Die Gattung Brasilicactus BACKEBERG 1942
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Die Legenden um Brasilicactus elachisanthus
Nach der Beschreibung eindeutig ein Brasilicactus, durch höheren Wuchs von den anderen unterschieden bzw. mehr gestreckt, von dem ebenfalls weißstachligen B. haselbergii durch die grünen Blüten abweichend.
Die Art wurde lange nicht mehr gefunden. Vielleicht durch Urbarmachung verschwunden? Nach der Wuchsform und Stachellänge kann es sich nicht um B. graessneri v. albisetus CULLM. gehandelt haben. HERTER erhielt von P. RAMBO ein weißstachliges Exemplar von der Grenze Uruguays: es steht aber nicht fest, ob es obige Art war oder B. haselbergii.
Backeberg, C.: Die Cactaceae, Jena 1959, S. 1578
Ob diese Art, wie von BACKEBERG angegeben, wirklich verschwunden ist, bleibt abzuwarten, bis die zahlreichen Formen des N. graessneri und N. haselbergii, die neu aufgefunden wurden, näher untersucht worden sind. Die gestreckte Wuchsform der Pflanze kann auch bei älteren Exemplaren des N. graessneri beobachtet werden. Auch die geringere Länge der Dornen gegenüber N. graessneri var. albisetus ist kein Argument, da diese Varietät sehr variabel ist.
Schäfer, Dr. Gerhardt: Die Gattung Notocactus, Dresden 1980, S. 45
Zweites Foto des Brasilicactus elachisanthus in der Sammlung des Nationalen Botanischen Gartens Meise, Belgien. Aufgenommen im März 2003. (Foto: Botanischer Garten Meise) |
Notocactus elachisanthus (WEBER) HERTER
Joseph Theunissen
Diese Art wurde 1904 von C. WEBER im »Bulletin du Musée de l'histoire Nationale« in Paris als Echinocactus elachisanthus beschrieben. Wenn auch die Beschreibung recht ausführlich ist und sogar Daten über die Samen vorhanden sind, blieb diese Art doch völlig verschollen. Soweit ich weiß, gibt es nicht eine sichere Abbildung dieser Pflanze. Schon BRITTON und ROSE waren sich 1920 nicht sicher, denn sie schreiben auf S. 205 des 3. Bandes ihrer »The Cactaceae«: »Probably referable to this genus«, womit ihre Gattung Malacocarpus gemeint ist.
BERGER erwähnt diese Pflanze in seinem Sammelwerk »Die Kakteen« von 1929 gar nicht und auch in »Kaktus-ABC« von BACKEBERGE und KNUTH, veröffentlicht 1935, sucht man diesen Namen vergeblich.
Der erste, der die Pflanze erwähnt, ist HERTER in der »Revista Sudamericana de Botanica«, 1942. Auf Seite 75 findet man dort eine Tabelle, worin die Kakteen leninghausii, werdermannianus und elachisanthus verglichen werden. HERTER führt da ganz exakt die Daten auf, die er bei WEBER gefunden hat, wer eine Ergänzung zu diesen Daten sucht, wird enttäuscht. Vielleicht ist es erwähnenswert, daß HERTER in seiner Studie »Estudios Botanicos en la region Uruguayana« von 1930 zwar eine Auflistung von allen Echinokakteen gibt, die er in Uruguay gefunden hat, daß da aber auch der E. elachisanthus fehlt. HERTER hat dann 1943 in der Revista, S. 216, einige Echinokakteen zu Notokakteen umkombiniert, dabei auch elachisanthus.
Spätere Veröffentlichungen von HERTER, so in der französischen Zeitung »Cactus« unter dem Titel »Flore illustrée de l'Uruguay«, bringen uns diese rätselhafte Art nicht näher. Endlich kommt dann BACKEBERG 1959 mit einer weiteren Umkombination, denn nach ihm gehört die Pflanze nach der Beschreibung eindeutig zu Brasilicactus. Aber auch BACKEBERG gelingt es nicht, eine weitere Ergänzung der Beschreibung von WEBER zu geben, womit klar ist, daß 1959 immer noch NUR die Angaben von WEBER vorlagen!
