Die Gattung Brasilicactus BACKEBERG 1942

Pflegehinweise für Brasilikakteen

Ich pflege einen alten Brasilicactus haselbergii var. stellatus, der von Jahr zu Jahr mit zunehmender Geschwindigkeit immer größer und krummer wird (er neigt seinen Scheitel dem Licht entgegen und hat praktisch schon einen Winkel von 90° erreicht). Gegenwärtig hat er einen Durchmesser von etwa 15 cm. Von seinem Samen bekam ich mit der Aussaat 1998 einige Jungpflanzen, die jetzt zwischen drei und fünf Zentimeter groß sind. Ein monströser Sämling entwickelt bislang fünf Köpfe; ich habe dieses lange Zeit kümmernde Exemplar im Sommer 2002 erfolgreich auf einen Cereus forbesii gepfropft, und jetzt wächst es fast minütlich.

Brasilicactus graessneri fa. cristata (19 kB)

Brasilicactus graessneri fa. cristata, Kammform auf einen Trichocereus gepfropft
(Foto: Winfried Starke)

Es ist unglaublich, was diese kleine Gattung Brasilicactus für eine Vielfalt an Formen kennt. Meine Sammlung wird zur Zeit immer größer, ich bekomme aus der ganzen Welt Brasilis. Kaum eine Pflanze gleicht der anderen. So gibt es B. graessneris mit weißen und verschieden schattierten gelben Dornen, ebenso wie B. haselbergiis mit weißen und gelben Dornen in allen Schattierungen. Die Körperfärbung reicht von einem hellen Grasgrün über ein dunkles Olivgrün bis hin zu einem fast Dunkelblau — bei beiden Arten. Auch die Dornenlänge ist interessant. Üblicherweise sind die Nadeln bei Haselbergii 1 cm und bei Graessneri 2 cm lang. Das Ganze gibt es aber genauso umgekehrt.

Seit zwei Jahren pflege ich in einer Schale vier bis fünf Millimeter große Sämlinge des Brasilicactus haselbergii aus eigener Anzucht. Entgegen vielen Hinweisen in der Literatur braucht man die Sämlinge nicht zu pfropfen, sie wachsen in den ersten zwei, drei Jahren zwar sehr langsam, aber auch auf dem Fensterbrett kommen sie eigentlich gut voran. Das hält mich aber nicht davon ab, diesen Sommer diese Aussaat testweise auf einige Pereskiopsis spathulata zu transplantieren, um schneller große Pflanzen zu bekommen. Wenn alles klappt, kann ich künftig viele seltene Formen in großen Stückzahlen vermehren.

Ich säe normalerweise immer eine große Menge Saatgut aus (die Gattung ist selbstbefruchtend und erzeugt sehr viele Samen), von denen immer ein Gutteil bei geringer Pflege durchkommt. Der Samen ist jahrelang haltbar, die Keimrate beträgt nach vier Jahren Lagerung (1998–2002) noch 95 Prozent. Es ist meist so, daß anfänglich schnell wachsende Sämlinge später eingehen und Pflänzchen, denen man nicht viele Chancen einräumt, sich zu kräftigen Exemplaren mausern. Die Aussaat erfolgt am besten in einer flachen Schale, die man am warmen Fenster aufstellt und immer feucht hält. Vor brennender Sonne schützt man sie mit Seiden- oder dünnem Pergamentpapier. Spezielle Maßnahmen wie Abdeckungen aus Glas oder Folie oder gar Zimmergewächshäuser sind zum Keimen nicht nötig. Die Brasili-Samen platzen auf wie Hefeteig. Wenn sie zu dicht stehen, pikiert man sie, dies geschieht etwa im jährlichen Rhythmus. Auch im Winter behält man die Sämlinge im Warmen und immer leicht feucht. Auf diese Weise bekommt man prächtige Pflanzen.

Brasilicactus haselbergii, sehr langbedornt (19 kB)

Brasilicactus haselbergii,
sehr langbedornte Form
(Foto: Albert Plapp)

Erwachsene Brasilis mögen es halbschattig. Man stelle sie im Sommer nie in die pralle Mittagssonne. Hier verfärbt sich der sattgrüne Körper in einen ungesunden Gelbton um. Wasser benötigen sie im Sommer reichlich. Das Substrat sollte nie austrocknen. Über häufiges Nebeln gegen Abend mit einer Sprühflasche und kalkfreiem Regenwasser freuen sie sich; das sollte auch der »Roten Spinne« vorbeugen, die hohe Luftfeuchtigkeit nicht mag. Der Blütenflor setzt bei mir immer erst im August/September an (wahrscheinlich zu dunkle Überwinterung durch momentan ungünstige Umstände). Normalerweise blühen die Pflanzen im zeitigen Februar. Von November bis März sollten die Brasilikakteen bei etwa 10 °C sehr hell und kühl (aber auch regelmäßig leicht befeuchtet) überwintert werden. Als Substrat eignet sich eine Mischung aus 4/5 Blumenerde und 1/5 feinkörnigem und geglühtem Vogelsand aus der Zoohandlung. Die zarten Faserwurzeln der Brasilikakteen sind an Wiesen- und Heideböden angepaßt. Bei Lehmzusatz im Substrat sollen sie — angeblich — ihre Wurzeln verlieren und eingehen. Man pflanzt die Gattung am besten in flache Tonschalen, da sie mit ihren im Alter stark gekrümmten Scheiteln in zu hohen Plastetöpfen zum Umkippen neigen. An alten Pflanzen läßt sich das jährliche Wachstum an »Jahresringen« ablesen, die sich auf dem Dornenkleid wie Pelzkragen aufwerfen.


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[ www.sabon.org – 26. april 2003 – rotis ]

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