Die Gattung Brasilicactus BACKEBERG 1942
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Brasilicactus graessneri (K. SCHUMANN 1903) BACKEBERG 1942
graessneri = Benannt nach dem Kakteengärtner Richard Grässner (18751942) aus Perleberg, der die Art 1903 nach Europa einführte.
Reingelb blühender, junger Brasilicactus graessneri v. flaviflorus (Foto: Zvone Rovsek)
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Basionym:
- Echinocactus graessneri K. SCHUMANN 1903
Synonyme:
- Malacocarpus graessneri (SCHUMANN) BRITTON et ROSE 1922
- Notocactus graessneri (SCHUMANN) BACKEBERG 1935
- Brasilocactus graessneri (SCHUMANN) FRIC ex KREUZINGER 1935
- Acanthocephala graessneri (SCHUMANN) BACKEBERG 1938
- Brasilicactus graessneri (SCHUMANN) BACKEBERG 1942
- Dactylanthocactus graessneri (SCHUMANN) Y. ITÔ 1957
- Notocactus graessneri (SCHUMANN) BERGER ex KRAINZ 1960
- Parodia graessneri (SCHUMANN) F. H. BRANDT 1982
- Parodia graessneri HUNT 1992 (für CITES)
- Parodia haselbergii ssp. graessneri HUNT 1999 (für CITES)
Deutscher Name: Grässners Brasilikaktus
Englische Namen: Green Ball Cactus, Yellow Pincushion Cactus, Lemon Donut
Slowenischer Name: Gresnerjev brazilski kaktus
Erstbeschreibung: SCHUMANN, Karl (1903): Monatsschrift für Kakteenkunde 13: 129130
Beschreibung: Körper dunkelgrün, flachkugelig, mit schrägem, tief eingesenktem und von Dornen verdecktem Scheitel, im Blühalter zur Hauptlichtseite gerichtet. Wächst meist solitär, in der Natur auch Gruppen bildend. Rippen kaum erkennbar. Areolen sitzen erhöht auf rundlichen Höckern, die in mehr als 50 bis 60 Reihen spiralenförmig angeordnet sind. Dornen fein und zahlreich, den Körper dicht einhüllend. 46 goldgelbe Mitteldornen, stechend aber flexibel, kreuzständig. Der untere Mitteldorn bis 2 cm lang, zahlreiche weiße bis gelbliche borstenartige Randdornen, 0,5 bis 2 cm lang. Blüten grünlich-gelb, bis 2,5 cm lang und geöffnet 1,5 bis 2 cm breit; Fruchtknoten borstig, um 0,6 cm lang. Receptaculum mit spitzen, grünen Schuppen. Blütenblätter zugespitzt, die äußeren am längsten und etwas abstehend, die inneren kürzer und mehr oder weniger senkrecht. Staubblätter gelb, dicht am ca. 7-narbigen blaßgelben Griffel anliegend. Frucht wie Fruchtknoten rundlich, Frucht bei Reife trockenhäutig, dunkel werdend. Samen länglich, mützenförmig, ca. 1 mm lang und halb so dick, mit deutlich vorgewölbtem Micropylarhügel.
Heimat: Vom Tiefland bis zu den höchsten, oft mit Schnee bedeckten Regionen des östlichen Rio Grande do Sul. Die Pflanzen sind in ihrer Heimat hohe Niederschläge und vor allem eine hohe Luftfeuchtigkeit gewohnt. An ihren natürlichen Standorten in Rio Grande do Sul stehen die Brasilikakteen in Moosen oder Flechten.
Kultur: Im Winter müssen die Pflanzen in ihrer Heimat erhebliche Niederschläge in Form von Nebel und teilweise auch Froststunden ertragen, denn die Aparados da Serra sind bis 1800 Meter hoch. In der Kultur sollte man diese Pflanzen daher öfters einsprühen, sie aber vor Staunässe schützen. Die Blütezeit der Brasilikakteen ist bei uns in den Herbst, ja teilweise sogar in den ausklingenden Winter verlagert.