Eine wirkliche Überraschung war es dann für mich, als ich in »Kakteen von A bis Z« von WALTHER HAAGE auf S. 60 endlich eine Abbildung der Pflanze fand. Die Zeichnung zeigt eindeutig eine Pflanze, die man zu Brasilicactus rechnen kann. Es wird auch bemerkt, daß es eine fast unbekannte Art ist, was ich für optimistisch halte. Es wäre wirklich interessant, wenn unsere Mitglieder in der DDR einmal untersuchen könnten, nach welcher Vorlage diese Zeichnung angefertigt wurde. Es ist leider so, daß die Daten zu diesem, im allgemeinen wertvollen Buch nicht alle zuverlässig sind. Leider hat der Autor es unterlassen, den Abschnitt über die Notokakteen sensu BUXBAUM von einem Fachmann auf diesem Gebiet, die es doch in der DDR zweifelsohne gibt, prüfen zu lassen.
[...] Der Autor [HAAGE] hat leider kein Foto von N. minimus aufgenommen, aber auch so ist es ganz klar, daß er sich selbst widerspricht. Mit dieser Bemerkung möchte ich klarstellen, daß der Autor sicher nicht als eine Autorität auf dem Gebiet der Notokakteen angesehen werden kann. Und das macht es wieder fraglich, ob er Recht hat in Sachen elachisanthus, einer Art, wovon er als erster, soweit ich weiß, eine Abbildung bringt.
Notocactus scopa: Von WEBERS B. elachisanthus-Beschreibung weit abweichende
Notokaktus-Art in Habitus, Bedornung, Blütenfarbe und Blütengröße (Fotos: Trond Gimre)
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Zwar muß man anerkennen, daß aus den Daten von WEBER eine gewisse Ähnlichkeit mit der Gattung Brasilicactus zu lesen ist, aber es gibt doch auch Gründe, weshalb man annehmen kann, daß es kein Brasilicactus sein KANN. Bekanntlich gibt es eine gewisse Ähnlichkeit (zwar nur oberflächlich) zwischen N. haselbergii und N. scopa. Bei Brasilicactus aber findet man nicht leicht eine Körperlänge von 25 cm. Diese Länge ist für N. scopa nicht außerordentlich! Alle bisher gefundenen Brasilikakteen wurden in höheren Lagen von Santa Catarina und Rio Grande do Sul gefunden. Sie wachsen dort an Stellen, die täglich von Ozeannebeln befeuchtet werden, und wo eine ständige Feuchtigkeit herrscht in einer Höhe von etwa 12001500 Metern! Es ist kaum möglich, daß eine unmittelbare Verwandte dieser Pflanzen ohne Zwischenstufen in der unmittelbaren Umgebung von Montevideo vorkommt. Dagegen ist es ganz gut vertretbar, daß nördlich von Maldonado Formen von N. scopa wachsen, die kleine Blüten besitzen!
Inzwischen erhält man hin und wieder Pflanzen aus der Tschechoslowakei unter dem Namen N. elachisanthus oder N. scopa v. elachisanthus, die ganz eindeutig zu N. scopa gehören. Da aber bisher noch keine deutlichen Trennungsmerkmale zu N. scopa beschrieben wurden und auch nicht gut sichtbar sind, andererseits auch niemand mitteilen kann, woher der Name stammt, möchte ich vorschlagen, den Namen elachisanthus nicht weiter zu benutzen, damit die Literatur nicht weiter mit ungeklärten Namen belastet wird. Meine Gründe für diesen Vorschlag sind folgende:
- Bis auf den heutigen Tag liegt eigentlich NUR die Beschreibung von WEBER vor, ohne Abbildung und ohne (lebendes) Pflanzenmaterial.
- Die einzige Abbildung ist in »Kakteen von A bis Z« zu finden. Es gibt aber mehrere Gründe anzunehmen, daß diese Abbildung auch nicht zuverlässig ist.
