.

Und die Sehnsucht nach der Freundin
hat den Mars schon fast getötet;
doch, erblickt er sie von ferne,
sehn wir, wie er zart errötet...
Eßt mehr Fisch

Das Meer reicht bis zum Strande
und dann verläuft’s im Sande
ganz plötzlich und abrupt.

In ihm gibt’s viele Fische
die essen wir bei Tische
gekocht und abgeschuppt.

Doch wozu gibt’s die Gräten?
Sie wären nicht vonnöten,
sie schmälern den Genuß.

Denn bleibt mal eine stecken,
so kann man leicht verrecken –
viel eher, als man muß!
Der letzte Besuch

Mein Haar ist weiß, grau das Gesicht,
Ich schreib mit Mühe dies Gedicht.
Mein Hirn ist leer, mein Darm verstopft...
Bin so allein...

Wo bleibt Freund Hein?

Aha, es klopft...
Das Finkennest

Ich fand einmal ein Finkennest,
und in demselben lag ein Rest
von einem Kriminalroman.

Nun sieh mal an:
der Fink konnt lesen!

Kein Wunder, es ist ein Buchfink gewesen.
Die polyglotte Katze

Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt: »Da wart nicht lang ich,
die Maus, die fang ich!«

Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
»Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!«

Da plötzlich hört sie – statt »miau« –
ein laut vernehmliches »wau-wau«
und lacht: »Die arme Katze,
der Hund, der hatse!

Jetzt muß sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!«
Doch leider – nun, man ahnt’s bereits –
war das ein Irrtum ihrerseits.

Denn als die Maus vors Loch hintritt –
es war nur ein ganz kleiner Schritt –
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft! –

Danach wäscht sich die Katze die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
»Wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man ’ne fremde Sprache kann...!«
Der Spatz

Es war einmal ein grauer Spatz,
der saß ganz oben auf dem Dache,
und unten hielt die Miezekatz
schon seit geraumer Weile Wache.

Da sagte sich das Spätzlein keck:
»Mich kann das Biest nicht überlisten!«
Bums, kam ein Habicht um die Eck
und holte sich den Optimisten. –

So kann es allen denen gehn,
die glauben, nur sie wären die Schlauen.
Man darf nicht nur nach unten sehn,
man muß auch mal nach oben schauen!


Liebe Sonne

Nach so vielen Regenwochen
kamst du endlich vorgekrochen,
froh sind Menschen, Tier und Gras!
Schein auf unsre Mutter Erde,
daß sie wieder trocken werde,
liebe Sonne, tue das!

Trockne sie und unsre Tränen
und den Kuckuck, der ganz naß!
Schick uns nach den langen Qualen
deines Fehlens alle Strahlen –
und besonders diese netten,
diese ultravioletten!

Liebe Sonne, schein’ uns was!
Ein Männergesangverein

Fünfzig Herren über fünfzig
sitzen um des Tisches Rund.
Und sie essen und sie trinken
und sie wischen sich den Mund.

Da! Der Vorstand schwingt die Glocke,
und es wird ganz mäuschenstill,
denn die Glocke ist das Zeichen,
daß er etwas sagen will.

Und als er genug geklingelt –
ja, das Klingeln macht ihm Spaß –
steht er auf und spricht gewichtig:
na, ich denk, wir singen was!

Der Kapellmeister sucht emsig,
wo die Stimmgabel wohl steckt –
in der hintern Hosentasche
hat er sie endlich entdeckt.

Und er führt zum Ohr die Gabel
und macht »aaaah« – das ist der Ton,
den man nötig für den Einsatz
hat; doch, horch, sie sie singen schon!

Und sie singen viel von Liebe
und von Sehnsucht und vom Mai,
und elf Verse hat dies Liedel,
dann gehet auch das vorbei.

Müde von der Armbewegung
senkt der Dirigent den Stab,
müde von den tiefen Tönen
wischt der Baß den Schweiß sich ab.

Der Tenor erzählt begeistert,
wie ihm heut das »fis« gelang,
und der Bariton, sich räuspernd,
sagt: »Wie gut ich heute sang!«

Doch dann sitzen alle fünfzig
wieder um des Tisches Rund.
Und sie essen und sie trinken
und sie wischen sich den Mund...
Die Libelle

Liebe Libelle,
flieg nicht so schnelle!
Denk der Gefahren,
die deiner harren:

Bäume und Zäune,
Äste und Steine
auf allen Wegen!
Du fliegst dagegen!

