Die Gattung Brasilicactus BACKEBERG 1942

Familie: Cactaceae

Gattung: Brasilicactus (= Kaktus aus Brasilien)

Gattungsaufstellung: BACKEBERG, Curt (1942): Cactaceae – Jahrbücher der Deutschen Kakteen-Gesellschaft (Berlin) 2: 76

Brasilicactus haselbergii (13 kB)

Orangefarbene Blüte eines jungen Brasilicactus haselbergii v. stellatus
(Foto: T. Jessica Miller)

Die Gattung Brasilicactus wird trotz andersgestalteter Blüten heute meist zu Notocactus oder Parodia gerechnet. A. V. FRIC schrieb bei seiner Aufstellung der Gattung als Brasilocactus im Jahre 1933: »Ursprünglich wurden diese Pflanzen der Gattung Echinocactus zugerechnet. BRITTON & ROSE haben die Pflanzen der Gattung Malacocarpus zugeordnet, wahrscheinlich deswegen, weil sie die Gattung sowie die Pflanzen nicht gekannt haben. Diese Gattung ist ganz isoliert und hat keine Verwandtschaft und auch keine Übergänge zu anderen Gattungen. Bis heute ist es nicht gelungen die Pflanzen mit anderen Kakteenarten zu kreuzen.«

In Succulents Bilingual, 2001 Nr. 1(2), S. 11-19, plädiert die Kuratorin der Sukkulentensammlung im Botanischen Garten Sankt Petersburg, Dr. Irina M. WASSILJEWA, für die Wiederbelebung der zwei Gattungen Brasilicactus und Eriocactus, die heute in Notocactus bzw. Parodia aufgegangen sind. Anhand der Blüten und Samen weist sie – wie das schon BACKEBERG getan hat – die Nichtvereinbarkeit der Gattungen nach.

Brasilicactus nach Curt Backeberg: kugelige, bis breitkugelige Pflanzen, selten säulenförmig, mit sehr dünnen und feinen, meistens kurzen Dornen; dornige Blüten mit kurzer Röhre, Frucht mit feinen Dornen; äußere Blütenblätter ziemlich kurz, eng und spitzig; Blütenblätter rot oder grün; Griffel niemals rot.

Die drei Arten:

Leitart der Gattung: Brasilicactus haselbergii

Körperbau: Kugelige bis breitkugelige, selten im Alter verlängerte Pflanzen mit eingesenktem Scheitel; alte Pflanzen auch über 20 cm groß. Epidermis blattgrün, Pflanzen nicht sprossend (Ausnahme: B. elachisanthus), mit zahlreichen in kleine Wärzchen geteilten Rippen und sehr dichter, feiner Bedornung. Der mit spärlicher Wolle bedeckte Scheitel neigt sich im Blühalter stark zur Hauptlichtseite. Faserwurzeln.

Rippen: Sehr niedrig und zahlreich, 30 bis 60; mäßig gewunden, stärker in halbkugelige, sehr zahlreiche, fast konische, 3 bis 4 mm hohe Wärzchen aufgelöst, auf welchen die fein-weißgelbfilzigen Areolen mit sehr dichter, aber feiner Bedornung obenauf sitzen.

Areolen: Kreisrund; junge Areolen sehr stark gelblich-weiß, feinwollig; Areolen dicht angeordnet, 3 mm bis 7 mm entfernt, oben auf den Wärzchen sitzend.

Dornen: Zahlreich, 30 bis 60 pro Areole; nadelförmig, ziemlich steif, bis um 2 cm lang, durchscheinend weiß bis sattgelb in ganzer Länge, leicht zerbrechlich, verteilt über die ganze Areole, ohne ausgeprägte Mitteldornen, oder diese schwer erkennbar (in der Anzahl um 6). Dornen bei alten Pflanzen zur Basis hin vergrauend.