- Das Verbreitungsgebiet der bisherigen Brasilikakteen ist zu verschieden und zu weit entfernt von dem Gebiet, wo N. elachisanthus gefunden wurde.
- Was jetzt als N. (scopa v.) elachisanthus gehandelt wird, ist nicht zu klären und dient möglicherweise nur gewerblichen Zwecken.
Nochmals: Brasilicactus elachisanthus (WEBER) HERTER
Dr. Gerhardt Schäfer
The author introduces a plant of his collection which is, compared with the first description of WEBER, very similar to the legendary Brasilicactus elachisanthus.
In »INTERNOTO« 1983, Heft 4, stellt J. THEUNISSEN im Rahmen einer Studie über den legendären Brasilicactus elachisanthus die Frage, ob diese Pflanze überhaupt existiert habe. Er stellt fest, daß die Erstbeschreibunig von WEBER (1) ein Brasilicactus beschrieben sein könnte, kommt aber aufgrund des von den Heimatgebieten weit abgelegenen Fundortes zu dem Schluß, es handle sich bei der von WEBER beschriebenen Pflanze vielleicht um eine Form des Notocactus scopa, auf den auch der schlanksäulige Körper hinweise.
Tatsächlich kommt an dem von WEBER angebenen Standort, »Dünen an den Lagunen im Nordosten von Maldonado (Uruguay)« der Notocactus scopa nach Mitteilungen von H. SCHLOSSER (pers. Mittl. 1981) in großer Zahl vor. Trotzdem stehe ich der Annahme von J. THEUNISSEN skeptisch gegenüber, da einmal die für die damalige Zeit (1904) recht genaue Beschreibung WEBERS zweifellos auf einen Brasilicactus zutrifft, zum anderen aber die Autoren es zu dieser Zeit häufig aus verschiedenen Gründen an Genauigkeit bei Standortangaben fehlen ließen (woran sich bis heute nicht allzu viel geändert hat).
Daß die Pflanze an der von WEBER genannten Fundstelle nicht mehr vorkommt, hat mir H. SCHLOSSER (pers. Mittl. 1982) bestätigt. Er schreibt wie folgt: »Dieser Art habe ich meine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Nach WEBER war der ursprüngliche Standort die Ufer der Binnenseen im Nordosten des Departements Maldonado. Ich habe das Gebiet der 3 Seen mehrmals, zuletzt am 2. November 1979, besucht und systematisch nach Brasilicactus elachisanthus unter zeitweiliger Hilfe von 5 Personen abgesucht. Man kann also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen, daß er dort ausgestorben ist.«
Damit hätte man unter das Kapitel »elachisanthus« einen Schlußstrich ziehen und die Pflanze aus unseren Verzeichnissen abbuchen können, wobei offen zu lassen ist, ob sie ausgestorben ist oder überhaupt nicht existiert hat ... wenn nicht im Sommer 1984 in meiner Sammlung zwei bis zu dieser Zeit kaum beachtete Pflanzen der Gattung Brasilicactus mit dem Etikett »Brasilicactus haselbergii var. stellatus« Knospen getrieben hätten, die sich zu sehr kleinen, kaum 15 mm großen, gelbgrünen Blüten entwickelten. Damit aber war zunächst einmal geklärt, daß es sich bei dieser Pflanze, schon wegen der grünen Blüte, nicht um eine Form des haselbergii handeln konnte.
Meine beiden Pflanzen stammen aus der Sammlung eines Kakteenfreundes der Fachgruppe Meißen, wo mir anläßlich einer Besichtigung Ende der 60er Jahre zwei säulenförmige Brasilikakteen von etwa 15 cm Höhe und 78 cm Durchmesser auffielen, die am unteren Ende des Körpers einige Sprosse trugen. Nach Auskunft des Besitzers, der sie aus einer alten Sammlung schon vor langer Zeit erworben hatte, waren die Pflanzen äußerst langsam wüchsig und hatten noch niemals geblüht. Von jeder Pflanze erhielt ich einen Sproß von etwa 2,5 cm Durchmesser, die ich seit dieser Zeit gepfropft kultiviere. Ihr Wachstum war erstaunlich langsam, und die beiden Pflanzen haben in mehr als 15 Jahren eine Höhe von 10,5 bzw. 8,5 cm erreicht. Seit einigen Jahren bringen sie an der Körperbasis einige wenige kleine Sprossen und beginnen, sich zu strecken. Das Alter der Mutterpflanzen kann, gemessen am Wachstum meiner beiden Pflanzen, auf etwa 50 Jahre geschätzt werden, und es wäre durchaus möglich, daß in den Jahren 19201930 Importpflanzen dieser Art auch nach Europa gelangt sind.