Mit gebrochenen Gliedern
liegst du im Staube.
Dann kommt der Herbst,
du vermoderst im Laube...

Oder ein Vogel
will dich erhaschen,
will dich zerbeißen
und hastig vernaschen...

Oder ein Forscher
mit seinem Netze!
Erst tut er sachte,
daß nichts dich verletze
und freut sich stolz seines Besitzes!

Zu Hause jedoch nimmt er was Spitzes
und sticht’s dann
durch deine weichste Stelle:
arme Libelle!

Flieg nicht so schnelle,
genieße die Stunden
oder Sekunden.
die dir zum Leben
gegeben!

Scheint warm die Sonne:
freu dich des Lichts!
Füllt Regen die Bäche,
hast du vom Leben nichts –
im Gegensatz zur Forelle!
Vierzeiler

Wenn die Opern dich umbrausen
mit Getön,
dann genieße auch die Pausen:
sie sind schön.
Der kalte Wind

Es wohnt ein Wind in Leningrad,
der pustet kalt,
wer da nicht einen Mantel hat,
der hustet bald.
Die Untermieterin

Du stehst vorm Apfelbaum und lobst:
»Was ist das für ein herrlich Obst!«
Pflückst einen Apfel, beißt hinein,
verziehst den Mund, fängst an zu spein;
denn eine Made erster Güte
wohnt dort schon lang in Untermiete.
Du stehst vorm Apfelbaum und tobst:
»Wie kommt die Made in das Obst?!«

Die Hülle trügt! – Das Ungeziefer
dringt da im allgemeinen tiefer...
Auge um Auge

Stundenlanger Regen nieselt,
und es schmerzt schon das Gesäß,
und die Luft ist eingedieselt
durch die vielen LKWs.

Immer weiter! Keine Liebe
kennt man auf der Autobahn!
Wütend beißt sich das Getriebe
und der Mensch durch – Zahn um Zahn...
Löwenzahn

Löwenzahn ist schon seit jeher
als höchst kriegerisch verschrien,
denn er läßt bei gutem Winde
Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.

Und ich sitz auf der Veranda
und verzehre meine Suppe
und entdecke in derselben
zwei Versprengte dieser Truppe.
Die Fliege

Eine Fliege flog zum Flügel,
huschte leis über die Tasten,
um dann auf dem »gis« zu rasten.
Doch nur zwei Sekunden währte
dieser Aufenthalt, dann kehrte
sie zurück zu ihrer Sippe
und erzählte unumwunden,
sie hätt’ den guten Ton gefunden.
Der Stein

Fast wär vom Dach ein Ziegelstein
mir auf den Kopf geflogen,
jedoch es hat nicht sollen sein
er machte einen Bogen.

Daß er das tat, ja, das war gut!
Doch hat der Fall bewiesen:
man sei beständig auf der Hut
und geh nie ohne diesen!
Gänseblüchen

Ein Gänseblümchen liebte sehr
ein zweites gegenüber,
drum rief ’s: »Ich schicke mit ’nem Gruß
dir eine Biene rüber!«

Da rief das andere: »Du weißt,
ich liebe dich nicht minder,
doch mit der Biene, das laß sein,
sonst kriegen wir noch Kinder!«
Stiche

Von Dürers Meisterhand ein Stich
betrachtet, wirkt mehr »äußerlich«
dagegen dringt, wenn Sie verzeih’n,
der Mückenstich weit »tiefer« ein.

Man sieht hieraus, daß ein Insekt
noch mehr kann als der Intellekt.
Der Herbst

Im Herbst bei kaltem Wetter
fallen vom Baum die Blätter –

Donnerwetter,
im Frühjahr dann,
sind sie wieder dran –
sieh mal an.
Urlaub in Urwald

Ich geh im Urwald für mich hin...
Wie schön, daß ich im Urwald bin:
Man kann hier noch so lange wandern,
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub.
Schön, daß man ihn hat!
Der Chor der Müllabfuhr

Kommt! Lasset von Tonne zu Tonne uns eilen!
Wir wollen dem Müll eine Abfuhr erteilen!