Die Frucht ist eine kleine Beere, die fast ein Jahr zum Reifen braucht, bevor sie dann längs einreißt.
Bemerkungen: In der Kultur muß man bei freier Aufstellung darauf achten, daß diese Pflanzen dort keine »Rote Spinne« bekommen, denn dagegen sind sie wenig widerstandsfähig. Brasilikakteen leben in ihrer Heimat in recht feuchten Gebieten mit viel Nebel, Tau und Regen. Spinnmilben bevorzugen trockene Luft und einen trockenen Lebensraum. Durch regelmäßiges Einnebeln der Pflanzen mit kalkfreiem Wasser an warmen Sommerabenden (z.B. mit Regenwasser), kann man einem Befall vorbeugen.
Feldnummern: WRA 386 (graessneri, Sao Francisco de Paula/SFP/Rio Grande do Sul), DV129 (graessneri, Aparados da Serra/FDV/Rio Grande do Sul), KRZ422 (graessneri), Gf441 (graessneri f., Fortaleza/PAL/Rio Grande do Sul), Gf662 (graessneri f., N Vacaria/VAC/Rio Grande do Sul), MGH213 (graessneri f., km 13-14, BR116/Rio Grande do SulSanta Catarina), FR1276 (graessneri, Fortaleza/FDV/Rio Grande do Sul), FS32 (graessneri, Bom Jesus/BJE/Rio Grande do Sul), FS239 (graessneri f., Bom Jesus/BJE/Rio Grande do Sul), FS325 (graessneri v. (gelbe Blüte), Montenegro/MON/Rio Grande do Sul), FS944 (graessneri, Jaquirana/JAQ/Rio Grande do Sul), PR 270 (graessneri, Aparados da Serra/FDV/Rio Grande do Sul)
Sehr wollige, weißbedornte B. graessneri v. albisetus
neben einem normalen Gelben am Fundort bei Cambara
(Foto: Albert F. H. Buining)
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Unterarten (gültige, ungültige, zweifelhafte):
Brasilicactus graessneri fa. microdasys (= HU501)
Brasilicactus graessneri var. albisetus (= HU48a)
Brasilicactus graessneri var. aureiflorus (= ebenfalls HU48?)
Brasilicactus graessneri var. flaviflorus
Brasilicactus graessneri var. fortalezensis (= HU54)
Brasilicactus graessneri var. gracilis
Brasilicactus graessneri var. jaquiranensis (= HU48)
Brasilicactus graessneri var. longispinus (= PR271)
Brasilicactus graessneri var. luteus (= PR399)
Brasilicactus graessneri var. stellatus (= FR1276a)
Brasilicactus graessneri var. tenuispinus (= HU329)
Brasilicactus graessneri var. vacariensis (= RWB20)
Brasilicactus graessneri fa. microdasys BRAUN 1986 (= HU501)
microdasys = kleinstruppig
Feldnummer: HU501
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus graessneri fma. microdasys
Fundort: nahe Jaquirana, Rio Grande do Sul, Brasilien
Gefunden inmitten einer Population von Brasilicactus graessneri HU48. Fundort bei Jaquirana, Rio Grande do Sul, Brasilien. Eingeführt von Horst und Uebelmann. Hinterlegt unter der Nummer HU501 (ZSS-AA-58-129) in der Städtischen Sukkulenten-Sammlung Zürich.
