Die Gattung Brasilicactus BACKEBERG 1942

Brasilicactus haselbergii (HAAGE ex RÜMPLER 1886) BACKEBERG 1942

haselbergii = Benannt nach dem Entdecker Dr. F. von Haselberg, Stralsund.

Brasilicactus haselbergii (30 kB)

Altes Exemplar von Brasilicactus haselbergii, voller Samenkapseln vergangener Jahre
(Foto: Zvone Rovsek)

Basionym:

  • Echinocactus scopa f. haselbergii F. HAAGE 1886

Synonyme:

  • Malacocarpus haselbergii (HAAGE) BRITTON et ROSE 1922
  • Brasilocactus haselbergii FRIC 1935
  • Brasilicactus haselbergii (HAAGE ex RÜMPLER) BACKEBERG 1942
  • Seriocactus haselbergii Y. ITÔ 1957
  • Notocactus haselbergii (HAAGE ex RÜMPLER) BERGER ex KRAINZ 1967
  • Parodia haselbergii (HAAGE) F. H. BRANDT 1982
  • Parodia haselbergii HUNT 1992 (für CITES)
  • Parodia haselbergii ssp. haselbergii HUNT 1999 (für CITES)

Deutscher Name: Haselbergs Brasilikaktus, Brasilfeuer

Englische Namen: Scarlet Ball Cactus, White Web Ball Cactus, Scarlet Crown

Slowenischer Name: Hazelbergov brazilski kaktus

Erstbeschreibung: HAAGE (jun.), Ferdinand (1886): Handbuch der Cacteenkunde II, Leipzig 1886: 563–564

Beschreibung: Körper kugelig, stark abgeplattet, Scheitel tief eingesenkt, hellgrün, bis 20 cm breit und 15 cm hoch; Höcker kegelförmig, in teilweise spiralig laufenden Rippen angeordnet; 30 bis 45 Rippen dicht, bis 5 mm tief; Areolen sitzen auf der Oberseite der Höcker, sehr dicht, mit viel weißer Wolle; Dornen insgesamt 20 bis 25, dünn, abstehend; um 1 cm lang; 3–5 Mitteldornen, etwas länger, blaß strohgelb; Randdornen 18–21 fein, weiß, ohne besondere Richtung; Blüten scheitelnah, zahlreich, um 2 cm lang, rubinrot bis orangerot, öffnen an mehreren Tagen hintereinander; Griffel gelblich, Narben gelb; Frucht klein, bedornt, ohne Wolle; Samen länglich, kaum 1 mm lang.

Heimat: Vom Tiefland bis zu den höchsten, oft mit Schnee bedeckten Regionen des östlichen Rio Grande do Sul. Die Pflanzen sind in ihrer Heimat hohe Niederschläge und vor allem eine hohe Luftfeuchtigkeit gewohnt. An ihren natürlichen Standorten in Rio Grande do Sul stehen die Brasilikakteen in Moosen oder Flechten.

Kultur: Im Winter müssen die Pflanzen in ihrer Heimat erhebliche Niederschläge in Form von Nebel und teilweise auch Froststunden ertragen, denn die Aparados da Serra sind bis 1800 Meter hoch. In der Kultur sollte man diese Pflanzen daher öfters einsprühen, sie aber vor Staunässe schützen. Die Blütezeit der Brasilikakteen ist bei uns in den Herbst, ja teilweise sogar in den ausklingenden Winter verlagert.

Brasilicactus haselbergii (30 kB)

Brasilicactus haselbergii var. albolanatus mit Blüten, Knospen und reifen Früchten
(Foto: Waleri A. Slotin)

Die Pflanzen sind empfindlich gegen stauende Nässe und lieben häufiges Nebeln. Der stets zur Sonne ausgerichtete Scheitel der Brasilikakteen ist eine Folge einer durch das Sonnenlicht ausgelösten Wachstumshemmung. Man sollte die Pflanzen also nicht drehen.

Die Frucht ist eine kleine Beere, die fast ein Jahr zum Reifen braucht, bevor sie dann längs einreißt.

Bemerkungen: Wegen des sehr feinen Wurzelsystems der Brasilikakteen und ihrer weichfleischigen Körper sind die Pflanzen anfällig für Spinnmilben (»Rote Spinne«) sowie Schmier- und Wurzelläuse, die sich dazu noch gut im Dornengewirr verstecken können. Brasilikakteen leben in ihrer Heimat in recht feuchten Gebieten mit viel Nebel, Tau und Regen. Spinnmilben bevorzugen trockene Luft und einen trockenen Lebensraum. Durch regelmäßiges Einnebeln der Pflanzen mit kalkfreiem Wasser an warmen Sommerabenden (z.B. mit Regenwasser), kann man einem Befall vorbeugen.