Auf! Machen wir, das jede Tonne sich leere!
Wir sind dazu da, denn wir sind Müllionäre!
Müllirallala, Müllirallala...
Fast eine Fastenkur

Alte Brötchen. Saure Weine.
Ein Salatblatt. Guß auf Beine.
Hunger nagt im Magen-Sektor.
Und er knurrt, wie draußen Hektor.

Will nicht mehr gesund und schlank sein!
Will dann lieber dick und krank sein!

Kehrt zurück, ihr großen fetten
Schnitzel oder Schweinskotletten
und auch ihr, ihr Leibbeschwerden!

Bin es satt, nie satt zu werden!
Archimedes

Ja ja! Der weise Archimedes
ging stets zu Fuß, ging stets per pedes.
Doch ging er auf besondere Weise:
er ging hauptsächlich nur im Kreise.

Die Gangart hatte sich nach Wochen
in Syrakus herumgesprochen,
weshalb – es ist gut zu verstehn –
die Menge kam, sich’s anzusehen.

Doch dies gefiel dem Greise nicht!
Er sprach: »Stört meine Kreise nicht!«
Ja ja! Der weise Archimedes
ging stets zu Fuß, fuhr nie Mercedes.
Harte Schicksale

Wer sich mal in die Nesseln setzt,
ist erst erschrocken, dann verletzt,
erhebt sich mühevoll und schreit
nach bess’rer Sitzgelegenheit.

Den Nesseln, auch wenn sie schön blühn,
sind weiche Stühle vorzuziehn.
Auf Weichem sitzt man stets apart ...
Nicht weich zu sitzen, das ist hart !
Frühling

Wie wundervoll ist die Natur!
Man sieht so viele Blüten,
auch sieht man Schafe auf der Flur
und Schäfer, die sie hüten.

Ein leises Lied erklingt im Tal:
der müde Wandrer singt es.
Ein süßer Duft ist überall,
nur hier im Zimmer stinkt es!
Nero

Nero war nicht nur ein Kaiser,
sondern auch fast immer heiser,
was hauptsächlich daran lag,
daß bei Nacht er und am Tag,
je nachdem, wo etwas los war –
wenn’s auch eine Kirmes bloß war,
kurz: bei jeder frohen Feier –
Lieder sang zu seiner Leier
und das stets mit vollem Ton,
denn noch gab’s kein Mikrofon.

Selbst als Rom hellodernd brannte
und das Volk sich an ihn wandte,
stand er mittendrin im Dampfe,
sang Couplets und schlug die Klampfe.

Er war in der Welt des Scheins
eine, wenn auch heis’re, Eins.
Sonst jedoch war Kaiser Nero
– unter uns gesagt – ein Zero.
Schimpfe nicht...

Schimpfe nicht auf Sozialisten –
oder auf Nationalisten –
oder gar auf Klerikale –
und auch nicht auf Liberale!
Schimpf nicht auf die Kaisertreuen –
oder auf die Neo-Neuen –
schimpfe nur auf jene, die’s
Land regiern, als könnten sie’s!


Die Schnecke

Mit ihrem Haus nur geht Sie aus!
Doch heut läßt sie ihr Haus zu Haus,
es drückt so auf die Hüften.
Und außerdem – das ist gescheit
und auch die allerhöchste Zeit:
sie muß ihr Haus mal lüften!
Ampeln

Wir hatten einst – die Zeit ist tot –
als Landesfarben Schwarz-Weiß-Rot.
Dann hat man sie nicht mehr gewollt,
und wir bekamen Schwarz-Rot-Gold.

Doch diese übersieht man fast
in unsrer Zeit voll Kampf und Hast.
Die Farben, die sich heute ziehn
durch unser Sein, sind Rot-Gelb-Grün.

Wenn wir uns ans Steuer setzen,
um zum Arbeitsplatz zu hetzen,
können wir nur höchstens schleichen,
denn uns hindern viele Zeichen.

Ganz besonders sind’s die Ampeln,
die auch Radfahrer beim Strampeln
und selbst Fußgänger, die Gemsen –
gleich hinüberwollen, bremsen.

Vom Direktor bis zum Penner
sind wir nichts als Ampelmänner!
Dort, wo eine Kreuzung droht,
hat man selten Grün, meist Rot.