Erstbeschreibung als: Notocactus graessneri fa. microdasys P. J. BRAUN 1986
Erstbeschreibung in (als Kopie): BRAUN, P. J. (1986): Kakteen und andere Sukkulenten 37 (3): 57
Pflanze wahrscheinlich ausgestorben. Erstbeschreiber BRAUN besitzt sie nicht mehr (persönliche Mitteilung, März 2003). In der Sukkulentensammlung Zürich ist die Pflanze nach Auskunft durch Urs EGGLI vom April 2003 ebenfalls nicht vorhanden. Notokakteen-Kenner Jozka NEDUCHAL erinnert sich an sechs wunderschöne Pflanzen der Form bei einem Kakteengärtner namens MAY (sen.) aus Kriftel bei Frankfurt/Main. Mit dessen Tod ist jedoch auch seine Sammlung untergegangen. Die Pflanzen blühten zwar, entwickelten jedoch nur taube Samen. Bei einem Besuch der MAYschen Gärtnerei im März 2003, stellte J. NEDUCHAL fest, daß die jetzt von MAYs Sohn betriebene Zucht unter dem Namen »Tropica Verde« nur noch große Mengen Kübelpflanzen produziert, und definitiv keine microdasys mehr vorhanden sind.
Microdasys war im übrigen eine kaum lebenstüchtige Kümmerform, was auch die Schwierigkeiten bei ihrer Vermehrung zeigt. Sie war praktisch nur gepfropft am Leben zu erhalten, und auch dann noch recht heikel. S. STUCHLÍK schreibt in INTERNOTO 17 (2) 1996: »Das andere Extrem bildet N. graessneri fa. microdasys, der statt Dornen nur kleine "Pinselchen" aufweist. Diese Pflanzen wurden in einer Population bei Jaquirana, Rio Grande do Sul, entdeckt und mit der Feldnummer HU49 versehen. Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Forma microdasys um kranke Pflanzen, worauf ihre Blühunwilligkeit hinzuweisen scheint und die bei ihrer Pflege auftretenden Probleme.«
HU501 lebt! Werner J. Uebelmann (Schweiz) sandte mir im Juli 2003 eine E-Mail folgenden sensationellen Inhalts: »... Vor einigen Wochen stellte mir die Sukkulenten-Sammlung Zürich Ihren Brief zu, Sie fragen nach HU 501. Es wurden damals nur 2 Exemplare gefunden, die Pflanze die bei Horst in Brasilien geblieben ist, existiert nicht mehr. Vor 2 Jahren habe ich begonnen, HU 501 zu vermehren, heute stehen ca. 100 Stücke bei mir. Bis jetzt keine Pflanze weitergegeben! Ein Japaner, der letzten Monat bei mir war, offerierte mir einige 1000 $ für den Alleinvertrieb. ...«
Brasilicactus graessneri var. albisetus CULLMANN 1955 (= HU48a)
Gepfropfter B. graessneri v. albisetus
mit bemerkenswert kurzen Dornen
(Foto: Menashe Harman)
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albisetus = weißbedornt
Feldnummer: HU48a
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus graessneri v. albisetus
Fundort: Rio Grande do Sul, Brasilien
Basionym: Brasilicacus graessneri v. albiseta CULLMANN 1955
Synonyme:
- Notocactus graessneri fa. albisetus (W. CULLMANN 1955) KRAINZ 1960
- Brasilicactus graessneri v. albiseta f. fortalezensis PRESTLÉ 1980
Erstbeschreibung: CULLMANN, WILLY (1955): Kakteen und andere Sukkulenten 6 (1): 105
Borsten fast weiß wie bei B. haselbergii; Blüten grün, lassen den B. graessneri erkennen. Die Pflanzen stammten aus einer Lieferung, die Frau H. WINTER aus Rio Grande do Sul (Brasilien) im Winter 1953/1954 erhalten hat.