Feldnummern: RWB26 (haselbergii), RWB28 (haselbergii f.), WRA 571 (haselbergii, Rio Grande do Sul), KZ160 (haselbergii), DV128 (haselbergii), KRZ432 (haselbergii), Gf176 (haselbergii, Triunfo/TNF/Rio Grande do Sul), HU1169 (haselbergii f., Tobai/MON/Rio Grande do Sul), MGH3 (haselbergii, Triunfo/TNF/Rio Grande do Sul), MGH180 (haselbergii, Linha Garibaldi/GAR/Rio Grande do Sul), MGH201 (haselbergii), AH340 (haselbergii, Daltro Filho/GAR/Rio Grande do Sul), WG86 (haselbergii, Tabai ?? BR386), FR1275 (haselbergii, Daltro Filho/GAR/Rio Grande do Sul), FR1275a (haselbergii v., Daltro Filho/GAR/Rio Grande do Sul), FR1275b (haselbergii v., Daltro Filho/GAR/Rio Grande do Sul), FS34 (haselbergii, Taquara/TQA/Rio Grande do Sul), PR 272 (haselbergii, Morro das Pedras)

Unterarten (gültige, ungültige, zweifelhafte):

Brasilicactus haselbergii var. albatus
Brasilicactus haselbergii var. albolanatus
Brasilicactus haselbergii var. albus
Brasilicactus haselbergii var. gracilispinus (= HU51)
Brasilicactus haselbergii var. haseltonianus
Brasilicactus haselbergii var. lanatus (= PR273)
Brasilicactus haselbergii var. luteus (= KZ161)
Brasilicactus haselbergii var. pseudograessneri (= PR274)
Brasilicactus haselbergii var. robustispinus (= HU50)
Brasilicactus haselbergii var. splendens
Brasilicactus haselbergii var. stellatus
Brasilicactus haselbergii var. vacariensis (= HU39)

Brasilicactus haselbergii var. albatus n.n.

albatus = weiß gekleidet

Brasilicactus haselbergii var. albolanatus n.n.

Brasilicactus haselbergii (28 kB)

Ein Brasilicactus haselbergii mit
faszinierenden, scharlachroten Blüten
(Foto: Adam Richard Schulz)

albolanatus = weißwollig (Areolen)

Brasilicactus haselbergii var. albus n.n.

albus = weiß

Brasilicactus haselbergii var. gracilispinus n.n. (= HU51)

gracilispinus = zartbedornt

Feldnummer: HU51
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus aff. haselbergii v. gracilispinus
Fundort: Trombudo, Santa Cruz, Rio Grande do Sul, Brasilien

Brasilicactus haselbergii var. haseltonianus n.n.

haseltonianus = benannt nach Scott Haselton

Brasilicactus haselbergii var. lanatus n.n. (= PR273)

lanatus = wollig

Feldnummer: PR273
Sammler: Karl-Heinz Prestlé
Art: Notocactus haselbergii v. lanatus
Fundort: Rio Grande do Sul, Brasilien

Brasilicactus haselbergii var. luteus n.n. (= KZ161)

luteus = tiefgelb

Feldnummer: KZ161
Sammler: Karel Knize
Art: Notocactus haselbergii var. luteus

Brasilicactus haselbergii var. pseudograessneri n.n. (= PR274)

pseudograessneri = falscher graessneri

Feldnummer: PR274
Sammler: Karl-Heinz Prestlé
Art: Notocactus haselbergii v. pseudograessneri
Fundort: Canela, Rio Grande do Sul, Brasilien

Brasilicactus haselbergii var. robustispinus hort. (= HU50)

robustispinus = kräftig bedornt

Feldnummer: HU50
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus aff. haselbergii v. robustispinus
Brasilicactus haselbergii (32 kB)

Brasilicactus haselbergii v. stellatus
(Foto: Friedhelm Günther)

Fundort: Arroio (Arroyo?) da Seca, Rio Grande do Sul, Brasilien

Brasilicactus haselbergii var. splendens n.n.

splendens = glänzend

Brasilicactus haselbergii var. stellatus hort.

stellatus = sternenähnlich

Im Unterschied zur Art hat stellatus längere und goldgelbe Dornen (Färbung wie B. graessneri).

Bemerkungen: Die goldgelben Dornen sondern beim Besprühen mit Wasser (besonders nach der langen und trockenen Winterpause) einen süßlich riechenden, gelblichen Saft ab, der mit dem Sprühwasser ins Substrat abläuft. Beim Anhauchen der trockenen Pflanze kann man denselben süßen Duft wahrnehmen. Das Fruchtfleisch der Samenkapseln ist stark klebrig und hat ebenfalls diese Duftnote. FLEISCHER und SCHÜTZ berichten in »Kakteenpflege« (Ulmer-Verlag, Stuttgart 1981) von »Nektardornen« bislang ungeklärten Zwecks.

Brasilicactus haselbergii var. vacariensis n.n. (= HU39)

vacariensis = aus Vacaria (Rio Grande do Sul) stammend

Feldnummer: HU39
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus aff. haselbergii
Fundort: Vacaria, Rio Grande do Sul, Brasilien
Hinweise: Nach Dr. Gerhardt Schäfer (»Die Gattung Notocactus«,
1980) ist HU39 Brasilicactus haselbergii var. vacariensis und nicht
Brasilicactus graessneri var. stellatus

HU39 soll Brasilicactus graessneri v. vacariensis oder auch Brasilicactus graessneri v. stellatus sein!


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