Und so schön das Rot auch schien,
man ist diesem Rot nicht grün.
Doch wenn Grün kommt, und man kann,
hat der liebe Vordermann –
solche Fälle sind verbürgt –
seinen Motor abgewürgt.

Bracht in Gang er endlich ihn,
und man kann, ist nicht mehr Grün.
Schuld ist vorne der »Idiot«! –
Bis man Grün hat, sieht man rot!
Der Markensammler

Herr Heinrich Franz von Ohnegleichen
Der sammelte gern Postwertzeichen
Mit Zähnen und mit glatten Rändern
Aus Übersee und andern Ländern
Und klebte sie alle vereinigt,
Jedoch geordnet und gereinigt
Ins Album, wie man das so muß –
Nur fehlte die Mauritius.

Was hatte er nicht unternommen,
Um diese Marke zu bekommen –
Ja, selbst als er der Minne frönte
Mit Minna, die ihn arg verwöhnte,
Fragte er bei jedem Kuß:
»Hast du nicht die Mauritius?«

Bald brachte beiden Adebar
Ein Kind, das zwar ein Mädchen war,
Doch Heinrich faßte den Entschluß:
»Die nennen wir Mauritius!«
Gewiß, der Name paßt nicht recht
Für’n Kind von weiblichem Geschlecht,
Doch sei’s: zu End sei der Verdruß.
Ich hab eine Mauritius.

Sehr früh schon ging das Mädchen gern
In Bars, damit es tanzen lern’
Und dadurch körperlich erstarke.
Na, sie wurde vielleicht ’ne Marke...



Zweizeiler

Für einen Vegetarier ist Fleisch
eine verbotene Frucht.
Der Schmetterling

Es war einmal ein buntes Ding,
ein sogenannter Schmetterling,
der war wie alle Falter,
recht sorglos für sein Alter.

Er nippte hier und nippte dort,
und war er satt, so flog er fort,
flog zu den Hyazinthen
und guckte nicht nach hinten.

Er dachte nämlich nicht daran,
daß was von hinten kommen kann.
So kam’s, daß dieser Schmetterling,
verwundert war, als man ihn fing.
Das Fischchen

Ein Fischchen einst im Wasser saß,
und von dem Wasser wurd’ es naß,
das Fischchen.

Das Fischchen wollt gern trocken sein,
doch hatte es kein Handtuch, nein,
das Fischchen.

Da sprang das Fischchen, hops, an Land
und drehte sich paarmal im Sand,
und als dann kam das Morgenrot,
war’s Fischchen trocken – aber tot.

Das Fischchen.
Der Wurm

Am Fuß von einem Aussichtsturm
saß ganz erstarrt ein langer Wurm.
Doch plötzlich kommt die Sonn’ herfür
erwärmt den Turm und auch das Tier.
Da fängt der Wurm an sich zu regen.
Und heißt jetzt Regenwurm deswegen.
Vogel und Baum

Man sieht die Lerchen mit Gesang
hoch in die Lüfte steigen.
Nur die mit »e«! Die mit dem »ä«,
die stehen da – und schweigen.
Das Schloß

Papst Paul war gestorben vor vierhundert Jahren
und ist dann, wie üblich, gen Himmel gefahren.
Und als er dort oben gut angekommen,
da hat er den güldenen Schlüssel genommen.

Es ist ja bekannt, daß früher und itzt
jeder Papst einen Schlüssel zum Himmel besitzt.

Doch siehe, der Schlüssel, der wollte nicht passen.
Der Petrus hat trotzdem ihn eintreten lassen
und sprach (sein Antlitz war bartumrändert):
»Der Luther hat nämlich das Schloß verändert...!«
Die Eule

Eine Eule saß und stierte
auf dem Aste einer Euche.
Ich stand drunter und bedachte,
ob die Eule wohl entfleuche,
wenn ich itzt ein Steunchen nähme
und es ihr entgegenschleuder’?