Blüten konnte ich in den Vorjahren nie beobachten; gleichartige Brasilicactus-Formen haben die beiden Pflanzen an Größe weit übertroffen und blühen seit vielen Jahren. Die erste Blüte der größeren Pflanze bildete sich im Frühsommer 1984 an einem Seitensproß. Mit einer Gesamtlänge von 15 mm war sie die kleinste von mir beobachtete Brasilicactus-Blüte. Später erschienen aus dem Scheitel weitere 2 Blüten. Sie erwiesen sich trotz ihrer Zartheit als sehr ausdauernd und blieben mehr als eine Woche geöffnet. Nach dem Verblühen begann der Fruchtknoten sich zu verdicken und es bildeten sich hellgrüne, schmal ovale Früchte, die bis in den Herbst hinein keine Anzeichen von Reife zeigten. Erst im Oktober färbten sie sich bräunlichgrün und wurden ledrig weich. (Die lange Zeit bis zur Reife muß nicht typisch sein, sondern ist vielleicht auf die zur Zeit der Blüte und der Fruchtbildung ungewöhnlich kühle und sonnenarme Witterung zurückzuführen.)
Die sehr kleinen, kaum 0,6 mm großen Samen zeigten sich bei einer Keimprobe als keimfähig, womit die Selbstfertilität der Pflanze, wie bei allen Brasilikakteen, bewiesen ist, denn es blühten zum angegebenen Zeitpunkt keine Pflanzen der gleichen Gattung.
Brasilicactus elachisanthus: Diese Aufnahme wurde von J. Hruska gemacht und erschien im Artikel »Problém zvany Brasilicactus elachisanthus (Weber) Backeberg« des tschechischen Notokakteen-Experten Ing. Stanislav Stuchlík in der Zeitschrift »Minimus«, 1986, S. 711. Deutlich sieht man das Brasilicactus-unübliche Sprossen der Pflanzen. Erkennbar auch, daß es Pflanzen der Gattung Brasilicactus sind, keine Notocactus scopa. |
Ich hatte Gelegenheit, die blühende Pflanze Herrn J. THEUNISSEN anläßlich eines Besuches zu zeigen, der sie in die Nähe des Brasilicactus graessneri var. albisetus gestellt sehen wollte, eine Meinung, der ich aufgrund der Beschreibung der Form durch CULLMANN (2) nicht zustimmen kann. Wenig später konnte ich J. STUCHLIK (Brünn) die Pflanze, nunmehr mit Frucht, zeigen, der mir später (pers. Mittl.) bestätigte, daß auch in der CSSR eine solche Pflanze gefunden worden ist.
Arbeitsbeschreibung
Körper: Höhe der untersuchten Pflanze 10,5 cm, Durchmesser 7,5 cm; ältere Pflanzen an der Basis wenig sprossend.
Scheitel: Etwas eingesenkt, dicht von Dornen bedeckt, ohne Scheitelwolle.
Rippen: Sehr zahlreich, mehr als 50, spiralig gedreht, schwer auseinanderzuhalten, flach, warzig.
Areolen: Ca. 1 mm Ø, 45 mm freie Entfernung, im Scheitel rund, dann elliptisch, mit wenig weißem Wollfilz.
Randdornen: Weiß, ca. 1820, fein, biegsam, 610 mm lang, am Rande der Areolen radial strahlend.