Feldnummern: WRA 391 (graessneri v. albisetus, Cambara do Sul/CMS/Rio Grande do Sul), WRA 559 (graessneri v. albisetus, Rio Grande do Sul), FR1276b (graessneri v. albisetus), FS25 (graessneri v. albisetus f. fortalezensis, Fortaleza/FDV/Rio Grande do Sul), PR269 (graessneri v. albisetus f. fortalezensis, Aparados da Serra/FDV/Rio Grande do Sul)
Brasilicactus graessneri var. aureiflorus n.n. (= ebenfalls HU48)
aureiflorus = goldblütig
Feldnummer: HU48
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus aff. graessneri v. jaquiranensis
Fundort: Jaquirana, Rio Grande do Sul, Brasilien
Unter den dicht goldgelb bestachelten HU48 (Brasilicactus graessneri var. jaquiranensis) fanden sich am Fundort einige Exemplare mit goldgelber Blüte (= var. aureiflorus).
Brasilicactus graessneri var. flaviflorus BACKEBERG 1966
flaviflorus = gelbblütig
Erstbeschreibung: BACKEBERG, CURT: Das Kakteenlexikon, 1966
Blüten reingelb. Das Gelb ist das gleiche wie bei Eriocactus leninghausii.
Brasilicactus graessneri var. fortalezensis PRESTLÉ 1980 nom. prov. (= HU54)
fortalezensis = aus Fortaleza stammend
Feldnummer: HU54
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus aff. graessneri v. fortalezensis
Fundort: Fortaleza, Rio Grande do Sul, Brasilien
Die pelzartig bedornten B. graessneri v. aureiflorus (HU48)
mit goldgelben Blüten unter einem Felsvorsprung im Habitat
(Foto: Albert F. H. Buining)
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Brasilicactus graessneri var. gracilis n.n.
gracilis = zart, schlank
Brasilicactus graessneri var. jaquiranensis n.n. (= HU48)
jaquiranensis = aus Jaquirana stammend
Feldnummer: HU48
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus aff. graessneri v. jaquiranensis
Fundort: Jaquirana, Rio Grande do Sul, Brasilien
Bei SCHÄFER (1980) findet sich hier der Name »var. yaquiranensis n.n. HU48, Fundort: Mte. Alverne am Yacari, Rio Grande do Sul)«
Brasilicactus graessneri var. longispinus n.n. (= PR271)
longispinus = langbedornt
Feldnummer: PR271
Sammler: Karl-Heinz Prestlé
Art: Notocactus graessneri v. longispinus
Fundort: Rio Grande do Sul, Brasilien
Brasilicactus graessneri var. luteus n.n. (= PR399)
luteus = tiefgelb
Feldnummer: PR399
Sammler: Karl-Heinz Prestlé
Art: Notocactus graessneri v. luteus
Fundort: Jaquirana, Rio Grande do Sul, Brasilien
Brasilicactus graessneri var. stellatus n.n. (= FR1276a)
stellatus = sternenähnlich
Synonym: Notocactus graessneri var. stellatus (BACKEBERG) HAVLICEK 1989 nom. inval.
Feldnummern: WRA565 (graessneri v. stellatus, Rio Grande do Sul), FR1276a (graessneri v.stellatus, Vacaria/VAC/Rio Grande do Sul)
Junge Brasilicactus graessneri v. jaquiranensis (HU48)
(Foto: PSY-Gewächshaus)
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Brasilicactus graessneri var. tenuispinus n.n. (= HU329)
tenuispinus = schwach bestachelt
Feldnummer: HU329
Sammler: Leopoldo Horst
Art: Notocactus graessneri v. tenuispinus
Fundort: Sao Joaquim, Santa Catarina, Brasilien
Brasilicactus graessneri var. vacariensis n.n. (= RWB20)
vacariensis = aus Vacaria (Rio Grande do Sul) stammend
Feldnummer: RWB20
Sammler: Rudi Werner Bueneker
Art: Brasilicactus graessneri v. vacariensis
Fundort: Rio Grande do Sul, Brasilien
Es ist nicht klar, ob HU39 B. graessneri var. vacariensis oder B. haselbergii var. vacariensis oder B. graessneri v. stellatus ist!
[ www.sabon.org 26. april 2003 rotis ]
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