Dieses tat ich. Aber siehe,
sie saß da und flog nicht weiter.
Deshalb paßt auf sie die Zeule:

Eule mit Weule!
An einen von vielen

Als du noch warst, wollt man nichts geben.
Kaum warst du tot, ließ man dich leben!
So ists! – Den höchsten Ruhm erworben
hat man erst dann, ist man gestorben.
An einen jungen Journalisten

Das Schreibenlernen, das begannst
du früh schon zu betreiben;
und doch – obwohl du schreiben kannst –
kannst du bis heut nicht »schreiben«!
Kolumbus

Als Kolumbus von seiner Amerikafahrt
nach Spanien heimkam mit Gold und mit Bart
und, hochgeehrt und umjubelt, schritt
durch die Hauptstadt des Landes, nämlich Madrid,
entdeckte er plötzlich da drüben rechts
eine hübsche Person femininen Geschlechts.
Bei ihrem Anblick – was war schon dabei? –
entschlüpfte ihm was und zwar das Wort »ei«...

Seitdem sind die Forscher sich darüber klar,
daß das das »Ei« des Kolumbus war!
Hund und Herrchen

Egal, von welcher Art und Rasse,
ob tief er bellt, ob hoch er kläfft,
der Hund macht alles auf der Straße –
und auf die Straße sein Geschäft.

Die Katze ist da etwas feiner:
sie hat ihr Klo, auf das sie geht,
und wie sie liebt, das sah noch keiner –
man hört es höchstens, abends spät.

Der Hund dankt stets für jede Strafe,
er leckt die Hand, die ihn versehrt.
Er ist des Herrchens treuster Sklave –
doch meistens ist es umgekehrt.
Drei Bären

Ein Brombär, froh und heiter, schlich
durch einen Wald. Da traf es sich,
daß er ganz unerwartet, wie’s
so kommt, auf einen Himbär stieß.

Der Himbär rief – vor Schrecken rot – :
»Der grüne Stachelbär ist tot!
Am eignen Stachel starb er eben!«
»Ja«, sprach der Brombär, »das soll’s geben!«
und trottete – nun nicht mehr heiter –
weiter...

Doch als den »Toten« er nach Stunden
gesund und munter vorgefunden,
kann man wohl zweifelsohne meinen:
Hier hat der andre Bär dem einen
’nen Bären aufgebunden!
Heißer Mai

Es ist sehr heiß.
Leise rieselt der Schweiß.

Sogar die Lerche,
sonst kaum zu zügeln,
flattert ganz langsam:
sie schwitzt untern Flügeln.

Und auch die Schwalbe
fliegt nur die halbe
Geschwindigkeit in der Stunde.

In aller Munde
ist dieses Lied:

Leise rieselt der Schweiß –
und das vor Ende des Mais!
Noch’n Abschied

Es gibt so viele Abschiedslieder,
man hört im Funk sie immer wieder.
Meistens singt sie ein Tenor,
mal singt er mit, mal ohne Chor.
Ich hab ein wenig nachgedacht
und auch so’n Abschiedslied gemacht!

Lebe wohl, adieu, auf Wiedersehn,
addio, tschüß, na denn, gehab dich wohl!
Nun hau schon ab! Viel Glück, bleib gesund,
adé, mach’s gut, bis bald, Mahlzeit, Moin!

Ich kann auch auswärts: Au revoir, bye-bye,
arrivederci, oder auch proschtschai!
Nun kommt noch: tschau und servus, na und jetz’
fehlt nur noch das Zitat vom...

»... ach, ich hab vergessen wie der heißt!«
Es scheint so

Es scheint so, daß auf dem Planeten,
den wir so gern mit Füßen treten
und ihn dadurch total verderben
– daß also hier nur Gute sterben!

Denn: las man je im Inserat,
daß ein Verblichner Böses tat,
daß er voll Neid war und verdorben,
und daß er nun mit Recht gestorben?
Es kann hier keinen Zweifel geben:
die Schlechten bleiben alle leben!


Zweizeiler

Paradox ist, wenn einer sich im
Handumdrehen den Fuß bricht.
Zweizeiler

Bei der Behörde ist es genau wie beim Theater:
Ein paar arbeiten, und die anderen schauen zu.

Der schläft gut, der nicht weiß,
wie schlecht er schläft.

Lieber ein kleiner Lackschaden,
als ein großer Dachschaden.

Als ich geboren wurde,
war ich noch sehr jung.

Das Lernen macht stets dann Verdruß
wenn man’s nicht will, es aber muß.

Eitle Männer sind wie Kleiderständer,
an denen nichts hängt.

Masseure sind die Linienrichter
im Kampf gegen die Kalorien.