Mitteldornen: Etwa 6, zentral in der Areole, etwas kräftiger, ca. 1012 mm lang, blaßgelb, stechend; der innerste etwas dunkler bräunlichgelb, ein wenig stärker und länger; alle Dornen nach der Basis vergrauend.
Blüte: Sehr klein, kaum 15 mm lang, trichterig geöffnet, davon Pericarpell 6 mm, dieses grün, mit locker stehenden, sehr kleinen Schuppen aus 46 winzigen, weißen Dörnchen, in den Schuppenachseln kaum erkennbare, weiße Wollflöckchen.
Receptaculum: Kurz, gelbgrün, mit wenigen kleinen Schuppen und winzigen weißen Dörnchen.
Blütenblätter: Sehr zart, schmal lanzettlich, schmaler als bei graessneri, etwas zugespitzt, gelbgrün.
Staubblätter: Rahmfarben, Beutel blaß grünlichgelb, ebenso Griffel und Narbe.
Frucht: Grün, ca. 6 mm lang und 4 mm breit, mit wenigen Areolschuppen und sehr kleinen weißen Dornen; bei der Reife gelblich verfärbend und etwas weich werdend; öffnet sich jedoch nicht von selbst.
Samen: Sehr klein, wohl der kleinste der Brasilikakteen, kaum 0,6 mm lang, dunkelbraun. Die Pflanze ist selbstfertil.
(1) Originalbeschreibung des Brasilicactus elachisanthus nov. spec.
WEBER, BULL, Mus. Hist. Nat. de Paris X:387.1904
Deutsche Übersetzung von Thomas Engel
Eine Art, die zur Gruppe der Microgoni gehören dürfte. Stammt aus den Dünen an den Lagunen im Nordosten Maldonados (Uruguay). Stamm einfach, 25 cm hoch, 12 cm im Ø, mit eingesenktem Scheitel, nicht wollig. Körper warzig; Warzen fastzusammenfließend, in spiralige, sehr zahlreichen Reihen (45 und mehr) angeordnet, flach, fast konisch, am Grunde breit und abgerundet oder rhomboid. Areolen ca. 5 mm enfernt, elliptisch, etwas ganz weißen Flaum tragend. Äußere Dornen 1215, fein borstig, radial, weiß, biegsam, 512 mm lang; innere 610, fein, etwas weniger fein als die äußeren, von denen sie bisweilen getrennt stehen, 1012 mm lang, gelb, ziemlich starr, stechend. Der innerste Mitteldorn ist allgemein der längste.
Blüten sehr klein, 1215 mm lang, einschließlich Ovarium; Ovarium grünlich, dornig, sehr klein. Blütenröhre sehr kurz, gelblich, einige Schuppen und kleine Bündel schwacher, weißer, 5 mm langer Dornen tragend. Sepalen und Petalen schmal, lanzettlich, spitz, grün. Staubfäden gelb, in Stufen inseriert; Antheren gelb wie der Stylus und die zweispaltige Narbe. Frucht grün, dornig, 56 mm Ø, rund, gefüllt mit sehr kleinen, dunkelbraunen Samen.
(2) Brasilicactus graessneri K. SCHUM. var. albiseta CULLM. var. nov.
Dr. W. CULLMANN (IOS) KuaS: 105 (1955)
Differt a typo aculeis radialibus frequentioribus, subtilioribus et prope albis, et multis setis pilis similibus ad 30 mm longis albis, areolis prope albis.
Patria: Rio Grande in Brasilia meridiana.
Die Areolen sind nicht gelb, sondern ganz hell gelblichweiß, und tragen noch zahlreichere, ganz hell gelblichweiße, feinere Randstacheln neben den Mittelstacheln, die grünlichgolden sind, wie bei der Art selbst. Ganz auffallend sind aber die zahlreichen, bis 30 mm langen, weißen Borstenhaare.
Ob es sich bei der hier beschriebenen Pflanze tatsächlich um Brasilicactus elachisanthus (WEBER) HERTER handelt, sei dahingestellt. Mit Sicherheit gehört die Pflanze aber zur Gattung Brasilicactus, die aufgrund ihrer von den anderen Arten abweichenden Eigenschaften wenigstens als eine bisher nicht bekannte Varietät oder Form dieser Gattung anzusehen ist.