Brasilicactus haselbergii (16 kB)

Anomale Langblüte bei B. haselbergii v. stellatus. Die normale Blüte ist fast röhrenlos und klein.
(Foto: T. Jessica Miller)

Blüten: Die für Brasilicactus typischen kleinen (um 2 cm) grünlichen, orangegelben oder roten Blüten, entspringen in großer Zahl der Scheitelregion. Sie sind individuell sehr variabel. Die Blütenröhre ist sehr kurz, über dem Fruchtknoten kurz trichterig-glockig erweitert bis schmal trichterförmig. Die Wandung ist dick. Die Schuppen sind klein, die Wolle in den Schuppenachseln ist relativ kurz und fein, wodurch die reichliche, steifborstige, abstehende Bedornung stark auffällt. Der Fruchtknoten ist außen von der Röhre nicht abgesetzt; die Röhre ist tubisch, nur am Ausgang scharf nach außen gebogen. Die Ansatzfläche der Samenstränge, die meist ausbricht oder sonst verschrumpft, ist verschmälert und zurückentwickelt. Staubblätter stehen alle aufrecht, dicht um den weißlich-grünen bis gelblichen Griffel inseriert, sie sind ebenfalls weißlich grün bis gelblich. Die Staubblätter umschließen ein Nektarium. Die gelben Staubbeutel liegen sehr nahe an der Narbe, dicht beisammen durch die inneren Kronblätter zusammengehalten. Staubblätter sind nicht reizbar. Der Griffel trägt eine kurze, nicht sehr weit gespreizte Narbe, Narbenlappen 7 bis 8, weißgrün bis weißgelblich oder gelb. Die Kronblätter von innen nach außen an Größe zunehmend, außen dann bis doppelte Länge. Die inneren Kronblätter stehen aufrecht, oder sie sind etwas nach innen geneigt. Die Blüten sind selbstbefruchtend.

Früchte: Infolge des Blütenaufbaus ist auch der Blütengröße entsprechend die kleine Frucht nicht wollig, hat eine sehr geringe feine Behaarung und ist nur mit wenigen, steifen Borsten bekleidet. Sie ist ziemlich kleinkugelig, dünnwandig, lederartig; weichwerdend im vollreifen Zustand, dann dünn und spröde, so daß sie beim Pflücken leicht durchbricht; später vertrocknend. Die Frucht platzt manchmal bei der Reife unten unregelmäßig auf.

Samen: Der feine Samen ist um 0,5 mm klein, verlängert bis gekrümmt-glockenförmig, stark warzig, mit glänzend schwarzen, größeren Höckern besetzt, welche nahe zur Basis hin in Reihen angeordnet sind. Keimseite gewellt, von hellgrauer Farbe. Der Hilum-Micropylar-Bereich ist breit oval, der Micropylarhügel stark ausgeprägt. Testarand am HMB gering nach außen gebogen, HMB basal, deutlich aus zwei Abschnitten bestehend. Der ventrale Abschnitt ist deutlich größer als bei Samen anderer verwandter Sektionen, wo er beträchtlich kleiner, kaum vertieft ist und die Abrißnarbe enthält. Er ist gegen den dorsalen Teil mit der Micropyle stumpf gewinkelt; letzerer Teil ist etwas kleiner, aber breiter, leicht oval und zur Micropyle hin vorgewölbt.

Vorkommen: Am Rande der Berge Aparados da Serra und auf dieser zu finden, östliches Südbrasilien in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina, zwischen Moos und Flechten, auch auf steinigen Böden und Platten sowie steilen Abhängen. Brasilicactus elachisanthus (angeblich) im Nordwesten von Maldonado in Uruguay.


Brasilicactus haselbergii (37 kB)

Brasilicactus haselbergii – halbgeöffnete orangerote Blüten
vor weißem Dornenkleid (Foto: Ulrich Katz)


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[ www.sabon.org – 26. april 2003 – rotis ]

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