Da kann einer sagen, was er will,
das beste Essen ist immer noch das Trinken.

Manche Menschen wollen immer nur glänzen,
obwohl sie keinen Schimmer haben.

Es lohnt sich nicht ’n Hut zu tragen,
endet der Mensch bereits am Kragen.

Frauen sind die Juwelen der Schöpfung.
Man muß sie mit Fassung tragen.

Ich habe die Muttersprache
mit den Kindesbeinen eingesogen.

Manchmal hat es wirklich keinen Sinn,
die Stirn zu fletschen und die Zähne zu runzeln.
Noch mehr Zweizeiler

Des Menschen Leben gleicht der Brille
man macht viel durch.

Viele Menschen haben sich ihre eingebrockte
Suppe selbst zuzuschreiben.

Manche Hab- und Gutseligkeiten
sind nur ein Tropfen auf den hohlen Zahn.

Ich reibe mir Morpheus Arme aus den Augen,
werfe mir den Hut um die Schulter und lebe sinnlos mäßig.

Man muß sich notfalls jemand mieten,
hat man an Geist selbst nichts zu bieten.

Manche Konferenzen finden
unter vier Wänden statt.

Ein Stabhochspringer ist kein Hochstapler –
eine Hebamme keine Empfangsdame.

Ich brauche nur Fettgedrucktes zu lesen,
schon nehme ich zu.

Wenn der Kragen am Hemd nicht sitzt,
handelt es sich häufig um einen Stehkragen.

Eine Frau, die vor ihrem Mann keine Geheimnisse hat,
hat entweder keine Geheimnisse oder keinen Mann.

Wer sich selbst auf den Arm nimmt,
erspart anderen die Arbeit.

Solange es Haare gibt,
liegen sich die Menschen in denselben.
Die Starlets

Jetzt weiß ich endlich auch, wieso
sie Köpfe haben! – Soll ich’s sagen?
Sie brauchen dann das viele Stroh
nicht in der Hand zu tragen!
Vierzeiler

Voller Sanftmut sind die Mienen
und voll Güte ist die Seele,
sie sind stets bereit zu dienen,
deshalb nennt man sie Kamele.
Sitzengelassen

Wer ahnte, daß zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzenläßt?

Das war noch nichts; zu Ostern jetzt
hat sie mich abermals versetzt!

Nun freu ich mich auf Pfingsten –
nicht im geringsten!


Dreizeiler

Ich könnte manchmal vor Glück
eine ganze Allee von
Purzelbäumen schlagen.
Dreizeiler

Keine Frau ist so schlecht,
daß sie nicht die bessere Hälfte
eines Mannes werden kann.

Bei manchen Menschen geht alles schnell zum
einen Ohr rein und zum anderen raus –
die haben auch nicht viel dazwischen.

Manche Frauen sind wie Löschpapier;
Sie nehmen alles in sich auf
und geben es anschließend verkehrt wieder.

Wenn eine Frau die Wahl
zwischen Liebe und Geld hat,
entscheidet sie sich für beides.
Ganz zuletzt

O, wär ich
der Kästner Erich!
Auch wär ich gern
Christian Morgenstern!
Und hätte ich nur einen Satz
von Ringelnatz!
Doch nichts davon! – Zu aller Not
hab ich auch nichts von Busch und Roth!
Drum bleib ich, wenn es mir auch schwer ward,
nur der Heinz Erhardt...
Letzter Rat

Bevor man dich verbrennt zu Asche
verhindere, daß man dich wasche.
Versenkt man dich dann in den Keller,
verbrennst du, ungewaschen, schneller!

Wenn sie jedoch die Absicht haben,
dich einst im Ganzen zu begraben,
dann sei appetitlich, frisch und rein –
die Würmer werden dankbar sein!
Kurz vor Schluß

Schön ist der Wein, bevor er getrunken,
schön ist das Schiff, bevor es gesunken,
schön ist der Herbst, solange es Mai ist,
schön ist der Leutnant, solang er aus Blei ist.
Schön ist das Glück, wenn man es nur fände,
schön ist dieses Buch, denn gleich ists zu Ende.
Noch ein Abschied

Ein Gedichtchen, ein ganz klein’s
Sag ich noch, bevor ich geh:
Alles Gute wünscht Euch Heinz
E - R - H - A - R - D - T.

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