Es wäre interessant festzustellen, ob, besonders in alten Sammlungen, noch weitere Exemplare dieser bemerkenswerten Pflanze kultiviert werden. Einer weiteren Verbreitung steht, da die Pflanze selbstfertil ist und auch Sprosse bringt, nichts entgegen.
Schäfer, G.: Internoto, 6/1985, S. 74
Nachsatz: Dr. Gerhardt Schäfer verstarb 1998. Schon 1987 hatte er seine wertvolle Sammlung komplett dem Botanischen Garten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verkauft. Nach Auskunft des dortigen Reviergärtners Ralf Dehn vom Februar 2003 waren unter den Pflanzen keine Brasilicactus elachisanthus:
»Zu den Pflanzen von Dr. Schäfer kann ich Ihnen leider keine positive Antwort erteilen. Unser Garten hatte einen Großteil von dessen Sammlung 1987 übernommen, und meines Wissens war N. elachisanthus damals nicht unter diesen Pflanzen. Eine spätere Übergabe weiterer Pflanzen fand nicht statt. Spätere Pflanzenverluste bei uns waren hauptsächlich auf starken Nematoden-Befall der Pfropfunterlagen zurückzuführen, die dann Opfer eines Sekundärbefalls durch Pilze wurden und die darauf gepfropften Notos über die Leitbahnen mit infizierten; eine heimtückische Geschichte. Möglicherweise sind befallene Pflanzen auch unverhältnismäßig leicht zu Sonnenbrandopfern geworden. Ich selbst habe wie gesagt N. elachisanthus weder bei uns und natürlich auch nicht woanders jemals gesehen. Für die Kakteen und anderen Sukkulenten bei uns bin ich allerdings erst seit Ende 1996 verantwortlich.«
Eine andere Sicht hat Alfred Gebauer von der ZAG Notokakteen (Auskunft vom März 2003):
»Es war 1987 oder 1988 als Dr. Schäfer seine gesamte Kakteensammlung dem Botanischen Garten Halle verkaufte. Einige ZAG-Mitglieder hatten Interesse (auch Kaufinteresse) an einigen Pflanzen und auch Pflanzengruppen (z.B. Scopanae oder Eriokakteen) bekundet, aber der Bestand ging definitiv restlos nach Halle mit Ausnahme von drei kleinen Aussaatschalen, wovon zwei bei einem Kakteenfreund (der nicht Mitglied der ZAG war) in der Bautzener Gegend und eine bei mir landeten. Da war aber nichts an Brasilikakteen dabei. Nach dem Verkauf der Kakteen an den Botanischen Garten hatte sich die ZAG bemüht, mit dem Garten einen Vertrag über die Pflege zu schließen, um die Sammlung zu einer Schutzsammlung auszubauen. Das ist letztlich am bürokratischen Gehabe des Gartens und der fehlenden Bereitschaft von in der Nähe wohnenden ZAG-Mitgliedern gescheitert. Eine Besichtigung der Örtlichkeiten und des Notobestandes durch die ZAG-Mitglieder bot ein verheerendes Bild. Die Schäferschen Notokakteen waren in einem überfüllten Nebengewächshaus bei schlechten Bedingungen (Licht, Wärme, Feuchtigkeit) untergebracht und haben bedauerlichwerweise den ersten Winter in Halle zu einem größeren Teil nicht überlebt. Leider hatten die Notokakteen damals nicht diesen Stellenwert wie die Mammillarien, die in Halle immerhin ein eigenes Haus bekommen haben und heute noch haben. Kurz danach zog Dr. Schäfer zu seinen Kindern in Rheda-Wiedenbrück, wo er am 25.03.1998 verstarb. Seit seinen Umzug hat er gesundheitsbedingt keine Kakteen mehr gepflegt (er konnte immer schlechter sehen).«
[ www.sabon.org 26. april 2003 rotis ]
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